"Druck bewirkt keine Änderung der Position Putins", sagt die Politikexpertin Tatjana Stanowaja. Hoffnungen, dass innere Probleme in Russland Putin zur Einsicht von Fehlern bei seinen Kriegszielen bewegten, hätten sich nicht erfüllt.
Wie sieht die russische Reaktion aus?
Moskaus Machtapparat räumt zwar ein, dass es Probleme gebe, betont aber, dass die Lage unter Kontrolle sei. Putin, der sich erst am Mittwoch in Militäruniform auf einem Kriegsschiff zeigte, demonstriert bei jeder Gelegenheit Siegessicherheit, obwohl seine Kriegsziele auch im fünften Jahr der Invasion in weiter Ferne liegen. Bei massiven Angriffen vor allem auch auf Kiew und Umgebung setzte Moskau zuletzt verstärkt ballistische Raketen gegen Ziele ein - und nutzt dabei die Schutzlosigkeit der Ukraine aus.
Seitdem dabei zuletzt keine einzige ballistische Rakete mehr abgewehrt werden konnte, macht die ukrainische Luftwaffe keine Angaben mehr zur Zahl der von Russland abgefeuerten Raketen. Als besonders effektiv gelten zwar die Patriot-Raketen bei der Abwehr russischer Raketen. Doch Selenskyj beklagt fehlende Lieferungen durch die westlichen Verbündeten.
Welchen Einfluss hat Russlands Parlamentswahl auf den Krieg?
Bei der Abstimmung vom 18. bis 20. September sind nach dem Ausschluss der Anti-Kriegs-Partei Jabloko nur noch kremltreue Parteien zugelassen, die Russlands Invasion befürworten. Kremlchef Putin will mit dem von Oppositionellen als Farce kritisierten Urnengang zeigen, dass er anders als die Ukraine auch in Kriegszeiten Wahlen abhalten kann. Erstmals dabei sind die von Russland besetzten Teile der vier annektierten ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk, Cherson und Saporischschja.
Den absehbaren Sieg der regierenden Kremlpartei Geeintes Russland dürfte Putin als Legitimation nutzen, den Krieg fortzusetzen - und den Einsatz zu erhöhen. "Putin ist so sehr darauf fixiert, die Ukraine um jeden Preis in die Knie zu zwingen, dass dies alle innenpolitischen Probleme in den Hintergrund drängt", hält die Expertin Stanowaja in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie fest.
In Putins Logik werde auf wachsenden Druck - auch vom Westen - nur noch radikaler reagiert. "Der Krieg Russlands gegen die Ukraine tritt in eine neue Phase", meint sie. Die neue Qualität führe zu "einer allgemeinen Eskalation, einer geringeren Vorhersehbarkeit und wachsenden Risiken einer noch größeren geografischen Ausdehnung des Konflikts".