Rundfunk-Geschichte Die Radioröhre glüht auch heute noch in Spezialanwendungen

Eine Radioröhre von 1926. Foto: dpa

Ohne Radioröhren konnte man früher kein Rundfunkprogramm laut hören. Am Rennsteig stand eine Fabrik dafür.

Neuhaus am Rennweg - Elektronenröhren waren bis zur Einführung des Transistors die einzigen schnellen aktiven (steuerbaren) Bauelemente der Elektronik.

Von 1935 bis 1937 entstand in Neuhaus am Rennweg ein Telefunken-Elektronenröhrenwerk. Der Konzern, damals das führende deutsche Rüstungsunternehmen auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung, machte sich die technologischen Erfahrungen der Glasbläser der Region für die aufkommende Radartechnik nutzbar. Aus dem Telefunken-Elektronenröhrenwerk ging der VEB Röhrenwerk „Anna Seghers“, später VEB Mikroelektronik Neuhaus, hervor. Er beschäftigte Arbeiter und Angestellte aus dem ganzen Kreisgebiet, zeitweise bis zu 3000 Mitarbeiter, und zog Spezialisten aus anderen Teilen der DDR und Vertragsarbeiter an. Mehr als 150 Röhrentypen in einer Gesamtauflage von fast 100 Millionen Stück wurden in Neuhaus produziert.

Auch heute sind auf vielen Gebieten noch Röhren im Einsatz. Starke Sendeanlagen werden mit Elektronenröhren betrieben, Magnetrons werden in Radaranlagen und Mikrowellenherden eingesetzt. Ältere Fernsehgeräte und Computermonitore verwenden Kathodenstrahlröhren. Als Audioverstärker werden im High-End-Bereich ebenfalls noch Röhrenverstärker verwendet. Auch viele E-Gitarristen und -Bassisten schätzen den charakteristischen Klang eines Röhrenverstärkers.

Röhren haben Nachteile, weshalb sie aus dem Alltagsgebrauch verschwunden sind: sie brauchen eine aufwendigere Stromversorgung und mehr Platz. Dazu haben sie eine kürzere Lebensdauer als Transistoren oder Schaltkreise.

Allerdings haben sie auch immer noch gewichtige Vorteile: Sie sind unempfindlicher gegenüber manchen Umwelteinflüssen wie kosmischer Strahlung und Radioaktivität, Fehlspannungen und resistent gegenüber dem elektromagnetischen Puls (EMP); deswegen gab es zum Beispiel in der Sowjetunion eine militärisch motivierte Weiterentwicklung der Elektronenröhre.

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