Rennrodeln Sommerrodeln wieder fest verankert

Zum ersten Mal beim Elite-Rennen mit dabei: Carlos Stang vom RC Ilmenau, nachdem er sich beim K. o.-Rennen des Qualifyings eine Wimpernschlag-Entscheidung mit der Konkurrenz geliefert hatte. Foto: Gerhard König

Mit der 29. Auflage am Samstag verankert der RC Ilmenau den Internationalen Fil-Sommerrodel-Cup wieder deutlich fester im Wettkampfkalender.

Am Ende machten sich sogar fünf weiße Tauben, unter Beethoven-Klängen, auf den Weg vom Ilmenauer Floßberg zum heimatlichen Schlag in Geschwenda. Ein bescheidenes, aber auch nicht zu vernachlässigendes Zeichen des Ausrichters RC Ilmenau, in welchen Zeiten(-wenden) er diesen seinen 29. Internationalen Fil-Sparkassen-Sommerrodel-Cup ausgerichtet hatte. Auch die persönlich zur Siegerehrung erschienene Schirmherrin und Europaabgeordnete Marion Walsmann (CDU/EVP) griff in ihrer Ansprache diesen Aspekt des sportlichen Wettkampfs in Zeiten, in denen in Europa Krieg herrscht, auf. So konnten denn die Gastgeber für sich verbuchen: Eine solche Traditionsveranstaltung am Laufen gehalten zu haben in Zeiten, in denen ganz heftig über ganz andere Probleme diskutiert wird – das ist nicht selbstverständlich, aber wichtig.

Und das bekundete – nach der berechtigten Kritik aus dem vergangenen Jahr ob der seinerzeit gar zu dünnen Thüringer Beteiligung – dann auch die Spitze des freistaatlichen Rennrodelsports durch breite Anwesenheit. Selbst Andreas Trautvetter (Kleinschmalkalden), Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, zählte zu den Gästen. Sportlich wurde der Wettkampf durch die Anwesenheit der besten österreichischen Fahrer enorm aufgewertet; einen Siegerpokal, nämlich den der männlichen Jugend A, nahmen sie mit nach Hause.

Das sportliche Highlight aus Sicht des RC Ilmenau war natürlich der Triumph von Lokalmatadorin Dajana Eitberger – aber es gab auch noch ein zweites, schon am Samstagmittag: Beim K. o.-Rennen des Qualifyings gewann Carlos Stang mit gerade mal drei Tausendsteln (!) Vorsprung die erste Runde und dann, mit einer nochmaligen Steigerung auf seine „Wochenend-Bestzeit“ von 20,674 Sekunden, auch noch die zweite. Erstmals hatte er sich damit für das Elite-Rennen qualifiziert: „Ist schon cool, wenn man weiß, dass man jetzt gleich im selben Rennen mit Max Langenhan fährt“, meinte der 17-Jährige aus Elgersburg, der seit acht Jahren Rennrodeln betreibt und schon länger am Oberhofer Sportgymnasium trainiert. Im Elite-Rennen selbst ging der 1. Lauf etwas daneben, sodass er sein Ziel „Top Acht“ verpasste.

Aber diese Qualifikation lässt sich ganz sicher als gutes Omen für die Kunsteisbahn-Saison verwenden, wenn es bald in die Qualifikationsrennen und -lehrgänge für die Nominierung zum Junioren-Weltcup geht. Ganz am Ende lockt auch die Junioren-WM ... Um das aber schaffen zu können will Carlos Stang vor allem noch am Start intensiv arbeiten: „Da fehlt es mir noch daran, die vorhandene Kraft richtig umzusetzen, denn bei normalen Kraftübungen schaffe ich die gleichen Werte wie die anderen.“ Der nicht unbedingt hoch aufgeschossene Sportler will es auch nicht auf seine ungünstigen Hebel-Verhältnisse schieben: „Es gibt andere, die auch meine Maße haben und es dennoch besser schaffen.“

Auch seinem Verein würden weitere Erfolgserlebnisse von Carlos Stang gut tun, denn der RC Ilmenau muss parallel einen herben Verlust beklagen: Laura Skel, eine große Hoffnungsträgerin mit bekanntem Namen, wird das Rennrodeln nicht weiter als Leistungssport betreiben. Anhaltende Verletzungsprobleme führten zu diesem Schritt, wie sie an der Bahn auf Anfrage bestätigte: „Wenn das Training schneller zu Schmerzen führt als dass man in der Leistung so voran kommt, wie das die anderen tun, dann muss man sich dieser Frage stellen.“ Der Sport soll ihr aber nun zumindest beim künftigen Studium erhalten bleiben. Insgesamt sehr schade, denn somit bleibt ein weiteres großes Ilmenauer Rennrodel-Talent unvollendet – wie schon in den letzten Jahren Manuel Stiebing, Toni Gräfe oder auch Paul-Lukas Heider.

Dass dieser Fil-Sommerrodel-Cup abermals zum Zuschauermagneten wurde war für die Gastgeber ebenfalls wichtig, denn: „Diese Bahn ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt – aber die meisten unterschätzen, wie aufwendig es ist, sie zu erhalten und auch so eine Veranstaltung über die Bühne zu bringen“, erklärte Oberbürgermeister Daniel Schultheiß ausdrücklich bei der Siegerehrung.

Die Bahnsanierung bleibt ein Dauerthema: Auch im Vorfeld dieses Rennens hatte die Firma von Ex-Weltmeister Hans Rinn einige Reparaturen an der Bahn, konkret im Zielbereich, ausgeführt. Andererseits: Inzwischen bekommt der berüchtigte „Sprunghügel“ vor der Kurve 7 fast schon wieder Kult-Status: Als etwa Österreichs Trainer Christian Eigentler am Donnerstag nach dem Training seinen Jungs Video-Aufnahmen davon auf die Handys schickte avancierten die sofort zum Top-Hit: So schnell konnten die Handy-Netze am Floßberg gar nicht reagieren wie diese Bilder umgehend und begeistert geteilt wurden .

Autor

 

Bilder