Schießen, Europameisterschaft in Kroatien Doppeltes Drama: Nur eine Scheibe fehlt

Nadine Messerschmidt in Aktion. Foto: Gerhard König

Jeweils der undankbare vierte Platz und kein Olympia-Ticket nach großem Kampf: Für Südthüringens EM-Hoffnungen Nadine Messerschmidt und Vincent Haaga endet der Skeet-Einzelwettkampf trotz starker Ergebnisse mit einer Enttäuschung.

Osijek/Suhl - Was für ein Drama: Da kämpfen Nadine Messerschmidt und Vincent Haaga wie die Löwen bei der Europameisterschaft im kroatischen Osijek, ziehen mit starken Vorkampfleistungen ins Skeet-Finale der besten sechs ein und stehen am Ende beide mit leeren Händen da. Südthüringens einzige EM-Starter verfehlen jeweils um eine Scheibe die Bronzemedaille und müssen sich mit Platz vier trösten. Noch schlimmer: Beide verpassen damit auch den greifbaren Quotenplatz für die Olympischen Spiele in zwei Monaten in Tokio, da jeweils zwei Konkurrenten um die Tickets vor ihnen lagen. Zweimal fehlte also eine Scheibe zum ganz großen Glück. Während Messerschmidt noch eine Chance auf die Teilnahme an den Sommerspielen hat, sind die deutschen Skeet-Schützen zum Zuschauen verdammt.

Als Nadine Messerschmidt im Finale auf Platz vier liegend just die letzte Scheibe verfehlte und danach ausscheiden musste, kullerten viele Tränen über ihre Wangen. Enttäuscht und niedergeschlagen nahm sie auf dem reservierten Stuhl Platz, auch eine Umarmung von Bundestrainer Axel Krämer änderte nichts am Gemütszustand. „Im ersten Moment war und ist die Enttäuschung wahnsinnig groß. Der Quotenplatz war zum Greifen nah und die Fehler wären vermeidbar gewesen. Ich muss jetzt eine Nacht darüber schlafen, es ist immerhin der vierte Platz in Europa – und ich sollte stolz auf mich sein“, sagte die 27-Jährige vom FV SSZ Suhl nach dem strapaziösen Wettkampf, der über zwei Tage ging.

Messerschmidt startete zäh ins Finale. Nach dem Verfehlen einer zweiten Doublette geriet sie in die Bredouille, früh auszuscheiden, blieb aber von Scheibe 15 bis 26 fehlerfrei. Der Kampf wurde belohnt: Zunächst schied die Zypriotin, dann eine der zwei Russinnen aus. Doch kurz vor der Medaille und dem Quotenplatz erwischte es die Thüringerin dann doch: Drei von vier Scheiben hätte Messerschmidt treffen müssen, doch zwei flogen unberührt in das Gras Osijeks.

Auch die Qualifikation hatte für die Flintenschützin aus Breitenbach bei Christes alles andere als optimal begonnen. In der Auftaktserie traf sie nur 21 Scheiben. Weitere Ausreißer waren fortan verboten. „Nach der ersten Runde hätte ich nicht mehr mit dem Ergebnis gerechnet. Das Kämpfen hat sich gelohnt“, resümierte Messerschmidt. Mit zwei 24er und zwei 25er-Runden gelang ihr dieses Unterfangen in beeindruckender Manier – Platz vier nach der Qualifikation war der verdiente Lohn.

Den ganz großen Lohn für die Trainingsmühen nach einer über einjähriger Wettkampfpause will sie in drei Wochen ernten. Am 19./20. Juni geht es in Frankfurt/Oder um die Besetzung des bereits vorab erkämpften Olympia-Quotenplatzes für die deutschen Skeeterinnen. Dieser wird in einer internen Qualifikation zwischen Messerschmidt, Katrin Butterer, Nele Wißmer und Vanessa Hauff ausgeschossen.

Ebenso dramatisch verlief das Finale für Vincent Haaga. Neben dem Kampf um die Medaillen lautete das Motto: Drei Schützen für zwei olympische Quotenplätze. Neben Messerschmidts Vereinskollegen kämpften noch der Zypriote Georgios Achilleos und der Finne Eetu Kallioinen um das Tokio-Ticket. Und von Beginn an lieferten sich Haaga und der Zypriote ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal lag Haaga einen Treffer hinten, mal einen Treffer vorn. Nachdem nur noch vier Schützen im Rennen lagen, spitzte sich die Lage zu: Als Haaga bei den Scheiben 31 bis 34 zweimal daneben schoss, schien alles gelaufen, doch sechs Folgetreffer ließen ihn wieder gleichziehen. Doch das reichte nicht, denn im Vorfeld des Finals schossen die Athleten die Reihenfolge im Falle eines Gleichstandes aus – und da hatte Achilleos die Nase vorn.

Haaga, der in Oberhof lebt, zeigte sich dennoch zufrieden mit seinem Auftritt: „Es ist kein Quotenplatz und damit sehr ärgerlich. Auf der anderen Seite denke ich mir: Einen vierten Platz bei der EM muss man erst einmal erreichen. Deshalb bin ich mit meiner Leistung und dem Ergebnis zufrieden. Es fehlte diese eine Scheibe, und das Quäntchen Glück gehört halt auch dazu. Es sollte einfach nicht sein. Es hat leider nicht mit Tokio geklappt! Okay, dann das nächste Mal!“ 2024 in Paris.

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