Rennfahrer-Legende Greifzu Rasender Silberpfeil aus Suhl

Gerd Manig

Vor 70 Jahren, am 10. Mai 1952, kam Paul Greifzu bei einem tragischen Unfall in Dessau ums Leben. Die Suhler erinnern sich bis heute mit großem Stolz und an die Rennfahrer-Legende aus ihrer Stadt. Er hatte Weltstars geschlagen – und wurde von einem Materialfehler getötet.

Auch nach 70 Jahren erinnern sich die Suhler mit Stolz an Paul Greifzu, den großen Sohn ihrer Stadt. Als Paul Greifzu nach dem Kriegsende auf den Rennstrecken Erfolge feierte, suchte man nach Vorbildern, in einer schweren Zeit.

Er verkörperte diese Eigenschaften in vieler Hinsicht, denn er schaute nach vorne, baute und schraubte an seinem silbernen BMW-Rennwagen in seiner eigenen Werkstatt. Er war kein Werksfahrer, der auf ein großes Mechanikerteam zurückgreifen konnte. Sein Name war aber auch schon mit Rennerfolgen aus der Zeit vor dem Krieg verbunden.

Er war einer der Pioniere, der den Motorrennsport zu Beginn der DDR wieder belebte. Unvergesslich war sein größter Erfolg, in seiner Motorsportlaufbahn, mit dem Sieg am 1. Juli 1951 auf der Berliner Avus. Im Eigenbaurennwagen BMW gelang ihm der zweite Sieg, nach dem Nürburgring im Jahr 1938, um den „Großen Preis von Deutschland“ gegen die damalige Weltelite des Motorsportes.

Zu den ersten Gratulanten gehörte der Spitzenfahrer Rudolf Caracciola, der das Rennen beobachtete. Diesen Sieg kann man mit den heutigen Rennen der Formel 1 vergleichen, und war für damalige Zeit ein grandioser Erfolg. Viele nationale Siege waren dem schon vorausgegangen, aber mit diesem Sieg setzte er sich in der internationalen Rennsportgeschichte sein eigenes Denkmal.

Natürlich war es auch ein Prestigesieg für die Farben der DDR. Der Empfang in Suhl war überwältigend. Die Innenstadt war schwarz von Menschen. Das Auto kam mit Paul Greifzu, von der Gothaerstraße rollend, auf den Marktplatz. Ich habe selbst diesen Empfang als Junge miterlebt und habe auch ein Foto, wo ich von den Menschenmassen auf die Kühlerhaube des Rennwagens gedrückt wurde. Die Ehrung im Namen der Stadt erfolgte von dem damaligen Bürgermeister Engel.

Die bescheidene Lebensart und sein Umgang mit der Jugend machte Greifzu zu einem sportlichen Vorbild. Auch hervorzuheben war seine enge heimatliche Verbundenheit, die sich auch in vielen Freundschaften widerspiegelte. In seiner ruhigen und sachlichen Art war Paul Greifzu ein gern gesehener Gast und in seiner Bescheidenheit war er stets für jeden ein Ansprechpartner.

Dies drückte sich auch in seiner Verbundenheit zur Jugend, die sich als Motorsportenthusiasten in der Werkstatt einfanden, besonders aus. Mancher hat bei ihm das Feuer gefangen, um später das Kfz-Handwerk zu erlernen.

100 000 Zuschauer

Das Jahr 1952 begann mit dem Sieg auf dem Sachsenring vor 100 000 Zuschauern und dem Gewinn der DDR-Meisterschaft in der Formel 2 Rennwagenklasse. Dem folgte noch ein Sieg beim Rostocker-Hafenrennen. Der anschließende Umbau des BMW-Eigenbau zu einem 140 PS-Sechszylinder sollte seine Leistungsfähigkeit steigern. Die legendäre Startnummer „100“ wurde zum Markensymbol für Paul Greifzus Eigenbau-Rennwagen.

Er suchte stets nach der Perfektion in der Weiterentwicklung der Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges. Bei allen seinen Rennen war ihm trotz einiger Unfällen das Rennfahrerglück zur Seite. Aber leider war im Trainingslauf beim „Dessauer-Rennen“ am 10. Mai 1952 das Unfassbare geschehen. Eigentlich wollte er kein offizielles Rennen mehr bestreiten. Aber auf die Bitte der Stadtväter von Dessau ging er an den Start. Mit seinem Start sollte er, anlässlich der Eröffnung der neuen Rennstrecke, die Attraktivität des Rennens aufwerten.

Bei der Autobahnauffahrt blockierte der Motor des Rennwagens von Paul Greifzu. Ein unvermeidlicher Unfall beendete das Leben eines unvergesslichen Rennfahrers plötzlich. Noch in der Werkhalle in Dessau konnten alle Wegbegleiter von ihrem Idol Paul Greifzu Abschied nehmen. Die Suhler und seine zahlreichen Freunde erstarrten und mussten das Unfassbare erst verarbeiten. Als Ursache wurde ein Materialfehler vermutet. Ein Gegengewicht der Kurbelwelle riss aus und der Motor blockierte. Greifzu wurde aus dem Wagen geschleudert und starb an der Unfallstelle. Er wurde vier Tage später in seiner thüringischen Heimatstadt beigesetzt.

Als am Tag der Beisetzung, am 14. Mai 1952, die Suhler von ihrem Paul Greifzu Abschied nehmen konnten, gaben sie ihrem vorbildlichen Sportler in seiner Heimatstadt zu Tausenden das letzte Geleit. Es war ein eindrucksvoller Abschied in der Kreuzkirche, dem auch die damals größten Rennfahrer folgten.

Die Suhler nahmen ebenso von seinem Rennwagen Abschied, der heute noch als eine Attraktion im Fahrzeugmuseum zu sehen ist. Anlässlich des 60. Todestages wurde am 10. Mai 2012 ein von Jürgen Conrad gestaltetes würdiges Denkmal im CCS vor dem Eingang zum Fahrzeugmuseum eingeweiht. Ein Gedenkstein wurde 2012 von der Unglücksstelle an der Autobahn 9 ins Dessauer Paul-Greifzu-Stadion versetzt.

 

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