"Weil die Radonkonzentrationen über das Jahr hinweg stark schwanken, wird für die gesundheitliche Bewertung der Jahresdurchschnittswert herangezogen", heißt es vom BfS. "Auch bei einem großen Unterschied zwischen Winter und Sommer können die Radon-Werte in einem Gebäude im Durchschnitt im Normalbereich liegen."
Dem BfS zufolge sind rund 10,5 Millionen Menschen in Wohnräumen mit Werten über 100 Becquerel pro Kubikmeter belastet, etwa zwei Millionen überschreiten den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter.
Wie erkenne ich, dass meine Wohnung betroffen ist?
Erste Hinweise liefern Deutschlandkarten auf den Internetseiten des BfS, in denen sich über eine Orts- oder Postleitzahlensuche nach der eigenen Adresse suchen lässt. "Aussagen zu Einzelgebäuden sind aus den Prognose-Karten niemals ableitbar. Sie können nur durch Messungen im jeweiligen Gebäude getroffen werden", heißt es dazu aber.
Es sei auch nicht möglich, von der Situation in einem Haus auf die Situation im Nachbarhaus zu schließen. "Sowohl die Situation im Boden als auch die baulichen Gegebenheiten und das Nutzerverhalten können sich von Haus zu Haus deutlich unterscheiden."
Das BfS rät dazu, gerade die kalte Jahreszeit für eine Radon-Messung zu nutzen. "Wenn die Radon-Werte im Winter niedrig sind, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind", erläutert Bernd Hoffmann, Radon-Experte beim BfS.
Sogenannte passive Radon-Messgeräte sind dem BfS zufolge die einfachste Möglichkeit für eine Radon-Messung. Man stelle sie selbst in der Wohnung auf und schicke sie nach Ende der Messung an den Anbieter zurück, der sie auswerte und das Ergebnis mitteile. Pro Messegerät koste das zwischen 30 und 50 Euro.
Wichtig: Wer viel im Homeoffice arbeitet, sollte neben Wohn- und Schlafzimmer auch den privaten Büroraum in die Messung einbeziehen.
Was tun, wenn der Wert hoch ist?
Regelmäßiges Stoßlüften durch weit geöffnete Fenster reduziert die Radonkonzentration im Erdgeschoss schnell. Kellertüren sollten nach Empfehlung von Experten geschlossen und abgedichtet sein. Abdichten sollte man zudem Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Kabelschächte im Boden oder an Wänden des Erdgeschosses mit Erdkontakt. In Einzelfällen wird eine Art Drainage unter dem Boden des Hauses oder spezielle Lüftungsanlagen empfohlen. Für Neubauten oder Sanierungen gibt es gasdichte Bodenplatten oder Radon-Sperrfolien.
Wenig Radon - alles gut?
Auch mit wenig Radon im Raum sollte man auf gute Durchlüftung auch im Winter achten, wie Experten betonen. Das Gas ist nur einer von zahlreichen Schadstoffen, die die Raumluft belasten und gesundheitliche Risiken bergen. Dazu zählen etwa Formaldehyd aus Möbeln und Klebstoffen, Weichmacher aus Bodenbelägen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus Holzschutzmitteln. Hinzu kommen sogenannte volatile organische Verbindungen (VOCs) aus Farben, Kosmetikprodukten und Putzmitteln.
Solche Giftstoffe können unter anderem Krebs verursachen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder ungeborenes Leben schädigen. Europäer verbringen Experten zufolge heutzutage im Mittel rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Entsprechend viel Relevanz haben Giftstoffe in der Raumluft. Pro Tag atmet ein Mensch rund 10 bis 20 Kubikmeter Luft ein.