Rennsteiglauf, Interview mit Präsident Jürgen Lange „Für die Aktiven wird es klare Regeln geben“

9200 Läuferinnen und Läufer haben für den Rennsteiglauf gemeldet. Foto:  

Es war so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn der Mai ins Land zieht, ist es wieder höchste Zeit für den Rennsteiglauf. Dann kam Corona – und nach der Absage von Europas größtem Crosslauf im vergangenen Jahr verständigten sich die Organisatoren darauf, die 48. Auflage vom Frühjahr in den Herbst 2021 zu verlegen. n. Vor den Läufen am 2. und 3. Oktober, für die sich insgesamt 9200 Aktive angemeldet haben, sprachen wir mit Jürgen Lange, dem Präsidenten des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins.

Schmiedefeld -

Herr Lange, hätten Sie sich jemals träumen lassen, einen Rennsteiglauf am eigentlichen Termin des Rennsteig-Herbstlaufes zu erleben?

Ehrlich gesagt nein. Aber wir hätten uns wohl alle nicht vorstellen können, welche Auswirkungen ein Virus auf unser Leben haben kann.

Wie sind Sie darauf gekommen, den Lauf auf das erste Wochenende im Oktober zu legen?

Nachdem klar war, dass der Mai-Termin wegen der Pandemie nicht realistisch ist, haben wir uns die Frage gestellt: Wann könnte es klappen? Zugleich war uns wichtig, dass wir nicht kannibalisieren, also anderen Läufen die Teilnehmer wegnehmen. Da kam uns das Wochenende des Rennsteig-Herbstlaufes in den Sinn, das in der Laufszene ohnehin bekannt und vorgemerkt ist.

Was hat Sie so zuversichtlich gemacht, dass der Rennsteiglauf stattfinden kann? Auch Sie haben keine Glaskugel, in der man den Pandemieverlauf vorab erkennen kann!

Das stimmt, aber wir hatten einen Grundoptimismus, dass Anfang Oktober etwas möglich ist. Zudem sind die Voraussetzungen bei uns anders als bei Stadtmarathons wie in Köln oder Frankfurt am Main, die im Oktober stattfinden sollten und letztendlich abgesagt wurden. Dort sind die Aktiven ja nur ein Teil des Ganzen. Es geht auch darum, die Zuschauer zu managen, was in solchen großen Städten für die Organisatoren eine riesige Herausforderung ist. Bei uns lässt sich das leichter lösen. Wir haben – wenn überhaupt – erfahrungsgemäß Zuschauer in den drei Startorten und dann noch auf dem Inselsberg, dem Grenzadler, am Rondell und eventuell an der Schmücke sowie im Ziel. Insgesamt werden wir versuchen, eine klare Trennung zwischen Läufern und Zuschauern zu schaffen. Die räumlichen Möglichkeiten dafür sind vorhanden. Außerdem kennen wir die neuralgischen Punkte.

Sind im Ziel in Schmiedefeld Zuschauer zugelassen?

Nein, das lässt unser Hygienekonzept nicht zu, weil sich dort zu viele Menschen auf relativ engem Raum ballen würden. Deshalb sind im Zielareal diesmal keine Zuschauer erlaubt. Das ist sehr schade, aber eine der Kröten, die wir wegen Corona schlucken müssen. Auch für die Aktiven wird es im Zielbereich, den wir bei uns aufgrund seiner Form auch als Zielsack bezeichnen, klare Regeln geben. Wer im Ziel ankommt, erhält seine Suppe, das Läuferbier, die Teilnehmermedaille und eine Maske, die direkt nach dem Ende des Laufs aufzusetzen ist. Und dann geht es raus aus dem Zielsack und danach nicht wieder hinein.

War es wirklich nötig, die Wettbewerbe auf zwei Tage zu verteilen?

Aus unserer Sicht schon. Wenn man so eine Veranstaltung in Pandemiezeiten ausrichtet, hat man eine große Verpflichtung gegenüber den Aktiven und allen weiteren Beteiligten. Wir werden zwar insgesamt nur etwa 60 Prozent der sonst üblichen Teilnehmerzahlen haben, sind aber trotzdem froh darüber, dass es sich auf zwei Tage verteilt. Der Halbmarathon, der immer das größte Starterfeld aufweist, ist für den 3. Oktober geplant. Am Tag davor haben wir den Supermarathon, den Marathon, die Wanderung und die Nordic-Walking-Tour. Übrigens: Wir prüfen aktuell, ob am Vortag beziehungsweise am Morgen der Starts noch Nachmeldungen vor Ort möglich sind.

Wie verlaufen die Starts? Hier ist die Gefahr, dass sich viele Menschen sehr nahekommen, am größten!

Genau deshalb machen wir die Etappenstarts in 50er-Blöcken, zwischen denen jeweils 1:30 Minuten liegen. Das verlängert natürlich die Startphasen und sorgt für einen größeren logistischen Aufwand, aber wir schaffen dadurch eine Entzerrung. In den einzelnen Startblöcken sind die Mindestabstände einzuhalten, zudem wird der Mund-Nasen-Schutz erst kurz vor dem Start abgenommen.

Müssen die Aktiven genesen, getestet oder geimpft sein?

Nach jetzigem Stand ist das nicht erforderlich. Es steht aber alles unter Vorbehalt. Steigen die Infektionszahlen, kann es weitergehende Forderungen seitens der Genehmigungsbehörden geben.

Wie groß ist Ihre Zuversicht, dass sich alle Beteiligten an die Spielregeln halten?

Wer läuft, lebt gesundheitsbewusst. Das stimmt mich zuversichtlich, dass das Verständnis für die Einhaltung der Regeln groß ist. Man kann niemals die Hand für jeden Einzelnen ins Feuer legen. Aber ich glaube fest an die Unterstützung durch die Teilnehmer. Gemeinsam schunkeln und das Rennsteiglied trällern – darauf müssen wir diesmal verzichten. Und natürlich werden wir auch Personal im Einsatz haben, dass die Einhaltung der Regeln überwacht.

Wie sieht es finanziell aus? Der Aufwand ist groß, doch die Teilnehmerzahlen und damit auch die Startgeldeinnahmen sind geringer als zu normalen Zeiten!

Die Sponsoren sind dankenswerterweise bei der Stange geblieben, was angesichts des Ausfalls im Vorjahr und der jetzigen Verschiebung keine Selbstverständlichkeit ist. Sie decken unseren Etat nicht ganz unmaßgeblich ab. Was die Anmeldungen anbetrifft, haben wir mit 8000 die Zielgröße überschritten, um den Rennsteiglauf wirtschaftlich durchzuführen.

Zurück zum sportlichen Bereich: Was passiert mit dem Supermarathon? Zur im Mai üblichen Startzeit von 6 Uhr ist es im Oktober noch dunkel!

Deswegen haben wir den Start auch um eine halbe Stunde nach hinten verschoben. Bis es hell wird, geht es durch Eisenach über bekannte Strecken. Ich bin mir sicher, dass das funktioniert.

Und der Marathon?

Der beginnt wegen der zeitlich aufwendigen Blockstarts schon um 8 Uhr und damit eine Stunde eher als sonst, damit nach hinten heraus zeitlich mehr Luft ist.

Erwarten Sie, dass durch den neuen Termin und die kleineren Starterfelder bessere Laufzeiten herausspringen?

Zumindest haben viele Läufer über den Sommer hinweg Vorbereitungsmöglichkeiten gehabt, wie sie vor einem Lauf im Mai nicht vorhanden wären. Die Aktiven haben in vielen Fällen mehr Kilometer in den Beinen als zum normalen Termin. Nun müssen wir sehen, wie das Wetter wird. Ich hoffe, dass wir von allzu großer Nässe verschont bleiben und angenehme Läufertemperaturen erwischen. Ich kann mich erinnern, dass wir beim Rennsteig-Herbstlauf schon einige Male richtig kalte Werte hatten. Da habe ich mich bei mir zu Hause im Kleiderschrank öfter mal vergriffen und hätte lieber die dickere Jacke einpacken sollen.

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