Rhöner Idee wird Erfolgsprojekt „RhönWollets“: Düngepellets aus Schafwolle gekürt

Projektverantwortliche und -beteiligte bei der ersten Sammlung von Wolle im Dezember 2020. Foto: Anna-Lena Bieneck

Von einem Erfolgsprojekt aus dem Biosphärenreservat Rhön war die Jury eines bundesweiten Wettbewerbs besonders begeistert: Die „RhönWollets“, Düngepellets aus Schafwolle, wurden zum innovativsten Produkt gekürt.

Hilders - Mit dem Ideenwettbewerb „Modellbetriebe Bioökonomie in den Mittelgebirgen“ würdigt der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) Modellbetriebe, die das Potenzial nachwachsender Rohstoffe und Nahrungsmittel in den Mittelgebirgsregionen nachhaltig erschließen. Gesucht wurden Innovationen aus land- und forstwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Darüber informiert die Biosphärenreservatsverwaltung in einer Pressemitteilung.

Platz 1 im Bereich „innovative Produkte“ belegten die RhönWollets, ein ökologischer Langzeitdünger, der ausschließlich aus Rhöner Schafwolle besteht. Ins Leben gerufen wurde das Projekt im Jahr 2020 von Janet Emig vom Verein Natur- und Lebensraum Rhön (VNLR) und Nadja Schneider aus der Abteilung Dachmarke der Rhön GmbH. Mittlerweile beteiligen sich zehn Betriebe an der Sammlung von Schafwolle, die in Bayern gereinigt und zu Pellets gepresst und anschließend in der Rhön vermarktet wird. So ist die Wolle, deren Verkauf sich kaum noch lohnt und die daher meist zum Abfallprodukt wird, für die Schäfer in der Rhön wieder lukrativ geworden.

Stellvertretend für die beteiligten Betriebe hatte der VNLR den Biohof von Andreas Schlembach aus Münnerstadt beim Wettbewerb angemeldet. Mit ihren 30 Schafen bewirtschaftet Familie Schlembach 50 Hektar Offenland und trägt damit zur Landschaftspflege und zum Erhalt der Rhöner Kulturlandschaft bei. Im eigenen Hofladen und im Selbstbedienungsstand „Schäferstübchen“ findet sich eine Auswahl an Bio-Produkten, die vom eigenen Hof und von kooperierenden Biolandwirtinnen und Biolandwirten aus der Region stammen. Auch die RhönWollets kann man seit 2021 hier kaufen. Innerhalb weniger Monate wurden die Wollets zum Erfolg – auch über die Region hinaus.

Anbau auf kleiner Fläche

„Die Auszeichnung durch den DLV zeigt einmal mehr, dass im Biosphärenreservat zukunftsweisende Ideen mit Modellcharakter geboren werden“, sagt Janet Emig, die das Wollet-Projekt angestoßen hatte. Mittlerweile organisieren die teilnehmenden Betriebe die Vermarktung der Pellets selbst, Emig steht weiterhin beratend zur Seite. Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro will das Netzwerk nun den nächsten Schritt investieren: Der Name „RhönWollets“ soll markenrechtlich geschützt werden.

Auch in den beiden anderen Kategorien konnte die Rhön überzeugen: Ebenfalls den ersten Platz – in der Kategorie „Wertschöpfungsketten und Kooperation“ – belegte die Agrokraft GmbH mit Sitz in Bad Neustadt a. d. Saale, die sich für den Betrieb von Gemeinschaftsbiogasanlagen einsetzt. Dabei übernimmt Agrokraft die konzeptionelle Planung und Entwicklung sowie die Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure. Weiterhin hilft sie bei der Gründung von neuen, eigenständigen Biogasgemeinschaften. Die grundlegende Idee ist einfach: Nicht jeder Betrieb braucht eine eigene Biogasanlage, und durch eine Bündelung werden der Anlagenbau auf das Notwendigste reduziert und die Flächenversiegelung verringert. Aber auch die Biodiversität wird gefördert: Seit einigen Jahren engagiert sich die Agrokraft zusammen mit dem Bund Naturschutz, Kreisgruppe Rhön-Grabfeld, in einem Projekt zum Einsatz von Blühmischungen als Ersatz für Mais. So werden über das Jahr hinweg verschiedene Energiepflanzen kombiniert. Neben aktuell vier Biogasgemeinschaften mit 150 Betrieben wurde eine Abfallbiogasanlage unter Beteiligung von Landwirten, Kommunen und regionalen Unternehmen realisiert. Weiterhin wurde mit Unterstützung von Agrokraft Bürger-Energiegenossenschaften gegründet, um die Abwärme der Biogasanlagen durch Nahwärmenetze nutzbar zu machen.

In der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“ belegte der Biohof Hartmann aus Oberelsbach, ein Mischbetrieb im ökologischen Landbau mit Naturland-Zertifizierung, für die Umsetzung des „Market Gardenings“ den zweiten Platz. Der Einstieg des Sohnes als Vollzeitlandwirt stellte die Hartmanns vor die Herausforderung, den Betrieb so auszuweiten, dass die Versorgung einer großen Familie gesichert werden konnte. Als neuer Einkommenszweig kam die Idee des „Market Gardening“ hinzu, das unter anderem in den USA und in Skandinavien genutzt wird, um auf relativ kleiner Fläche mit geringen Investitionskosten ein Familieneinkommen erwirtschaften zu können.

Das Konzept zeichnet sich durch eine besonders bodenschonende, nachhaltige Landwirtschaft aus, die zudem biodiversitätsfördernd ist. Auf 2200 Quadratmetern entstand neben dem Rinderstall ein Gemüseacker, auf dem durch eine Mehrfachbelegung der Beete bis zu 30 verschiedene Sorten Gemüse angebaut werden können. Auch wärmeliebende Sorten wie Gurken, Tomaten oder Auberginen können in zwei Folientunneln angebaut werden. Die Blühstreifen zwischen den einzelnen Beeten werden nach und nach durch Permakulturen wie Holzhecken und Obstgehölze ersetzt, die nicht nur Schatten und Windschutz, sondern Lebensraum für Nützlinge und andere Arten bieten. Das Obst ergänzt künftig die Produktpalette der Hartmanns, die neben dem eigenen Hofladen unter anderem auch die Umweltbildungsstätte Oberelsbach beliefern.

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