Rennsteiglauf Gegen den Trend

Der weiteste Weg lohnt: Diese Frauen-Laufgruppe aus Mecklenburg hat 2018 das Ziel in Schmiedefeld erreicht. Foto: /Gerhard König

Endlich: Nach dem Ausfall 2020 und der Verschiebung in diesem Jahr von Mai auf Oktober ist es wieder Zeit für den Rennsteiglauf.

Schmiedefeld - Auf zwei Tage verteilt und im Oktober statt im Mai: Die 48. Ausgabe des Rennsteiglaufs wird anders werden als die vorherigen Wettbewerbe, doch in Corona-Zeiten ist ja bekanntlich jedwede Form von Flexibilität gefragt. Die Organisatoren haben es geschafft, sich dem Absage-Trend anderer größerer Laufwettbewerbe entgegenzustemmen. Die Belohnung: Annähernd 10 000 Läuferinnen und Läufer werden am Samstag und Sonntag auf die Strecken gehen, die in Oberhof, Eisenach und Neuhaus beginnen und wie gewohnt in Schmiedefeld enden. Der Mini-Marathon in Neuhaus und die Junior-Cross-Wettbewerbe vom 7. bis 10. Oktober kommen hinzu.

Bevor die Siegerinnen und Sieger ermittelt, die Platzierten bejubelt und die Blasen an den Füßen behandelt werden, hat unsere Zeitung ein paar wichtige und spannende Fakten zum Rennsteiglauf zusammengetragen, der den Namen Südthüringens in die Welt hinaus trägt und zugleich ein alles andere als unbedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region ist.

Herkunft der Aktiven: Die weltweite Verbreitung des Coronavirus hat das Reisen über Ländergrenzen beschwerlich gemacht. Das spürt man auch beim diesjährigen Rennsteiglauf, der nicht so international daherkommt wie vorherige Auflagen. Dennoch werden mehr als 100 Läuferinnen und Läufer am Start sein, in deren Pass als Nationalität nicht „deutsch“ notiert ist. An der Spitze steht die Delegation aus der Schweiz mit 40 Startern, von denen annähernd ein Viertel weiblich sind. Rang zwei in dieser Wertung geht an Österreich mit 10 Läuferinnen und 19 Läufern. Eine Anmeldung gibt es aus den USA, aus Kanada will ein Trio anreisen. Aus Norwegen haben sich sogar neun Starter angekündigt.

Starter pro Strecke: Eine fünfstellige Zahl an Startern wird es in diesem Jahr nicht geben, die Pandemie geht auch an Europas größtem Landschaftscrosslauf nicht spurlos vorüber. Dennoch: Knapp 10 000 Aktive sind bei einem Wettbewerb, der im Vorjahr ausgefallen ist und in diesem Jahr vom Mai in den Oktober verlegt wurde, eine mehr als stattliche Zahl. Die 9346 Angemeldeten (Stand: 25. September; 3351 Frauen und 5995 Männer) verteilen sich folgendermaßen auf die Strecken:

• Supermarathon (2. Oktober, 73,9 km, Eisenach – Schmiedefeld): 1352

• Marathon (2. Oktober, 42,2 km, Neuhaus – Schmiedefeld): 1976

• Halbmarathon (3. Oktober, 21,1 km, Oberhof – Schmiedefeld): 3982

• Wanderung (2. Oktober, 17 km, Oberhof – Schmiedefeld): 946

• Nordic Walking-Tour (2. Oktober, 17 km, Oberhof – Schmiedefeld): 688

• Junior Cross (7. bis 10. Oktober, in Schmiedefeld): 339

• Mini-Marathon (2. Oktober, 4,2 km, in Neuhaus): 363

Älteste Teilnehmer: Beim 48. Rennsteiglauf gehen zahlreiche Läuferinnen und Läufer an den Start, die bereits ein gesegnetes Lebensalter erreicht haben und aktiv etwas dafür tun, auch als reiferer Jahrgang gesund zu bleiben. Senior beim Halbmarathon am Sonntag von Oberhof nach Schmiedefeld ist der 88-jährige Berliner Erhard Bader. Auch die sechs Jahre jüngere Giesela Kreinberger aus Zella-Mehlis steht auf der Meldeliste. Beim Marathon gebührt Gert Kleinschmidt (Dessau) der Titel des ältesten Aktiven. Er ist 84 Jahre alt. Bei den Frauen liegt Erna Lerzer-Tornow aus München mit 82 Jahren vorn. Für den Supermarathon am Samstag über knapp 74 Kilometer vom Eisenacher Marktplatz nach Schmiedefeld hat sich Günther Pohl eingetragen. Der Erfurter ist 82 Jahre alt. Auch die vier Jahre jüngere Christa Rebstock aus Altenstädten in Hessen wagt sich an den langen Kanten. Beim Mini-Marathon über 4,2 Kilometer rund um Neuhaus am Samstag führen der 87-jährige Klaus Bergmann aus St. Gangloff sowie die 82-jährige Renate Lösch aus Schwallungen in der Alterswertung. Bezieht man alle Wettbewerbe ein, ist Erhard Nagel aus Berlin mit 91 Jahren der Alterspräsident des Feldes. Er hat sich dafür entschieden, am Samstag an der 17 Kilometer langen Nordic-Walking-Tour teilzunehmen, die von Oberhof nach Schmiedefeld führt.

Jüngste Teilnehmer: Mit jeweils 16 Jahren sind Jonas Redmann aus Petersberg und Mathilda Nowak aus Halle an der Saale in diesem Jahr die „Küken“ beim Halbmarathon. Beim Marathon trifft dies auf den 18-jährigen Gothaer Felix Walther und die zwei Jahre ältere Lena Fiedler aus Jena zu, beim Supermarathon auf Sören Marc Rabe (20) aus Stendal und Charlotte Holly (25), die in München zu Hause ist. Mit sechs Jahren die jüngsten Aktiven in den Teilnehmerlisten sind Mika Leipold aus dem sportbegeisterten Suhler Stadtteil Goldlauter-Heidersbach so-wie Zoey Klein aus Zella-Mehlis, die sich jeweils für den Junior-Cross eingeschrieben haben. William Schröder, ebenfalls sechs Jahre jung und aus Berlin stammend, will bei der 17-Kilometer-Wanderung dabei sein.

Geburtstagskinder: Beim Rennsteiglauf des Jahrgangs 2021 stehen insgesamt 55 Geburtstagskinder in den Startlisten, die am 2. oder 3. Oktober ein neues Lebensjahr beginnen. Statt einer kalorienreichen Party mit Bratwurst und Kuchenbuffet im heimischen Garten haben sie es vorgezogen, sozusagen auf der Strecke zu feiern, auch wenn coronabedingt manch lieb gewonnene Tradition ausfallen muss und das kollektive Miteinander in großen Gruppen dieses Mal weder gestattet noch empfehlenswert ist.

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