Run auf Impf-Termin „Und jeder, der meckert, hat trotzdem zwei Fragen“

500 Menschen sind’s mittlerweile täglich, die sich im Sonneberger Impfzentrum immunisieren lassen. Das geht – trotz Termin – kaum noch ohne Warteschlangen ab. Jetzt kommt die Freigabe des Wirkstoffs für Kinder dazu, was die Nachfrage noch einmal hochtreiben wird. Der KVT-Manager ist daher längst auf der Suche nach einer geeigneteren Immobilie.

Das ehemalige Tanzstudio in der Köppelsdorfer Straße dient nun seit knapp einem Jahr als zentrale KVT-Impfstelle des Landkreises. Doch für den gegenwärtigen Andrang ist das Objekt nicht ausgelegt. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Sonneberg/Neuhaus am Rennweg - Am 28. und 29. Dezember werden erstmalig im Sonneberger Impfzentrum Kinder im Alter bis elf Jahre Einlass erhalten, um sich den Ansteckungsschutz gegen das Corona-Virus verabreichen zu lassen. Das Online-Portal der Kassenärztlichen Vereinigung zur Terminvergabe an Kinder fürs Ärmelhoch in der Köppelsdorfer Straße ist freigeschaltet. Ausdrücklich bittet Impfstellenleiter Christian Jauer Eltern diesen Weg auch einzuhalten. Wer einfach so vorbeischaut, wird keinen Erfolg haben, warnt er. „Gegenwärtig sind die Ressourcen an Wirkstoff wieder ähnlich knapp wie in den ersten Monaten des Jahres.“ Und die Zuteilung der Dosen erfolgt allein auf Basis der KVT-bestätigten Termine. Freie Spitzen? Gibt es nicht.

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Am Dienstag und Mittwoch nächster Woche sei der Nachmittag für das ganz junge Klientel reserviert. Nach dem Jahreswechsel werden es wohl immer zwei Tage in der Woche sein, an denen Jungs und Mädchen im Alter von fünf bis elf Jahre berücksichtigt werden, kündigt er an. Welche Wochentage genau, dazu laufen die Abstimmungen noch. Dass die Nachfrage recht hoch ist, zeichne sich ab, so Jauer. „Eine positive Überraschung“, da die Freigabe für Jugendliche bzw. Kinder ab zwölf Jahre in Sonneberg eher verhalten aufgenommen wurde.

Leichter macht es der Zuwachs weiterer Alterskohorten fürs Team allerdings nicht, im Gegenteil. Bis zu 500 Menschen täglich sind es aktuell, die sich den Gesundheitsschutz aus der Spritze in dem Flachbau abholen. Zwei Arztstrecken sind offen, „ein hoher Durchlauf“ hat sich etabliert.

Allerdings erweise sich der Wartebereich mit seinen acht Plätzen als Flaschenhals. 15 Minuten sollen Geimpfte bekanntlich in der Einrichtung im Sinne einer etwaig erforderlichen Nachsorge absitzen. Zwar behilft man sich zwischenzeitlich mit weiteren Räumen als Ausweichmöglichkeit. Doch so oder so ist damit klar, dass immer nur eine bestimmte Anzahl an Menschen gleichzeitig ins Objekt einrücken kann, so man das eigene Hygienekonzept ernst nehme.

„Ich bin längst händeringend auf der Suche nach einer neuen Immobilie“, bringt Jauer seine Nöte auf den Punkt. Nächstes Jahr brauche es zwingend eine andere, geeignetere Örtlichkeit, um die Nachfrage zu bedienen, Wartebereiche vorzuhalten und Warteschlangen unter freiem Himmel zu vermeiden.

„Alle, die kommen, haben natürlich einen Termin.“ Doch wenn sich im obligatorischen Gespräch mit dem Arzt vorab des Piks Fragen ergeben, müssen diese natürlich beantwortet werden. Dauert dies länger? Beginnt es sich zu stauen am Einlass, gerät der Zeitplan ins Stocken.

Zwar sind es zumeist Drittimpfungen, die verabreicht werden. Doch auch die Ersttermine würden wieder anziehen, so Jauers Beobachtung. Da wirke natürlich bis zu einem gewissen Punkt der Druck durch Arbeitgeber oder besorgte Familienangehörige auf bisherige Skeptiker, ist sein Eindruck. „Dann schlägt vor Ort noch die Warterei auf die Nerven. Und jeder, der meckert, hat aber trotzdem seine zwei oder drei Fragen, auf die er eine Antwort will und selbstverständlich bekommen soll.“ Geduld möge man daher mitbringen, lautet die Bitte Jauers.

„Von jetzt auf gleich ist die Nachfrage explodiert“, sagt der 35-Jährige und seufzt. Ihr Rechnung zu tragen, bleibe das Anliegen aller Ärzte und Schwestern, die im Impfzentrum ihr Möglichstes tun: „Wir kämpfen hier jeden Tag. Auch solange, bis es hoffentlich beim Letzten irgendwann Klick gemacht hat.“

Im Zuge der Impfoffensive des Landkreises war zuletzt am Mittwochnachmittag im Neuhäuser Kulturhaus Gelegenheit sich ohne Termin zum Stich einzureihen. Um die 200 Männer und Frauen kamen. „Hauptsächlich haben wir geboostert“, sagt Konni Lutter von der DRK-Bergwachtbereitschaft, welche den Andrang organisatorisch absicherte.

Ganz ohne Probleme sei es nicht abgegangen. Da zeitgleich auch zertifizierte Schnelltests angeboten wurden, habe sich so mancher in die falsche Schlange gestellt. Lutter bittet von daher mit Blick auf den nächsten Termin zum „Freien Impfen“ am Mittwoch, 29. Dezember ab 14 Uhr, zu beachten, dass zwei Eingänge im Kulturhaus der Rennsteigstadt vorgehalten werden: Eben einer für die zertifizierten Schnelltests und einer für die Impfkampagne.

Freies Impfen im G-Haus

Am Mittwoch, 22. Dezember, wird derweil ab 14 Uhr ins Sonneberger Gesellschaftshaus in der Charlottenstraße 5 eingeladen, um sich ohne Termin immunisieren zu lassen. Interessierte können einfach vorbeischauen. Zum Einsatz kommen Biontech sowie Johnson & Johnson. Bei letzterem ist nur eine Impfung notwendig, um den vollständigen Impfschutz zu erreichen. Mitzubringen sind jeweils ein Ausweisdokument, Krankenversicherungskarte und – wenn vorhanden – das Impfbuch. Wichtige Voraussetzungen zum Ärmelhoch bleibt, dass man in den letzten zwei Wochen keine andere Impfung erhalten hat und dass man symptomfrei bzw. nicht mit dem Coronavirus infiziert ist.

Gewisse Änderungen ergeben sich ansonsten für die Schnellteststelle im Sonnebad, kündigte am Donnerstag das Landratsamt an. Das von der Sonneberger Bäder GmbH betriebene Angebot ändert seine Öffnungszeit am Samstag. Anstatt von bisher 9 bis 18 Uhr ist die Teststelle samstags ab sofort immer von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Bei den anderen Zeiten in der Wiesenstraße 18 bleibt es wie gehabt: Montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr bzw. sonntags von 9 bis 18 Uhr. Eine Terminvereinbarung ist vorab nicht nötig. Mitzubringen ist ein Ausweisdokument. Vor Ort gilt Maskenpflicht (FFP2).

Sechs Pandemietote mehr

Dass eine Ansteckung mit dem Corona-Virus ein lebensgefährliches Risiko bergen kann, hat sich für weitere sechs Landkreisbewohner erwiesen. Zuletzt verstarben im Zusammenhang mit einer bestätigten Infektion ein 65- und ein 86-Jähriger aus Lauscha, außerdem drei Männer im Alter von 69 bzw. zwei 83-Jährige und eine Frau (88) aus Sonneberg.

Die Sieben-Tage-Inzidenz für die Region zwischen Neuhaus und Sonneberg, Schalkau und Neuhaus-Schierschnitz ist am Donnerstag leicht gesunken, verbleibt aber infolge von 603 Neuansteckungen binnen einer Woche über der 1000er-Schwelle. Die Einordnung des Landkreises im Thüringer Frühwarnsystem heißt somit unverändert auf Kategorie 4 und „Hotspot-Region“.

Im Vergleich aller 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland war damit am Donnerstag Rang 9 der von der Pandemie meistbetroffenen Gebietskörperschaften markiert, nach Hildburghausen, wo ausweislich der RKI-Erhebungen das Corona-Visus bundesweit am heftigsten grassiert.