Schandfleck Innenstadt: Vorne hui und hinten pfui

Wucherndes Unkraut und alte Holzzäune „zieren“ die seit Jahren gesperrte und vor sich hin gammelnde Treppe am Lauter-Ufer zwischen Gothaer- und Döllstraße. Foto: /Michael Bauroth

Während die Stadt im Steinweg ihren Bewohnern und Gästen den roten Teppich ausrollt, harrt nur einen Steinwurf entfernt seit Jahren ein wahrer Schandfleck seiner Beseitigung.

Es erinnert ein bisschen an die Potemkinschen Dörfer: Vorn – in der Fußgängerzone Steinweg und Gothaer Straße – schicke, sanierte Hausfassaden und Ladengeschäfte. Hinten – in der Döllstraße, am Haus Gothaer Straße 9 entlang der gischtschäumenden Kaskaden der Lauter – eine seit vielen Jahren verfallende Treppe, die einst als vielgenutzter Durchgang diente. Diesen Durchgang hat die Stadt vor Jahren mit ein paar Metallgitterzäunen kurzerhand gesperrt. Für eine Sanierung der Treppen war kein Geld da und eine Benutzung wäre angesichts des maroden Zustandes und der Haftung der Stadt bei Unfällen zu riskant gewesen.

Neben dem wild wuchernden Unkraut kommt nun noch einiger Unrat in Form alter Holzzäune dazu, der offenbar von angrenzenden Hauseigentümern dort entsorgt wurde und das Erscheinungsbild alles andere als einladend macht. „Warum kann die Stadt hier nicht wenigstens für Ordnung und Sauberkeit sorgen und den Unrat und das Unkraut entfernen oder vom Eigentümer entfernen lassen, wenn schon das Geld für eine Sanierung der Treppe nicht vorhanden ist?“ empört sich Judith Lützkendorf. Sie ist Mitbetreiberin der kleinen Kneipe namens „Auszeit“ mit Seiteneingang im Wohn- und Geschäftshaus Gothaer Straße 9, unmittelbar also an der zugewucherten Treppe. „Wir möchten unsere Kneipe ja gern wieder öffnen, aber bei diesem Umfeld  ...“ sagt sie. Traurig sei das vor allem für viele junge Leute, die dort bis zu Beginn der Corona-Pandemie zu den Stammgästen zählten.

Mit einem Schreiben hat Judith Lützkendorf die Stadtverwaltung auf den Zustand der Treppenanlage hingewiesen, der bei Streifengängen von knöllchenverteilenden Politessen des Ordnungsamtes offenbar nicht wahrgenommen wird. Sie regt eine Vor-Ort-Besichtigung der Verantwortlichen des Ordnungsamtes an, damit sie sich selbst ein Bild machen können und Bewegung in die Sache kommt. Denn ein touristisches Aushängeschild der „Wohlfühlstadt“ ist der Anblick dieser Schmuddelecke nicht.

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