Rhöner Platt Mundart, die verlernst du nicht

Die schöne Freilichtbühne am Weidberg wird am 10. Juli zum Biosphären-Erlebnistag ein Programm erleben, bei dem Karneval und die Mundart gefeiert werden. Foto: Iris Friedrich

Karnevalist und Vermögensberater, begeisterter Mundartsprecher und natürlich auch des Hochdeutschen mächtig – der Kaltenwestheimer Reimund Schäfer hat nicht etwa zwei Gesichter, er vereint einfach beides.

Karnevalist und Vermögensberater, begeisterter Mundartsprecher und natürlich auch des Hochdeutschen mächtig – der Kaltenwestheimer Reimund Schäfer hat nicht etwa zwei Gesichter, er vereint einfach beides. Der 59-Jährige verrät, warum er heute noch Platt spricht und sich auf den 10. Juli freut, wenn auf dem Weidberg Mundart und Karneval zusammentreffen.

Herr Schäfer, es heißt immer, man spricht, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wie ist denn Ihrer gewachsen?

Daheim bei uns in Kaltenwestheim wurde nur Rhöner Mundart gesprochen, das war ganz normal. Und das ist es auch heute noch – mit Mutter und Vater spreche ich ausschließlich Mundart. Im Kindergarten fing es dann an, dass nur noch Hochdeutsch gesprochen werden sollte. In den 70er Jahren in der Schule war es von oben irgendwie reingetragen worden: Mundart ist nicht gut angesehen. Also da wurde dann nur Hochdeutsch gesprochen, selbst von den Lehrern, die vom Dorf waren. Meine ersten Schulaufsätze, die habe ich wirklich noch halb in Mundart und halb in Hochdeutsch verfasst.... (Er lacht.)

Aber verlernt haben Sie’s ja nicht.

Nein, das verlernt man auch nicht. Das hat man ja mit der Muttermilch eingesogen, das bleibt.

Doch heute sind Sie ja Vermögensberater. Muss man da nicht ganz korrekt – und da bediene ich jetzt selbst ein Vorurteil – mächtig klug daherkommen?

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Ich habe eine seriöse Ausbildung zum IHK-zertifizierten Vermögensberater, nachdem ich vor der Wende bestimmt auch ein ganz guter Fahrzeugschlosser war. Zur Deutschen Vermögensberatung bin ich durch Zufall gekommen und über 30 Jahre dabei geblieben. Meine Agentur läuft gut und ich habe viele Kunden aus der Rhön. Und natürlich red’ ich dabei auch in Mundart, keine Frage. Das geht automatisch, wenn ich jemanden treffe, der auch Mundart spricht. Ich habe schon Kundengespräche geführt, da hab ich mit dem Mann Mundart gesprochen und mit der vielleicht auswärtigen Frau Hochdeutsch. Ich kann umschalten – sogar mitten im Satz.

Im Kaltenwestheimer Karneval hat die Mundart ja auch einen festen Platz – und Sie erst recht...

Mit Karneval hatte ich erst gar nichts am Hut. Dann wurde ein Prinz gesucht und ich war dabei. Sogar meine Prinzessin habe ich da gefunden. Und ja, dass Mundart in unseren Karneval gehört, war nie eine Frage. Was gab es früher schon für tolle Dorfbütten! Auf die haben die Leute gelauert. Denn in Kaltenwestheim gibt es keine Kirmespredigt, in der Verfehlungen der Dorfbewohner ans Licht kommen – das wird im Karneval gemacht. Ich habe mit meinem Freund Hansi die Dorfbütt übernommen, als sie drohte auszusterben. Schade, dass er nicht mehr lebt. Dorfbütt ist manchmal gar kein leichter Job, denn man droht ja ständig jemandem auf den Fuß zu treten. Aber auch das geht in Mundart leichter als in hochdeutscher Ansprache.

Und jetzt werden Sie am 10. Juli auf dem Weidberg wie immer in Mundart durchs Programm führen, wenn der Karnevalverein, die Mundartkinder und die Meininger Gruppe Motzings Enkele auftreten?

Keine Frage. Im Karneval teilen sich Präsidentin Jana Markert und ich schon immer in die Moderation – die eine Hochdeutsch, der andere Mundart. Nicht alle verstehen mehr Mundart. Aber es ist sehr schön, wenn man so sprechen kann. Die Leute erinnern sich dann irgendwie an gute, alte Zeiten. Deshalb war auch das Kaltenwestheimer Krippenspiel so ein Renner. Wir hoffen, das aktuelle Stück, für das wir proben, können wir bald mal aufführen.

Von Dorf zu Dorf klingen die Worte vielleicht ein bisschen anders, aber man versteht sich. Zugegeben, einige Wörter sind einfach rum, die werden fast nicht mehr gebraucht. Das Wort für Jauche zum Beispiel. Und es gibt neue Worte, die kann man kaum übersetzen. Handy ist so eines.

Also darf man auf der Freilichtbühne am Weidberg auch wieder Lustiges erwarten?

Auf jeden Fall. Vom Karneval, den Mundartkindern und von Motzings Enkele. Es gibt erst einen Karnevalblock, auch mit Tanz, dann die pure Mundart mit den Enkele und dann noch einmal den KKV. Auch in Mundart – das schafft einfach so eine Nähe.

Interview: Iris Friedrich

Autor

 

Bilder