Rodler Ludwig Mit Weltcup-Gesamtsieg und Koala zu Olympia-Gold

Von Johann Reinhardt und Frank Kastner,
15.01.2022, Oberhof: Max Langenhan (l.), Johannes Ludwig (M.) und Felix Loch (r.) aus Deutschland jubeln auf dem Siegerpodest beim Eberspächer Rennrodel-Weltcup der Herren in der Lotto Thüringen Eisarena in Oberhof. Ludwig gewinnt den Wettbewerb vor Langenhan und Loch. Foto: Martin Schutt/dpa

Die große Tradition der Thüringer Rodler auf dem Olympia-Thron könnte Ludwig in Peking fortsetzen. Nach Team-Gold und Einzel-Bronze in Pyeongchang ist nun alles auf Gold ausgerichtet. Glück soll ihm ein Koalabär bringen.

Rodler Johannes Ludwig will seine bislang erfolgreichste Saison auf dem Rennschlitten mit Olympia-Gold krönen. Mit dem erstmaligen Gewinn des Gesamtweltcups gilt er bei den Rennen in Peking am 5. und 6. Februar als Topfavorit. Immerhin gewann er auch den vorolympischen Weltcup in Yanqing. Der 35-Jährige aus Oberhof weiß aber: «Das Rennen ist eine Momentaufnahme ist, wo alles passen muss.» Er selbst profitierte 2018 bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang vom Fehler seines Teamkollegen Felix Loch im Finallauf und rutschte somit noch auf den dritten Platz. Danach gewann er mit der Teamstaffel Gold.

So einen Patzer wie bei Loch passierte ihm selbst beim Weltcupfinale zuletzt in St. Moritz. Er fiel im zweiten Durchgang bei der parallel ausgetragenen EM noch von Rang zwei auf elf zurück. Daher sind für Peking alle Sinne geschärft. Bei nun vier Wertungsläufen an zwei Tagen kann alles passieren. Der gigantische Eiskanal im Xiaohaituo-Gebirge hält für den Gefühlsfahrer Ludwig seine Tücken bereit und kann in nur einer Fahrt alle Hoffnungen platzen lassen.

Doch der 35-Jährige hat genug Erfahrung, ließ sich nicht beirren: «Es ändert nichts dran, dass ich sehr gut aufgestellt bin.» Fünf der neun Weltcuprennen gewann er, bei zwei weiteren erreichte er das Podium. Das gibt ihm Sicherheit. «Wir arbeiten jedes Jahr weiter am Material und haben gemeinsam mit unserem Mechaniker Robert Eschrich getüftelt, so dass sich Johannes auf dem Schlitten noch wohler fühlt. Mit den Erfolgen gewann er sukzessive an Selbstvertrauen. Es sind mehrere Bausteine, die bei ihm zusammenkommen und diese Ergebnisse ermöglichen», erklärt Jan Eichhorn.

Der Heimtrainer setzt in den letzten Tagen vor der Abreise noch einige Reize: Mit den Doppelsitzern Toni Eggert und Sascha Bennecken wird am Finetuning in der Bahn gearbeitet, während Ludwig und Max Langenhahn im Startbereich feilen. Obwohl Schnellstarter Ludwig schon zu den Besten gehört, sieht er am Start noch Verbesserungspotenzial.

Viel wichtiger ist es aber, gesund zu bleiben. In einer Oberhofer Kaserne isolieren sich die Rodler die letzten Tage in der Heimat durch strikte Quarantäne. Die Pandemie bestimmt auch zwei Jahre nach dem Ausbruch weiterhin die täglichen Abläufe im Sport. «Es nimmt einiges von dem, was Olympia eigentlich ausmacht. Wir dürfen uns trotz der besonderen Umstände davon nicht herunterziehen lassen. Mit einer positiven Herangehensweise versuchen wir, unsere Leistung abzurufen», sagt Ludwig. Die Erlebnisse bei den vorolympischen Testrennen sind noch in den Köpfen. Aufgrund einer Namensdopplung sollte er damals getestet werden, die Kontrolleure suchten stattdessen aber Namensvetter Carsten Ludwig, Projektleiter Rodeln bei der FES auf, bis die Verwechslung letztlich aufgeklärt wurde.

Sportlich lief es besser. Den Test-Weltcup gewann er. Die Bahn liegt ihm. Knapp eine Minute benötigen die Herren von Start bis ins Ziel, in Oberhof dagegen nur 42 Sekunden. Doch kleine Fehler im oberen Bereich können sich stark auswirken, die unteren Kurven 13 bis 15 gelten als Schlüsselstellen. Und die Konkurrenz ist in der Breite so stark wie nie. «Ich bin mir der Stärken der Konkurrenz bewusst, weiß aber auch, dass ich das Potenzial habe, um ganz vorne anzugreifen», betonte Ludwig.

Damit es am Ende wirklich mit Gold klappt, hat er auch einen kleinen Koalabären - ein Geschenk seiner Familie - als Talisman in der Tasche dabei. Der Koala symbolisiert die notwendige Entspannung, um in den entscheidenden Momenten fokussiert zu sein. Dann könnte er die Thüringer Erfolgsbilanz im Eiskanal fortsetzen. Der Erfurter Wolfgang Scheidel gewann 1972 in Sapporo Gold im Einzel, 1980 in Lake Placid schaffte es Bernhard Glass, 1988 in Calgary raste der Oberhofer Jens Müller auf den Olympia-Thron. Dann holte der gebürtige Sonneberger Felix Loch - mittlerweile als Vorzeige-Bayer - 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi gleich zweimal hintereinander Gold. Nun will Ludwig nachlegen

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