Schießen, Junioren-Weltcup in Suhl 500 Athleten, 300 Betreuer, 50 Nationen

Internationales Flair: Foto: Gerhard König

Nach dreijähriger Pause kehrt der Junioren-Weltcup nach Suhl zurück. Mit 40 Entscheidungen wartet ein straffes Programm. Drei Thüringer Talente sind dabei – und 63 Inder.

Quizfrage: Was haben Suhl und Lima gemeinsam? Die beschauliche Stadt im Thüringer Wald und die Hauptstadt Perus sind weltweit die einzigen Gastgeber für einen Junioren-Weltcup im Sportschießen. „Es gab mal das Ansinnen, vier Junioren-Weltcups in einer Saison durchzuführen, doch wegen Corona ist dieses Projekt vorerst auf Eis gelegt“, sagt Gerhard Furnier, Vizepräsident im Deutschen Schützenbund (DSB), in Suhl.

Jetzt also die 40 000 Einwohner zählende Kleinstadt Suhl, später dann die Acht-Millionen-Metropole Lima in Südamerika. Über 500 Nachwuchs-Schützen aus genau 50 Nationen ermitteln in den kommenden zehn Tagen auf dem Suhler Friedberg Sieger und Platzierte, hinzu kommen über 300 Betreuer. Summasummarum bringt das der Stadt nicht nur volle Hotelbetten, sondern spült der Region auch rund eine Million Euro Umsatz in die Kassen.

Indien stellt mit 63 Athleten die größte Delegation, gefolgt von Gastgeber Deutschland mit 37. Mit den Brüdern Marius und Moritz John (Trap/beide Suhl) sowie Nick Godau (Pistole/Worbis) sind drei Thüringer Talente am Start. „Wir hatten vor drei Jahren sogar 75 Nationen hier in Suhl und fast 1000 Schützen“, erklärt Furnier. Die rückläufigen Anmeldezahlen seien der Pandemie und den abgespeckten Budgets der einzelnen Nationen geschuldet, erläutert der erfahrene DSB-Funktionär. So hat China – die Top-Nation im Schießen – keine Delegation nach Suhl geschickt, auch Teilnehmer aus Russland und Weißrussen fehlen. Dabei ist eine Starterin aus der Ukraine, die mit der polnischen Mannschaft am Montag in Suhl eintraf. Insgesamt fallen stattliche 40 Entscheidungen. „Das ist ein straffes Wettkampfprogramm, größtenteils vorgeschrieben vom Weltverband“, sagt Furnier. Zudem werden einige Demonstrations-Wettbewerbe ausgetragen.

Sanierungen stehen an

Stefan Thon, Präsident des Thüringer Schützenbundes (TSB), freut sich auf die traditionsreiche Großveranstaltung. „Nach drei Jahren Abstinenz haben wir endlich wieder richtig Leben hier auf der Anlage“, stellt Thon fest. Neben zwei pandemiebedingten Weltcup-Absagen fiel auch die Junioren-WM 2020 in Suhl wegen Corona ins Wasser. Für das kommende Jahr kündigte der TSB-Chef größere bauliche Veränderungen im 1971 eröffneten Schießsportzentrum an: „Wir werden zunächst die Erich-Krempel-Halle sanieren und danach die Wurfscheiben-Anlage.“ Der TSB zählt rund 18 600 Mitglieder und ist einer der größten Landesverbände.

Sprungbrett nach oben

Die deutschen Talente liebäugeln trotz großer Konkurrenz mit einigen Top-Platzierungen. Neben erfahrenen Nachwuchsschützen wie Weltmeisterin Larissa Weindorf (Gewehr) oder Youth-Olympic-Games-Siegerin Vanessa Seeger (Pistole) sind auch einige Neulinge dabei, die erste internationale Erfahrungen sammeln werden. Auch die aktuell herausragenden EM-Ergebnisse weiterer DSB-Pistolenschützen lassen auf gute Resultate hoffen. So zählt der Gold- und Silbermedaillengewinner Eduard Baumeister zu den Favoriten. Bei gleich fünf Starts darf er in Suhl sein Können unter Beweis zu stellen.

Welche Bedeutung der Suhler Junioren-Weltcup (früher IWK) haben kann, wird bei einem Blick auf die Teilnehmerliste früherer Auflagen klar. So war die traditionsreiche Talentschau für spätere Welt- und Europameister oder gar Olympiasieger das Sprungbrett auf die internationale Bühne. Schützen wie die frisch gebackene Weltcup-Siegerin Anna Janßen oder auch Olympiasieger Christian Reitz konnten in Suhl erste internationalen Erfolge feiern und legten damit die Grundlage ihrer Karriere.

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