Schließung droht Asylaufnahme: Jetzt rebelliert auch Hermsdorf

Die als Entlastung für die Suhler Flüchtlings-Erstaufnahme geplante Unterbringung in Hermsdorf (Saale-Holzland-Kreis) droht zu platzen. Der dortige Landrat hat eine Schließung angekündigt.

  Foto: dpa/Bodo Schackow

Wegen unhaltbarer hygienischer und medizinischer Zustände will der Landrat des Saale-Holzland-Kreises, Andreas Heller (CDU), die Flüchtlingsaufnahme-Stelle in Hermsdorf schließen. Eine Nutzungsuntersagung werde derzeit erarbeitet, heißt es in einem Brief des Landrats an das Landesverwaltungsamt, der unserer Redaktion vorliegt.

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Unter anderem gebe es in den Toiletten große Wasserpfützen, weil in der Halle zumeist Flüchtlinge aus Kulturkreisen untergebracht sind, die sich nach dem Toilettengang mit fließendem Wasser den Analbereich waschen – Dusch-WCs oder Bidets gebe es jedoch nicht, kritisiert der Landkreis. Ein zugesagter Med-Punkt fehle, es gebe nur drei Waschmaschinen für 350 Menschen, zudem sei der Rettungsdienst wegen vieler Einsätze in der Unterkunft nicht mehr in der Lage, die Bewohner des Landkreises bei Notfällen schnell zu versorgen.

Die ehemalige Industriehalle in Hermsdorf war mit 720 Plätzen eingerichtet worden, um die überfüllte Erstaufnahme des Landes in Suhl zu entlasten. Mit Stand vom Mittwoch waren in Hermsdorf 548 Menschen untergebracht. In Suhl sank die Zahl am Mittwoch erstmals mit 1392 unter die brandschutzrechtlich erlaubte Maximalbelegung von 1395 Bewohnern. Die Regel-Kapazität in Suhl liegt indes bei 800 Bewohnern. Durch die Überfüllung kommt es immer wieder auch zu Spannungen unter den Bewohnern, bei denen die Polizei einschreiten muss.

Um Suhl zu entlasten, sollen in den Außenstellen in Hermsdorf und Eisenberg nun auch Registrierungen von Flüchtlingen stattfinden. Die beiden Stellen waren im bundesweiten System jedoch erst am Montag, über eine Woche nach dem Aufnahmestopp in Suhl, angemeldet worden.

Laut Landrat Heller hatte sein Landkreis der zeitweisen Nutzung der Halle nur unter der Voraussetzung einer nur minimalen Belegung zugestimmt – Bewohner sollten nur für wenige Tage bleiben. Hauptproblem ist indes, dass es noch immer keinen Bauantrag für die Nutzungsänderung der ehemaligen Logistikhalle in Hermsdorf gibt – obwohl dies schon im April 2022 vereinbart worden war.

Das Migrationsministerium in Erfurt erklärte am Mittwoch nach Bekanntwerden des Landrats-Schreibens, dass die Hygienesituation geprüft werde. Bei einem vorherigen Besuch seien keine gravierenden Mängel ins Auge gefallen. Allerdings sehe das Ministerium auch, dass sich die Situation aktuell von Tag zu Tag ändern könne, so ein Ministeriumssprecher.

Betreiber des Heims ist – wie auch bei der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl – das Landesverwaltungsamt. Der nötige Bauantrag muss demgegenüber vom Landesamt für Bau und Verkehr gestellt werden, in dessen Regie die Immobilien des Landes liegen.

Für das Heim in Suhl gilt nach Angaben des Landesverwaltungsamtes noch bis zum Sonntag der Aufnahmestopp. Durch die Aufnahme von etwa 150 Geflüchteten in den Kommunen erwarte man wieder mehr Plätze in der Erstaufnahme. Allerdings stehe Thüringen im bundesweiten Verteilsystem durch die Abmeldung von Suhl im Minus. Daher sei damit zu rechnen, dass in der kommenden Woche – wenn Suhl wieder Neuankömmlinge aufnehmen könne – mindestens 200 weitere Geflüchtete nach Thüringen kommen könnten.