Rhönblick-Gemeinde Denn das sind die Helden unserer Zeit

Welch Segen, dass es Dich gibt“ – solch liebevoll gestalteten Tüten bekamen die Besucher. Foto: Michelle Ritz. Foto:  

Einen bewegten und bewegenden Gottesdienst erlebten etwa 100 Feuerwehrfrauen und -männer samt Familien am Sonntag: Auto fahrend nahmen sie an der Strecke den ideenreich inszenierten Dank für ihr ehrenamtliches Tun entgegen. Als wahre „Superhelden“ dieser Zeit.

Bettenhausen/Helmershausen - So etwas hatte die Region auch noch nicht erlebt. Die Pandemie verlangt nach außergewöhnlichen Ideen und besonderen Menschen. Und zu den Helden unserer Zeit zählen ohne Zweifel die Feuerwehrleute, die trotz Pandemie jederzeit ihren Mann stehen. Pfarrerin Birgit Molin (Unterkatz) und Pfarrerin Antje Habke (Hermannsfeld) wollten den am 4. Mai bevorstehenden Florianstag und auch den erneut ausfallenden, sonst immer am 1. Mai in der Rhönblick-Gemeinde stattfindenden Wettkampf der Feuerwehren um den Bürgermeister-Pokal (es wäre der 25. gewesen) nicht einfach vorüberziehen lassen, nur weil es eben derzeit schwierig ist in Corona-Zeiten. Vielmehr wollten sie mit den Feuerwehrleuten Helden unserer Zeit ehren und waren auf eine außergewöhnliche Idee gekommen: Sie bereiteten auf der rund vier Kilometer langen Wanderwegstrecke von Bettenhausen nach Helmershausen mit Unterstützung von Pfarrer Donald Molin und Zuarbeit von Rhönblick-Bürgermeister Christoph Friedrich einen Drive-in-Gottesdienst vor. Angehörige der Wehren aus allen Rhönblick-Ortsteilen, aus Unterkatz, Bibra, Oberfladungen und vielen anderen Gemeinden folgten am Sonntag der Einladung und staunten:

Begrüßt mit roten Luftballonherzen, überreicht von Birgit Molin, und ausgestattet mit „Geduldsfäden“ in einer liebevoll gestalteten Geschenktüte sowie passenden Liedtexten zu Ehren der Feuerwehrleute machten sich die Fahrer mit einer leuchtenden Kerze, die auf dem Armaturenbrett platziert wurde, auf die Wegstrecke. Viele waren mit ihren Feuerwehrfahrzeugen gekommen, andere mit dem Privatauto. So war es auch gedacht – coronakonform, weitgehend kontaktlos.

Und so waren auch Worte der Zuversicht und des Dankes, die sonst gesprochen würden, aufgereiht auf Holzpfählen und säumten den Weg, der im Schritttempo passiert wurde. „De Nedertshäuser“ – bekannt als Kapelle NTK – empfingen die Wehrleute und ihre Familien an der Weggabelung mit einem passenden Feuerwehr-Stück und wurde nicht müde, Zugaben ertönen zu lassen. Bei Billy Joels „We didn’t start the fire“ – einem alten Nummer-1-Hit – zuckten bei manchen quasi sogar die Tanzbeine. Mit Kurz-lang-Huptönen dankten die solcherart Beschenkten.

Comic- und Film-Helden wie Spider-Man und Iron-Man, als Pappfiguren in Lebensgröße aufgestellt, protzten ein Stück weiter auf Schildern mit ihren Fähigkeiten. Überraschungseffekt: Ein Stopp bat die Parcours-Fahrer, sich umzudrehen und in die rechts und links der Fahrtstrecke aufgestellten Riesenspiegel zu schauen. Mit Zetteln versehen, zeigten diese den Hineinschauenden, dass sie selbst die Helden unserer Zeit sind und zauberten ein Lächeln auf die Gesichter. „Mit Herz und Hand zur Stelle“, „Liebevoll“, „Wie Du! Ohne Licht aus der Hand, aber mit helfender Hand“ stand da – eine gelungene Hommage an die Wehrleute.

Schläuche bildeten zudem ein großes Kreuz auf einer Wiese. An diesem Kreuz befestigte Pfarrer Donald Molin die Ballons – versehen mit Wünschen, Fürbitten und dem, was jedem Einzelnen am Herzen lag. Die Hermannsfelder Pfarrerin Antje Habke erteilte allen Teilnehmern abschließend ihren Segen, mit den besten Wünschen für Gesundheit.

Und auch Rhönblick-Bürgermeister Christoph Friedrich ließ es sich nicht nehmen, allen Drive-in-Gottesdienst-Besuchern eine Überraschung zu überreichen, samt Dankesbrief des Gemeinderates und von Ortsbrandmeisters Tobias Marschall für die stete Einsatzbereitschaft. „Dank und Anerkennung für die Feuerwehren, die immer zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden“, hieß es da. Die humorvolle Beschreibung des Inhaltes der Geschenktüten ließ die Beschenkten zudem schmunzeln: „Wenn’s mal wieder länger dauert mit der Pandemie, nimm dir ein Snickers, stell das Rhöner Maibock kühl für den nächsten Abend mit den Kameraden und gib der Frau den Seelenwärmer, wenn mal wieder eine Alarmierung beim Fernsehabend erfolgt.“ Ein QR-Code, befestigt am alten Ford Transit der Wehr, konnte gescannt werden und führte zum Feuerwehrlied der Dorfrocker. Wer mochte, konnte so auf der Heimfahrt flott mitsingen.

Ein Gottesdienst, der mit seinem ganz außergewöhnlichen Ablauf allen in angenehmer Erinnerung bleibt, wie vielfach geteilte Fotos und Kommentare zeigen. Thomas Ritz aus Stedtlingen, früherer Kreisbrandmeister, Rhönblick-Ortsbrandmeister Tobias Marschall und Bürgermeister Christoph Friedrich lobten die Pfarrerinnen für ihre tollen Ideen. Bei ihr, so sagt am Montag auch Birgit Molin, sei weitere Anerkennung eingegangen. Nicht nur die Aufregung vorher, ob alles bei diesem neuen Format klappt, hat sich also wahrlich gelohnt: Es kam etwas an bei diesem Gottesdienst.

 

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