Rhönblick-Feuerwehr Da stecken Arbeit, Zeit und Geld drin

Wer bei der Feuerwehr mitmacht, ist aus besonderem Holz: Er übernimmt Verantwortung für andere. In der Rhönblick-Gemeinde tun das sage und schreibe 128 Ehrenamtliche.

Es hat Kraft gekostet, nach der Pandemie die Feuerwehren wieder in den „normalen Dienstbetrieb“ zu bringen. Das sagte Ortsbrandmeister Tobias Marschall bei der Jahreshauptversammlung der Rhönblick-Feuerwehr, für die diesmal Gerthausen der Gastgeber war. In Anwesenheit von Kreisbrandmeister Florian Bach, dessen Vorgänger Thomas Ritz, Ortsbrandmeister a.D. Peter Reukauf sowie von Bürgermeister Christoph Friedrich, Ortsteilbürgermeistern und Gemeinderäten blickte er jedoch nicht im Zorn auf 2022 zurück. Es galt demnach, die Lücken zu füllen, die die Pandemie hinterlassen hatte: Ausbildungsdienste und Übungen sowie Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene mussten wieder anlaufen und Rückstände aufgeholt werden, die Jugendarbeit musste neu belebt und organisiert werden.

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Dafür hat man 2022 und im laufenden Jahr hart gearbeitet „und das wird auch noch einigen Aufwand benötigen“, so Marschall. Und doch habe man einiges erreicht. So sind mit Hilfe von Landes-Fördermitteln und Geld der Gemeinde zum Teil neue Dienstuniformen und persönliche Schutzausrüstung beschafft worden, sodass heute alle Einsatzkräfte nach den gültigen Vorschriften ausgestattet sind. Auch die durch das Ministerium bereitgestellten Tablets wurden 2022 an alle Feuerwehren ausgegeben und in Betrieb genommen. „Ebenfalls haben wir im vergangenen Jahr unseren zentralen Material- und Prüfstutzpunkt in Betrieb nehmen können. Hier engagieren sich vor allem unsere Gerätewarte unter der Leitung meines Stellvertreters Andreas Roth. Ich darf sagen, dass die Art der Zusammenarbeit und die bisherigen Ergebnisse meine Erwartungen weit übertroffen haben. Hierfür meinen herzlichen Dank“, lobte Tobias Marschall.

Als eine der ersten Kommunen im Landkreis hatte die Gemeinde Rhönblick 2021 einen Förderantrag für neue Sirenen gestellt und die Fördermittel bewilligt bekommen. So konnten 2022 alle Sirenenanlagen in den Ortsteilen erneuert und mit digitaler Steuertechnik versehen werden.

Auch einen Gleitschirmflieger gerettet

Die Gemeinde leistet sich heute noch sieben Ortsteilfeuerwehren, was angesichts der Einwohnerzahl verhältnismäßig viel sei und den Gemeindehaushalt nicht unwesentlich belastet, hieß es. Gut zu hören: „Jedoch haben unsere Ortsteilwehren neben der gesetzlichen Aufgabe auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion und gehören zum Dorfleben. Die Ortsteilräte und der Gemeinderat bekennen sich klar dazu, was in den Entscheidungen und Investitionen der letzten Jahre deutlich abzulesen ist.“

Im vergangenen Jahr gab es für die Ortsteilwehren 18 Alarmierungen, davon sieben Brände und elf technische Hilfeleistungen. Daraus resultieren 51 Einsätze der einzelnen Ortsteilwehren, was etwa 465 Einsatzstunden entspricht. Sonstige Einsätze – wie die Absicherung von Veranstaltungen und Dienstleistungen im Auftrag der Gemeinde – sind dabei gar nicht eingerechnet. Bei der technischen Hilfeleistung liegt der Schwerpunkt nach wie vor bei der Beseitigung von Ölspuren, Sturmschäden sowie der Hochwasserbekämpfung. Aber das Spektrum reichte auch bis zur Rettung eines abgestürzten Gleitschirmfliegers.

Die Brandeinsätze 2022 waren zumeist auf ausgelöste Brandmeldeanlagen – so in der Regelschule Bettenhausen – zurückzuführen. „Das hatte uns bisher so gut wie nicht betroffen, wird uns aber wohl zukünftig begleiten“, sieht Marschall voraus.

Landes-Ausbildung macht Sorgen

Eine gemeinsame Einsatzübung gab es im Juli 2022. Schwerpunkte waren die Wasserförderung über lange Wegstrecken und die Kommunikation per Digitalfunk.

Marschalls Bilanz: „Das Einsatzgeschehen 2022 hat gezeigt, dass wir in der Zusammenarbeit unserer Ortsteilwehren alle Aufgaben bewältigen können, auch wenn wir hier und da nach wie vor mit technischen und organisatorischen Problemen zu kämpfen haben. Aber auch hier zeigt sich deutlich eine schrittweise Verbesserung, die sicherlich auch auf unsere gemeinsamen Ausbildungseinheiten zurückzuführen ist.“

Weitgehend konstant geblieben ist die Zahl der ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehren – wie in den Jahren zuvor, freute sich der Ortsbrandmeister. „Bei der Kreisausbildung konnten wir 2022 und den ersten Monaten dieses Jahres einen großen Teil des Rückstandes aus den letzten Jahren aufholen. Durch die Initiative unserer Kreisbrandmeister und die hervorragende Zusammenarbeit einiger Kreisausbilder konnten wir eine Reihe von Lehrgängen im Bereich Rhön, Meiningen und Wasungen durchführen, sodass wir heute eine ganze Reihe neu ausgebildete Truppmänner und -frauen, Truppführer, Atemschutzgeräteträger und Maschinisten in unseren Reihen begrüßen können.“ Für dieses Jahr sind auf Landkreisebene noch weitere Lehrgänge geplant, um dem Bedarf der Feuerwehren gerecht zu werden. Wermutstropfen: Die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule kann die Nachfrage an landesweiten Lehrgängen nicht decken. Es fehlen Ausbildungspersonal und Räumlichkeiten zur Unterbringung der Teilnehmer. Die Hoffnung liegt nun auf dem Innenministerium, das ein umfassendes Konzept zur Erweiterung und Modernisierung der Landesfeuerwehrschule vorgestellt hat und wo die Umsetzung bereits begonnen hat. In den nächsten zehn Jahren sollen 90 Millionen Euro investiert werden – „Bis dieses Konzept aber umgesetzt wird und deutliche Verbesserungen zu verzeichnen sind, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Bis dahin werden bestimmte Lehrgänge als Kontingent an die Landkreise vergeben, die dann die Plätze nach Priorität verteilen müssen. Hier konnten wir für unsere Bewerber in diesem Jahr immerhin drei der begehrten Lehrgangsplätze bekommen“, sagte Tobias Marschall erfreut.

Als „weiter verbesserungswürdig“ bezeichnete er die Einsatzbereitschaft wochentags zwischen 7 und 16 Uhr. In diesem Zeitraum verfüge man im Rhönblick zwar laut Statistik über 18 bis 20 Einsatzkräfte, darunter sind jedoch kaum Gruppenführer, Atemschutzgeräteträger oder Maschinisten. Das zeige, wie wichtig es ist, dass sich möglichst viele Kameraden auf Kreis- und Landesebene weiterqualifizieren.

Positiv ist nach wie vor die Altersstruktur in der Einsatzabteilung: Gut zwei Drittel aller Einsatzkräfte sind 40 und das Durchschnittsalter aller Einsatzkräfte liegt bei 37 Jahren. „Ohne Zweifel ein großer Verdienst unserer guten und kontinuierlichen Jugendarbeit, die auch zukünftig ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit sein muss“, sagte Tobias Marschall. Denn: Fast 15 Prozent der Einsatzkräfte werden in den nächsten Jahren 60 sein und dann aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

In den Jugendfeuerwehren sind derzeit 76 Kinder und Jugendliche aktiv – damit hat der Rhönblick immer noch eine der größten Jugendfeuerwehren im Landkreis. „Jugendarbeit ist sehr zeitaufwändig und kostet Geld – aber es wäre falsch, an dieser Stelle zu sparen. Meine größte Hochachtung gilt all denen, die sich für die Ausbildung unserer Jugendfeuerwehren engagieren, denn sie leisten jedes Jahr noch zusätzlich unzählige Stunden Feuerwehrdienst“, sandte er ein Lob an diese Kameraden und Kameradinnen.

Zu den Alters- und Ehrenabteilungen zählen derzeit 63 Mitglieder. Somit kommt die Feuerwehr Rhönblick auf insgesamt 267 Mitglieder.

Alte Technik muss ersetzt werden

Für die Ortsteilwehr Helmershausen konnte Ende 2022 ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug als Ersatz gekauft werden. Dieses Fahrzeug soll in den nächsten Wochen noch modernisiert werden und dann mit ebenfalls neuer Ausrüstung in Dienst gestellt werden. Mit der bereits erwähnten Anschaffung von persönlicher Schutzausrüstung sei die Modernisierung in diesem Bereich vorerst abgeschlossen. In den nächsten Jahren müssen nun Stück für Stück Geräte und Einsatzausrüstungen in allen Ortsteilwehren ersetzt und modernisiert werden, sagt der Ortsbrandmeister. „Hier verwenden wir zum großen Teil noch Ausrüstung aus DDR-Beständen, die ein entsprechendes Alter haben und dem Stand der Technik nicht mehr entsprechen. Durch die Gerätewarte werden in den nächsten Monaten alle Bestände erfasst und geprüft, sodass wir anschließend im Wehrführerausschuss eine Prioritätenliste zur Neubeschaffung erarbeiten können.“  

Auch bei den Einsatzfahrzeugen müsse in den nächsten Jahren investiert werden – etwa Ersatz für die Mannschaftstransportwagen in Bettenhausen und Helmershausen sowie das Kleinlöschfahrzeug in Hermannsfeld. Allerdings gebe es derzeit „horrende Preise und Lieferzeiten“.

Kein Kirchturmdenken

Aus Marschalls Sicht ist es für die Zukunft unerlässlich, Kontakte und Kooperationen auch außerhalb der eigenen Gemeinde auszubauen, um die Schlagkraft der Feuerwehren in der Region zu stärken: „Kirchturmdenken und Befindlichkeiten sind hierbei fehl am Platze.“

Die Krisen-Katastrophenvorsorge und der Bevölkerungsschutz auf kommunaler Ebene rückten angesichts der Weltlage wieder mehr in den Mittelpunkt, sagte Tobias Marschall. Auch für den Rhönblick suche man Lösungsansätze und arbeite an Notfallplänen. Die Resultate werde man in die Ausbildung einfließen lassen, um auf alles möglichst gut vorbereitet zu sein.

So stark ist die Rhönblick-Feuerwehr:
 Es gibt sieben Ortsteilwehren in der Einheitsgemeinde. In diesen leisten derzeit 128 ehrenamtliche Einsatzkräfte, davon 18 weibliche, aktiven Feuerwehrdienst.

Darunter sind: drei Anwärter, 61 Truppmänner und -frauen, 47 Truppführer und -führerinnen, elf Gruppenführer, zwei Zugführer, vier Verbandsführer, 36 Atemschutzgeräteträger und -trägerinnen, 59 Maschinisten (davon 37 mit Führerscheinklasse >7,5 Tonnen), 89 Sprechfunker, 45 Motorkettensägenführer, sieben Gerätewarte