Warum arbeiten trotzdem so viele Menschen anderswo?
Neben guten Jobs, jahrelanger Betriebsbindung und netten Kollegen ist der entscheidende Grund nach Einschätzung von Gewerkschaftern der Verdienst. Thüringen gilt seit Jahren als Bundesland mit den geringsten Einkommen im Vergleich der Bundesländer - trotz steigender Tendenz.
Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. 2024 waren Löhne und Gehälter im Freistaat nach Berechnungen der Bundesarbeitsagentur jedoch um sechs Prozent oder 198 Euro auf 3.307 Euro brutto im Monat gestiegen. Das bundesweite Median-Bruttomonatsentgelt für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland lag 2024 bei etwa 4.013 Euro.
Bei den Werten zu den Entgelten handelt es sich nicht um klassische Durchschnittsangaben, sondern um Mittelwerte (Median). Da einige sehr hohe Gehälter den Durchschnittswert verzerren, ist der sogenannte Medianwert oft aussagekräftiger: Bei der Hälfte der Beschäftigten liegt das Einkommen darüber, bei der anderen Hälfte darunter.
Als Hauptgrund für die Lohnlücke nennt der DGB die geringe Tarifbindung, nicht nur in Thüringen. Nur 42 Prozent der Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern arbeiteten demnach in tarifgebundenen Betrieben, im Westen seien es 50 Prozent. In Thüringen verdienten Beschäftigte mit Tarifvertrag im Schnitt 740 Euro mehr im Monat als die ohne. Inzwischen wirbt auch die Landesregierung bei den Unternehmern, Tarifverträge für ihre Beschäftigten abzuschließen.