Rennsteig-Wanderung Eine Herbstrunst mit mehreren Jubiläen

Die Herbstrunstgruppe Foto: /Willi Lehmann

Anlässlich des 125. Geburtstags des Rennsteigvereins 1896 führte kürzlich die Herbstrunst am Rennsteig entlang von Hörschel nach Blankenstein. 20 Wanderfreunde waren bei dem besonderen Wander-Ereignis dabei, davon kamen sechs aus Ilmenau.

Hörschel/Blankenstein - Die Herbstrunst des Rennsteigvereins 1896 führte in diesem Jahr von Hörschel nach Blankenstein: Vom 20. bis 25. September waren die Teilnehmer in sechs Etappen unterwegs. 125 Jahre Rennsteigverein (RV) 1896, 30 Jahre wieder durchgängig freier Rennsteig und 70 Jahre Rennsteiglied waren besondere Jubiläen am Rande der Tour.

Am Vorabend des 20. September trafen sich in Hörschel im Gasthaus „Tor zum Rennsteig“ 20 Wanderfreunde, zehn Frauen und zehn Männer, davon fünf Jungrennerinnen und -Jungrenner (die also zum ersten Mal dabei waren) und 15 Altrennerinnen und -Renner zur Einführungssippung und Vorstellungsrunde der Herbstrunst 2021. Die Teilnehmer kamen aus fünf Bundesländern. Die stärkste Gruppe stellte Ilmenau mit sechs Teilnehmern.

Wanderführer Willi Lehmann begrüßte, wie schon so oft, wieder die erwartungsvolle Rennergemeinschaft, übermittelte Grüße und gab noch mal das Anliegen dieser Traditionsrunst, die vielen Jubiläen gerecht werden sollte, bekannt.

Da der RV 1896 am 24. Mai 2021 sein 125. Gründungsjubiläum feierte, stand die Runst ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Freudig nahmen die Rennerinnen und Renner, die dazu übergebenen, hervorragend gestalteten Teilnehmerbuttons und zum Gruß ein Päckchen mit selbst gebackenen Keksen von Altrennerin Backfee, Anne Krell aus Ilmenau, entgegen.

Vor 70 Jahren wurde das Rennsteiglied zum ersten Mal in Hirschbach bei Suhl uraufgeführt. Seitdem gehört das Lied, neben dem Runstgesang, zum 1. Liedgut und Pflichtprogramm des Rennsteigvereins. Die ersten Runsten auf dem, nach der Wiedervereinigung wieder durchgängig freien Rennsteig, fanden vor 30 Jahren, zu Pfingsten 1991, statt. Bei der zweiten Pfingstrunstgruppe 1991 war Wanderführer Willi Lehmann mit seiner Frau Erika schon dabei und übernahm auf der zweiten Etappe die Wanderführung. Beide wurden zum Schluss zu Altrennern berufen. Die passenden Namen dazu gab es auch: Er – Druse, sie – Frau von Stein! Alle diese Ereignisse sollten bei der Runst eine Beachtung finden und gewürdigt werden.

Die Herbstrunst 2021 ist inzwischen die 148. ordnungsgemäß durchgeführte Runst des RV seit der Wiedervereinigung. Obwohl das Gepäck von Etappenort zu Etappenort zu den Unterkünften, meist langjährigen Traditionshotels, transportiert wird, wird von jedem Mitwanderer auf den einzelnen Etappen eine volle Leistungsfähigkeit und Kondition gefordert. Ohne Training, eingelaufene Schuhe und gute Socken kommt man selten ohne Blasen und schmerzfrei ans Ziel.

Mit einem Durchschnittsalter von 67,7 Jahren, jüngste Teilnehmerin 50 Jahre, ältester Renner 81 Jahre, machten sich nach Mitnahme von Steinen vom Werrastrand 18 Rennerinnen und Renner und zwei Runstbegleiterinnen auf den Weg – mit der Maßgabe: Gemeinsam gehen wir los, gemeinsam kommen wir an.

Willi Lehmann berichtet dazu: „Das Rennsteiglied auf den Lippen, ließen wir Hörschel hinter uns. Die 1. Etappe ist mit Ihrer Länge von 33,9 km und den zu meisternden Höhenprofil von 200 Meter auf 916 Meter immer eine Herausforderung und führt mit einer Dauer von gut elf Stunden oft bis zur Leistungsgrenze. Die 2. Etappe nach Oberhof, bis ins Übernachtungs-Hotel auch über 30 km, wirkt wegen der geringeren Anstiege und vielen geraden Wegstrecken, durch meist noch intakten Wald, fast wie eine Erholung. Der Betreiber des Kiosks am Parkplatz und Rennsteighaus Neue Ausspanne, sorgte auf unserer dort nun schon traditionellen Mittagsrast wie immer für eine ausgezeichnete Versorgung und damit für gute Stimmung.

Auf der 3. Etappe von Oberhof nach Neustadt trafen wir am Rondel immer Freunde aus der Ortsgruppe Suhl des RV 1896. die uns dann bis zur Rast in der Suhler Hütte und zum Gedenkstein von Herbert Roth, am Borstenplatz, begleiten. Dort werden dann zum Abschied und in Würdigung des nun schon 70 Jahre alten Rennsteigliedes, gemeinsam im Wanderkreis rund um das Denkmal aufgestellt, alle drei Strophen des Liedes gesungen. Wandern und Singen, das gehört einfach zusammen.

Wohlwollend aufgenommen wurden die Aktivitäten der neuen Betreiber des Gasthauses am Großen Dreiherrenstein. Gerne zogen wir da zu einer Kaffeeeinkehr ein. Am nun schon 425 Jahre alten Großen Dreiherrenstein, 1596 gesetzt, wurde die geschichtliche Bedeutung dieses und der vielen anderen Bodendenkmale auf dem Rennsteig gewürdigt. Kurz danach war die Hälfte der Wegstrecke der Runst geschafft. Anlass für den Wanderführer, jeden einzelnen Runstteilnehmer persönlich mit einem Handschlag dazu zu beglückwünschen und weiter alles Gute auf dem weiteren gemeinsamen Weg zu wünschen. Das Ereignis wurde dann am Abend im Hotel Hubertus mit einem Bergfest mit Überraschungsgästen, viel Gesang und Musikbegleitung, durch den Altrenner Musikus, Herwig Hopf aus Suhl, zünftig gefeiert. Am Ende der 3. Etappe oder vor dem Start der 4.Etappe ist es in Neustadt nun auch schon zur Tradition geworden, das vom Thüringer Rennsteigverein geschaffene und geführte Rennsteigmuseum zu besuchen. Damit wird auch der bedeutsame Beitrag dieses Vereins für den Erhalt des geschichtsträchtigen Rennsteigs als historischen Wanderweg, mit seinen vielen Grenzsteinen, Dreiherrensteinen und weiteren Bodendenkmalen, gewürdigt.

Eine leichte Erholungsphase gibt es nur auf der 4. Etappe nach dem Bergfest auf dem Weg von Neustadt nach Limbach mit Übernachtung im schönen Ort Friedrichshöhe. Dies wird aber genutzt, um vom Rennsteig einen Abstecher zur Fehrenbacher Werraquelle zu machen und für den Tag mit einer Einkehr in der gastlichen, neugestalteten Werraquell-Baude und einem Gruppenfoto an der Quelle, weitere angenehme Erlebnisse zu schaffen. In Friedrichs­höhe war bei unserem Eintreffen im Gasthaus Rennsteig das Kaffeetrinken mit Blaubeerkuchen und Sahne und nach der Weiterwanderung und Rückkehr aus Limbach, mit freundlicher Unterstützung eines Busunternehmens aus Scheibe-Alsbach, zur Pension Lutz ein Sektempfang, durch die Wirtsleute schon legendär. Hier kann sich der Wanderer wirklich wie ein König fühlen. Das abendliche Essen im Kleinen Haus am Wald gestaltete sich zum 2. Bergfest und klang mit Tanz und bester Stimmung aus.

Die 5. Etappe, von Limbach bis Steinbach am Wald, durch das langgezogene Neuhaus hat es, was die Wegstrecke betrifft, wieder in sich. Zum Glück geht es nur am Anfang den Sandberg hinauf, ein bedeutender Anstieg. Erschreckend für uns alle war der Anblick der Gegend, die wir dann kurz hinter dem Wintersportler-Denkmal oberhalb von Ernstthal zur Kenntnis nehmen mussten. Noch im Frühjahr 2020 vorhandener dichter Fichtenwald musste wegen Borkenkäferbefall auf einer Fläche von etwa 100 Hektar total gefällt werden. Der Forstort, Laubeshütte, war nicht wiederzuerkennen und der nun totale, freie Blick ins nahe Frankenland gab uns, was dem nun anstehenden Waldumbau und die notwendige Wiederaufforstung betrifft, viel zu bedenken.

Nur gut, dass die Wirtin des Gasthaus Rennsteig in Spechtsbrunn, ihr Haus für uns früher öffnete und wir dort zur späten Mittagsrast einkehren konnten. Kurz danach kamen wir dann zwischen den geschichtsträchtigen Örtlichkeiten, Kalte Küche und Schildwiese, in das Gebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die wir dann bis nach Blankenstein noch mehrmals, nun ohne Stacheldrahtzaun und scharfe Überwachung, überschreiten konnten. Es war für uns Ehrensache, dass wir an den Stellen, wo an das Leid durch die ehemalige Teilung erinnert wurde, innehielten und dankbar an das, was geschehen war und an die uns heute gegebenen Möglichkeiten dachten. Kurz vor dem Tagesziel in Steinbach erreichten wir den Forstort Weidmannsheil, wo im ehemaligen Forsthaus und späterem Gasthaus vor 125 Jahren der Rennsteigverein gegründet wurde. Nachdem der letzte Wirt das Gasthaus zwei Jahre vor der Wende, 1988, durch Brandstiftung und vorgesehenen Versicherungsbetrug in Flammen aufgehen lies, präsentiert sich uns heute hier ein trauriger Anblick, eine Wüstung mit den Resten der Ruine und einem ungepflegten Umfeld. Nur einige Gedenksteine für den ehemaligen Fürsteher, Julius Kober und den Altrennerwart Reinhold Jubelt, sowie eine Hinweistafel erinnern noch an diese alte Traditionsstätte des Rennsteigvereins. Die Blumenfrauen in unsere Gruppe hatten unterwegs wieder zwei prächtige Waldblumengebinde vorbereitet, die wir in Würdigung der Genannten an den Gedenksteinen niederlegten. Endlich erreichten wir dann Steinbach, wo wir im Hotel und Gasthaus Rennsteig immer gerne gesehen sind und gut betreut werden. Die Abendvesper mundet allen und bald kommt nach der verdienten Labung immer gute Stimmung auf.

Die 6. und letzte Etappe hat weitere Höhepunkte parat. Am großen Kurfürstenstein, dem ältesten und zugleich schönsten Wappenstein des Rennsteigs, im Jahre 1513 gesetzt, (er ist außerdem der älteste wappengeschmückte Grenzstein Deutschlands), werden die Jungrenner, die zum 1. Mal dabei sind, in feierlicher Form zu Altrennern berufen und ihre Altrennernamen vergeben. Diese müssen immer Unikate sein. Die Altrennergemeinschaft hatte diese Namen am Vorabend vereinbart. So kann man nun in der umfangreichen Liste folgenden neue Namen finden: Donna Jacobina für Helga aus Poppenhausen, Saaleperle für Barbara aus Saalfeld und Vitale und Kundiger für Ilka und Roman aus Ilmenau. Im schönen Ort Brennersgrün wurde die alte Schule zu einem Rennsteighaus umfunktioniert. Mit der Toilettennutzung und der Möglichkeit, sich selbst Kaffee oder Tee zubereiten zu können, kehren wir hier immer gerne ein. Da es im ehemaligen Hauptklassenraum einen wunderbaren Hall gibt, verlassen wir das Haus nie, ohne komplett das Rennsteiglied gesungen zu haben. Brennersgrün verlassen wir auch nie, ohne einen Abstecher zum Grab des von Wilderern 1894 erschossenen Forstwartes und Rennsteigforschers Eduard Birnstiel zu machen und ein kleines Gebinde niederzulegen. In Rodacherbrunn hatte die Wirtin extra für uns noch mal ihren Mareile-Imbiss geöffnet und uns eine Mittagsrast ermöglicht. Altersbedingt möchte sie den Imbiss aufgeben. Wir sind immer gerne bei ihr eingekehrt. Im Wanderkreis aufgenommen, dankten wir ihr für ihre langjährige Betreuung und Gastlichkeit mit dem Runstgesang.

Vor dem Ortseingang von Blankenstein, an den Drei Eichen, heißt es immer von der Gruppe, halt für den Wanderführer. Hier erhält der Wanderführer, wenn er seine Sache gut gemacht hat, als Dank und Anerkennung einen Wanderkranz aufgesetzt, der mit unterwegs gesammelten Blumen und Zweigen ausgeschmückt ist und bei der letzten Rast von den fleißigen Blumenfrauen und weiteren Helfern gebunden wurde. Auch der Wanderwimpel wird geschmückt und jeder Wanderer erhält ein kleines Sträußchen. So ausgeschmückt, ziehen wir dann singend in Blankenstein ein, um an der Selbitzbrücke, die von der Werra mitgebrachten Steine, den Wanderkranz und die Blumensträußchen zum Abschluss und Dank für die gemeisterte Rennsteigwanderung in das Flüsschen zu werfen. Nach gegenseitiger Gratulation und Händeschütteln mit Dank für das gemeinsam gestaltete Runst­erlebnis zelebriert der Wanderführer dann den Abschlussspruch: Halali! Die Runst ist aus! Wir fahren als Altrenner nun nach Haus. Doch im Herzen lebt weiter des Rennsteigs Geist, der uns alle zusammengeschweißt, der uns die Liebe zum Walde und zum Wandern erhält, bis einst die Welt zusammenfällt. Wandern ist wirklich eine Kunst! Gut Runst!

Im Quartier gibt es dann eine Abschlusssippung mit der Übergabe der Teilnehmerurkunden, Ehrenschildchen, Abzeichen und weiteren Belegen. Da sich in den sechs Tagen der gemeinsamen Anstrengung immer eine tolle Gemeinschaft bildet, gibt es schon beim Abschied oft den Wunsch, sich bald auf dem Rennsteig wieder zu treffen, um erneut die Runst zu wagen und den Gemeinschaftssinn zu genießen!“

 

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