Schloss Stuben Wo der Hütes auf den Tisch kommt

Bis 1692 ließ Bernhard I. Schloss Elisabethenburg in Meiningen errichten. In dessen ehemaliger Küche ist nun Frank Ungerecht Herr über Töpfe und Pfannen. Der Gastwirt bietet gutbürgerliche Küche – mit echten Thüringer Klößen  

Eine Legende besagt, dass in Meiningen die Thüringer Klöße vor Jahr und Tag erfunden wurden. Deren Schöpferin habe damals dem Bürgermeister das Rezept überreicht und ihm dabei gesagt: „Hüt’ es“. Seitdem heißen die Klöße in der Südthüringer Stadt und Umgebung nur noch Hütes. Einer, der diese Klöße heute vorzüglich und von Hand gemacht anbietet, ist Frank Ungerecht. Der Gastwirt der „Schloss-Stuben“ hat im Erdgeschoss der barocken Elisabethenburg sein Domizil. Bis zu 120 Gästen bietet er hier in der einstigen Schlossküche Platz. Das Restaurant führte Vater Norbert Ungerecht bis 2014. Er hatte die „SchlossStuben“ 18 Jahre zuvor übernommen und den guten Ruf der traditionell gutbürgerlichen Gaststätte erst begründet. Dann übergab er das Rezept für die Thüringer Klöße, die inzwischen nahezu bei allen Gerichten auf der Speisekarte stehen, an seinen Sohn. Frank Ungerecht ist gelernter Koch und Küchenmeister. Seine ersten beruflichen Erfahrungen hat er weitab von Thüringen unter anderem in Österreich, der Schweiz und England gesammelt. Eigentlich hatte es ihn damals nach Australien gezogen, doch das wollte nicht so recht klappen. Zum Glück, möchten seine Gäste heute sagen, denn so ist Frank Ungerecht doch wieder in seine Heimatstadt Meiningen zurückgekehrt.

Gemeinsam mit Ehefrau Melanie und zwölf Mitarbeitern bringt er in seinem Restaurant vor allem traditionelle Thüringer Küche auf den Tisch. Im Mittelpunkt der Speisekarte stehen freilich die berühmten Klöße, die in Thüringen jedes Kind kennt. Schließlich kommt in dem Landstrich rings um den Rennsteig sonntags klassischerweise der Kloß auf den Tisch. Wer sich etwas gönnt, eine Feier ausrichtet oder vor dem Besuch des bekannten Meininger Theaters oder nach einem Stadtbummel gut und stimmungsvoll Essen gehen möchte, der ist in den “SchlossStuben“ bestens aufgehoben. „Wir bewirten Familien, Besucher des Meininger Dampflokwerks, des Theaters, Gäste der Stadt und Urlauber, die sich im Thüringer Wald erholen, mit traditionellen Kloß-Gerichten, aber auch mit einigen neuen Kloß-Ideen“, schildert Frank Ungerecht verschmitzt. Er hat schon viel ausprobiert und freut sich immer über eine ehrliche Meinung seiner Gäste. Bei den jüngeren unter ihnen kommt vor allem der Hütes-Burger gut an. Das ältere Publikum lässt sich dagegen meist die traditionellen Gerichte gut schmecken.

Wildgulasch mit Preiselbeersahne zum Beispiel oder Lammhaxe mit Speckbohnen und Thüringer Klößen, geschmorte Schweinebäckchen mit einem Salat oder die klassische Rinderroulade mit Rotkohl und Thüringer Klößen. Beim Lesen dieser Speisekarte läuft nicht nur dem echten Thüringer das Wasser im Mund zusammen. Die Rouladen und Schweinebäckchen seien bei allen Besuchern besonders beliebt, verrät der Gastwirt.  Aber auch Kombinationen von Thüringer Kloß mit Fisch, Zander oder Forelle etwa, seien bereits auf viel Zustimmung gestoßen. Ebenso munden den Gästen feine Scheiben von der knusprigen Gänsebrust mit Thüringer Klößen und Kinder sind von Schnitzel mit Hütes-Schippel begeistert. Frank Ungerecht ist und bleibt ein kulinarischer Tüftler, einer mit viel Feingefühl und Geschmack, der nicht nur leckeres Essen serviert, sondern mit Ehefrau Melanie auch für ein angenehmes Ambiente in den SchlossStuben sorgt.

Gern setzen sich Gäste in die kleinen Nischen, von denen aus der Blick ungehindert in die einstige Schlossküche schweifen kann oder sie machen es sich in dem Gewölbekeller bequem, dessen Gestalt nicht zu einem Feinschmeckerlokal, sondern genau richtig zum Charakter der gutbürgerlichen Küche in den Schloss-Stuben passt. Wer zuvor das Schloss Elisabethenburg oder eines der Museen darin besucht hat, der wird sich in dem Ambiente der Gaststube herrlich wohlfühlen. In der großzügigen Parkanlage lässt es sich nach dem Besuch der „Schloss-Stuben“ gemütlich spazieren gehen. Der nahe Wald auf dem Herrenberg lädt zu einem ausgiebigeren Spaziergang ein, der den Besucher sich mitten in der Natur wähnen lässt. In dieser Umgebung, die bodenständig naturnah, herzoglich und feingeistig zugleich geprägt ist, hat Frank Ungerecht eine Küche geschaffen, „die kulinarisch für jeden Anlass passt“. Immer im Mittelpunkt steht dabei der Thüringer Kloß, jene Mischung aus Kartoffeln, die längst weltbekannt ist und doch nicht jedem so einfach gelingt. Zwei Teile gerieben, ein Teil zerkocht, das ist die Zusammensetzung  für die Hütes. Kartoffeln  reiben, auspressen, den Kloßbrei herstellen, den Kloß formen und ihn dann im nicht mehr kochendem Wasserbad ziehen lassen, das dauert schon etwa zwei Stunden. Am Ende sollte der Kloß etwa 200 Gramm wiegen, einige Weckbröckchen (geröstete Semmelstücke) in sich bergen. „Für mich muss der Kloß weich sein, denn der Meininger Kloß ist traditionell nicht zu fest“, stellt Frank Ungerecht seine Prämisse für die Hütes-Zubereitung vor. „Im Kloß die Kartoffel zu riechen, finde ich toll, den Eigengeschmack der Kartoffel hervorzuheben, das gefällt mir gut“.

Aus diesem Grund bezieht der Gastwirt seine Kartoffeln frisch aus dem Thüringer Anbaugebiet Andisleben aus der Erfurter Tiefebene. Fleisch, vor allem für seine Schweine- und Rindfleisch-Gerichte, bekommt der Gastwirt obendrein direkt aus der Region. Gleiches trifft auf Gemüse und andere Lebensmittel wie Forellen und Karpfen von der Fischzucht aus dem benachbarten Untermaßfeld zu. „Ich finde Frische immer sexy“, sagt Frank Ungerecht und kredenzt seinen Gästen deshalb auch gern ein Salatbuffet. Diese Frische auf dem Teller ist es, die Gäste aus nah und fern in den bordeaux-weiß gehaltenen Räumlichkeiten und mit Kerzen oder Leuchtern geschmückten Tischen unbeschwert genießen lässt. Der Gastwirt und sein Team können sich eigentlich sicher sein, dass ihr Essen auch den einstigen Herren von Schloss Elisabethenburg, den Meininger Herzögen, bestens gemundet hätte. Doch nicht nur das Essen für die klassische Mittagstafel oder für den Abend hält Frank Ungerecht für seine Gäste bereit. Schließlich hat der Restaurant-Chef mit den Hütes und Kartoffeln schon viel probiert.

Im Ergebnis seiner kulinarischen Suche entstanden unter anderem Kloßteig-Plätzchen. Der Teig wird bei dieser Spezialität in eine Stangenform gerollt. Davon gilt es, anschließend Scheiben zu schneiden und diese mit Speck und Zwiebel zu verfeinern. Der Kloßteig wird danach noch angebacken. Als Vorspeise mit Lachs serviert mundet diese Eigenkomposition vortrefflich. Eine Spezialität ist zudem der Kloßteig zum Mitnehmen. Das „Hütes-Päckchen“ mit dem hausgemachten Thüringer Kloßteig gibt es als Ein-Kilo-Variante. Der vakuumierte Teig muss daheim nur 30 bis 40 Minuten in leicht köchelndes Wasser gelegt, dann zu einem glatten Teig verrührt werden, um schließlich im Topf mit nicht mehr kochendem Wasser zu ziehen. Fertig sind die Klöße, wenn sie an der Oberfläche schwimmen. Das Päckchen Thüringer Kloßteig ist eine feine Alternative für die heimische Küche. Aber ehrlich, am besten schmeckt der Thüringer Kloß immer noch am gedeckten Tisch bei Wirt Frank Ungerecht in der 1692 erbauten Schlossküche!

 

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