Rhöner Kaninchenzucht Heute muss keiner mehr zwischen die Tierkisten

Bei der Schau zum 100. Jubiläum des Kaltenwestheimer Kaninchenzuchtvereins in der Mehrzweckhalle Wetzstein stellten Züchter aus Thüringen und Hessen aus. Zur Vorbereitung und Durchführung am vergangenen Wochenende halfen auch Zuchtfreunde aus benachbarten Vereinen mit, so beim Aufbau und bei der Bewirtung der Gäste am Kuchenbüfett. Schmalkalden-Meiningens Landrätin Peggy Greiser (Mitte) hatte die Schirmherrschaft über die Schau übernommen. Foto: Fotos (2): Jürgen Groß

Das 100. Jubiläum des Kaltenwestheimer Kaninchenzuchtvereins ist am Wochenende mit einer zweitägigen Schau in der Mehrzweckhalle Wetzstein begangen worden.

Die mittlerweile mit rund zehn Aktiven recht kleine Züchtergemeinschaft in Kaltenwestheim möge bitte bestehen bleiben und ihr Hobby sowie den guten Zusammenhalt weiter pflegen – diese Worte gab die Schirmherrin der Jubiläumsschau, Landrätin Peggy Greiser (parteilos), den Kaninchenzüchtern mit auf den Weg ins 101. Jahr des Bestehens. Als kleine Unterstützung hatte sie 200 Euro zur Förderung des Vereinslebens mitgebracht.

Den Züchtern unter der Leitung ihres Vereinsvorsitzenden Dirk Eisenbach gratulierten auch Kaltennordheims Vizebürgermeister Uwe Möllerhenn und Ortsteilbürgermeister Harald Heim. Auch der Vorsitzende des Rassekaninchen-Kreisverbandes Schmalkalden-Meiningen, Enrico Danz, war aus Anlass des Jubiläums in die Rhön gekommen.

Gezeigt wurden über 200 Tiere in 27 Rassen und verschiedensten Farbschlägen. Die Käfige, mit ihren besten Kaninchen bestückt, hatten Züchter aus Thüringen und aus Hessen, welche schon lange mit dem Jubiläumsverein befreundet sind. Die Hessen räumten (siehe unten) auch einige der begehrten Preise ab, die am Sonntag an die Züchter übergeben wurden. Sämtliche Aussteller bekamen aus Anlass des 100. Gründungstages des Vereins einen Wimpel zur Erinnerung überreicht.

Dass man sich heute, im Jubiläumsjahr, im wiedervereinigten Deutschland ganz selbstverständlich zum Austausch und zu Ausstellungen sowie zum gemütlichen Beisammensein treffen kann, das bemerkte man gar nicht mehr sonderlich. Und doch ist in der Vereinschronik einiges zu lesen, was aus heutiger Sicht vielleicht humoristisch anmutet, es aber zu DDR-Zeiten mitnichten war: So zählte schon damals die Rhönschau zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Sie wurde seinerzeit noch abwechselnd in Kaltenwestheim, Unterweid und Oberweid abgehalten. Um die Schauen durchzuführen, musste man „erfinderisch sein“, so heißt es in den Aufzeichnungen: Da Unterweid damals noch im Sperrgebiet lag, ging ohne Passierschein nichts. „Wer keinen hatte, durfte somit entweder nicht mit oder musste zwischen den Tierkisten geschmuggelt werden. Auf dem Anhänger, wo all die Kisten für den Tiertransport nach Unterweid verstaut waren, versteckten sich einfach diejenigen, die eigentlich gar nicht an die Grenze durften – und gelangten somit doch dorthin. Aufgeflogen ist der illegale Transport nicht, denn der Fahrer hatte ja einen Passierschein und so genau haben die Grenzbeamten damals die Ladung offensichtlich nicht kontrolliert.“ Die Rhönschau ist ab 1990 nur noch von den Kaltenwestheimer Zuchtfreunden ausgerichtet worden. Zu den Unterweidern hat man übrigens heute noch gute freundschaftliche Beziehungen.

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