Riesengemüse Um Kilo und Gramm wurde wieder gefeilscht

Breitungen erlebte am Samstag wieder das Kürbiswiegen – neben den Züchterfreaks war jedermann willkommen, um Kürbis, Möhre oder Zucchini auf die Waage zu bringen.

Breitungen - Aller guten Dinge sind drei: Florian Götz aus Rieth (Kreis Hildburghausen) hatte bei der Thüringen-Meisterschaft im Kürbiswiegen erneut die Nase vorne – nach 2019 und 2020 nun also zum dritten Mal.

Am Breitunger Strandbad gaben sich am Samstag wieder Züchter aus nah und fern ein Stelldichein. Nach den Regeln des Great Pumpkin Commonwealth (GPC) wurden die Besten ermittelt. Über den Platz war Götz natürlich zufrieden, beim Gewicht hatte er noch mehr erwartet. 490 Kilogramm hatte er für seinen atlantischen Riesenkürbis avisiert, 436 waren es am Ende. Die 1000 Pfund hätte er gerne geknackt, sagt der Student der Energiewirtschaft, der seinen Master macht. Letztes Jahr, als das Wiegen wegen Corona im kleinen Rahmen in Breitungen stattfand, brachte sein Kürbis 521,4 Kilo auf die Waage. Nun also etwas weniger – trotzdem nahm der 27-Jährige den Landesmeistertitel natürlich gerne mit nach Hause.

Angefangen hatte sein Interesse am Kürbis mit dem Schnitzen und nicht mit dem Kampf um die Kilos. Er kaufte das Gemüse im Supermarkt, verpasste den runden Dingern Muster und Gesichter. Doch irgendwann erschienen ihm die Kürbisse zu klein für seine Kunstwerke. „Da müssen wir eben eigene, größere züchten“, war damals seine Maxime. Und so begann der Kürbisanbau. Das Schnitzen hat er natürlich nicht ad acta gelegt. Auch aus seinem Titel-Riesenkürbis von 2021 wird wieder ein Gesicht. „Zwei Tage werde ich dafür brauchen.“ Um die Halloween-Zeit soll das Kunstwerk vorm Haus zu sehen sein. Bis dahin hat das dicke Ding in der Garage seinen Platz – „im Trockenen gemeinsam mit der Katze“.

Im Gesamtwettbewerb, der offen für alle war, musste sich Götz in Breitungen nur einer internationalen Connection geschlagen geben. „Vodka-Melone“ heißt diese und hinter ihr stehen Kevin Kloch aus Österreich und Mario Weishäupl aus Bayern. Beide Züchter fanden irgendwie irgendwann zusammen, beide hatten schon ihre Erfolge. „Als Mario dann sein Haus baute, hatte er nicht mehr so viel Zeit – nur noch für Melonen“, erzählte Kloch. Man half sich, tauschte sich aus, genehmigte sich auch mal gemeinsam ein Gläschen. Und so wurden auch mal Melonen teilweise aushöhlt und mit Wodka gefüllt – Hochprozentiges, das man gemeinsam auslöffeln kann. „Da wirst du nicht vom Trinken, sondern sozusagen vom Essen besoffen“, sagt der Österreicher, der gerne zu Sprüchen und Scherzen aufgelegt ist. Der Gemeinschaftskürbis der beiden brachte es in diesem Jahr auf satte 686 Kilo und holte den Gesamtsieg. Auf Rang drei rangierte ebenso ein Züchter aus Österreich. Friedrich Melka schaffte 333,2 Kilogramm – er gehört inzwischen ebenso zu den bekannten Züchter-Gesichtern im Werratal.

In Breitungen wurden am Samstag die Besten in weiteren Kategorien ermittelt. Immerhin: eine Möhre von Viola Wegener aus Beelitz/Brandenburg brachte es auf satte 2627 Gramm. Die schwerste Möhre aus heimischen Gärten hatte mit 2019 Gramm Karsten Rohrdiek aus Wahles mitgebracht. Er züchtet seit vielen Jahren, wie auch sein Bruder Mike, der in diesem Jahr in der Gesamtwertung bei den Riesenkürbissen auf Rang 4 kam, aber damit zweitbester Thüringer war.

Und Annett Niebels Riesenzucchini hatte stolze 39,6 Kilo. Damit musste sich die Züchterin aus Sünna nur ihrem Vater Hans-Joachim Vieweg aus Motzlar geschlagen geben, dessen Gemüse noch 200 Gramm mehr schaffte. „Das bleibt in der Familie“ waren beide zufrieden. Beim Feldkürbis konnten sich Josefine und Oliver Reckenbeil aus Wernshausen über den Sieg mit 53,6 Kilogramm freuen.

Doch nicht nur die Gartenfreaks waren gefragt, auch der Nachwuchs hatte seine Chance. So waren auch Gruppen aus Kindergärten und Grundschulen aufgerufen, sich mit ihren Kürbissen einzubringen. Ganz vorne landete die Kita Wernshausen. Hier hatte Jürgen May den Kürbis der Kinder angeliefert – er war es auch, der den Mädchen und Jungen eine vorgezogene Pflanze im Frühjahr überbrachte. „Ich bin jetzt nicht so der Züchter, aber meine Enkel waren schon öfters bei dem Wettbewerb dabei“, sagte er. „Es ist schön, wenn sich Kinder mit so etwas beschäftigen und nicht nur vorm Fernseher sitzen.“

Auch Breitungens Bürgermeister Ronny Römhild ermunterte Kinder, Eltern, Opas und Omas: „Geht auf uns zu! Meist lassen die Züchter uns ein paar Kerne da, denn probiert es mal selbst und seid nächstes Jahr mit dabei.“

Er und Cornelia Reum vom Organisationsteam führten durch das Programm und unterhielten die Gäste – unterstützt natürlich von den Züchtern, die immer wieder gerne Auskunft gaben und spannende Infos bereithielten. Unvorstellbar beispielsweise, dass ein Kürbis 25 Kilogramm am Tag zulegen kann. Mit Blick auf die Männer vom Breitunger Bauhof, die das schwere Gemüse sicher auf die Waage brachten, regte Römhild augenzwinkernd an, „den sicheren Kürbistransport künftig als Einstellungskriterium für neue Mitarbeiter heranzuziehen“. Geschätzt wurde auch. Drei Teilnehmer hatten mit 83 kg eine Punktlandung, sodass gelost werden musste. Über eine Kanutour auf der Werra konnte sich am Ende Johann Klett aus Westhausen freuen. Der Achtklässler war mit seinem Cousin Florian Götz nach Breitungen gekommen, der immerhin Thüringen-Meister wurde.

 

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