Rennrodel-Weltcup in Oberhof Rennfahrer bleiben Rennfahrer

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  Foto: Gerhard König

Oberhof, immer wieder. Felix Loch fängt Johannes Ludwig noch ab. Das Doppel Eggert/Benecken ist endgültig wieder da.

Oberhof - Nein, mit angezogener Handbremse sind sie nicht gefahren, dafür sind sie viel zu sehr Rennfahrer. „Sonst passieren vielleicht noch Schusselfehler, denn das Schlittengerät ist ohnehin schon auf Anschlag eingestellt“, sagte Sascha Benecken, Hintermann des in Oberhof einmal mehr siegreichen thüringisch-sachsen-anhaltinischen Rennrodel-Doppels. Mit der Zeit von 41,374 Sekunden nehmen sie von der umgebauten Oberhofer Eisschlange nicht nur einen neuen Bahnrekord mit, sondern auch das gute Gefühl, imKampf um den abermaligen Gesamtweltcupsieg wieder ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Benecken: „Dafür ist dieser Sieg natürlich Gold wert.“

Der Rückstand auf die nach wie vor im Weltcup führende Österreich-Kombi Thomas Steu/Lorenz Koller, die diesmal Vierte wurde, jedenfalls ist geschmolzen. Eggert/Benecken sind nach ihrem, auch gesundheitsbedingt holprigen Saisonstart wieder da. Ihre schon seit Jahren ärgsten Konkurrenten, die Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt, landeten in Oberhof abgeschlagen auf Rang 21. Das Team aus Bayern hatte alle Chancen im ersten Lauf vertan. Bis zur Kurve elf war noch alles im grünen Bereich, in Kurve zwölf aber hob der Schlitten komplett ab, ein böser Sturz war die Folge. „Das war, wie wenn er sich in eine Rille reinfährt“, sagte Pilot Wendl. Im ZDF suchte er später aber indirekt die Schuld bei Mechaniker und Rodel-Legende Georg Hackl: „Wir hatten immense Probleme mit der Schlittenabstimmung, er war quasi nicht mehr steuerbar“.

Probleme, mit denen Hannes Orlamünder und Paul Gubitz sich nicht rumschlagen mussten. Das seit dieser Saison zweite Thüringer Doppel im Weltcup landete nach zwei „soliden Läufen“ (O-Ton Gubitz) auf dem äußerst achtbaren sechsten Platz, allerdings unterlief Pilot Orlamünder im zweiten Durchgang ein kleiner Fauxpas, als er mit den Händen die Lichtschranke zu früh auslöste, die Zeit aber bereits lief. „Ich hatte gehofft, dass wir das in der Bahn wieder ausbügeln könnten, das war aber leider nicht der Fall“, so Orlamünder.

Nichts auszubügeln, sondern seine Halbzeit-Führung zu verteidigen hatte Johannes Ludwig, Oberhofs Team-Olympiasieger. Angesichts des extrem wiedererstarkten dreifachen Olympiasiegers Felix Loch, der im zweiten Durchgang einen absoluten Traumlauf aufs Eis zauberte, erwies sich aber auch das als nahezu aussichtslos. Loch fuhr neuen Bahnrekord, noch schneller als Ludwig vom ersten Lauf. „Wahnsinn, er hat den Kopf sogar weiter unten als Semen Pawlitschenko es jemals könnte“, scherzte Bahnsprecher Willi Willmann angesichts des Loch’schen Blindfluges, der stark an den russischen Ex-Weltmeister erinnerte.

Max Langenhan, der eine Woche zuvor in Altenberg als Zweiter hinter Loch noch sein bestes Weltcupresultat einfahren konnte, machte ein Gesicht, das das trübe Oberhofer Wetter noch einmal toppte. „Es war ein gebrauchter Tag. Wenn ich Zwanzigster geworden wäre und zwei saubere Läufe gemacht hätte, wäre ich zufrieden gewesen, denn dann hätte es eben nicht zu mehr gereicht“, meinte er leicht angefressen. Dass er trotz mehrerer kleiner Fehler noch Rang neun schaffte, konnte sich sehen lassen – wenngleich es auch keine tiefe Zufriedenheit auslöste.

Langenhans Thüringer Teamkollegen Sebastian Bley und Moritz Bollmann haderten ebenfalls mit kleineren Patzern. Bley selbstkritisch: „Ich bin bisher meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden.“ Bollmann war im Kreisel ein wenig spät dran, er wurde schließlich Zwölfter, Bley kam auf Rang 16.

 

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