Regiomed Umwandlung der Klinik geht voran

Der Schock über die Schließung des Neuhäuser Krankenhauses steckt den Menschen noch in den Knochen. Nun informiert das Landratsamt, wie es dort weitergehen soll.

Das Landratsamt Sonneberg hat sich in einer ausführlichen Stellungnahme zu den laufenden Umstrukturierungen der Medinos Kliniken geäußert. Sprecher Michael Volk betont, dass die Übernahme der Kliniken durch den Landkreis dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen eingeleitet habe, um die Zukunft der Krankenhausbetriebsgesellschaft zu sichern. Kernstück der Maßnahmen ist die Umwandlung des Standortes Neuhaus am Rennweg in ein ambulantes Gesundheitszentrum.

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Ab dem 6. Dezember wird die akutstationäre Versorgung, einschließlich der Notfallmedizin, vollständig auf das Klinikum Sonneberg konzentriert. Der Rettungsdienst soll ab dem 7. Dezember 2024 Patientinnen und Patienten aus der Rennsteigregion in geeignete Kliniken in Sonneberg, Hildburghausen, Saalfeld, Suhl oder Coburg bringen. Eine mögliche Anpassung der Rettungsdienstkapazitäten wird derzeit geprüft.

Ein neues Konzept

„Unser Ziel ist es, beide Standorte in kommunaler Hand zu erhalten und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln“, erklärt Volk. Dabei stehe die hochwertige Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger an erster Stelle. Durch die Umwandlung des Standortes Neuhaus am Rennweg soll ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen, das Lücken in der ambulanten Versorgung schließen soll. Dadurch wollen sie die Versorgung für die Menschen im nördlichen Kreisgebiet sicherstellen.

Der Transformationsprozess sieht für Neuhaus am Rennweg vor, in mehreren Stufen ein leistungsfähiges MVZ zu schaffen. „Hierbei konnten schon erste Ergebnisse erzielt werden“, so Volk. Ab dem 10. Dezember 2024 können Patientinnen und Patienten im MVZ Neuhaus am Rennweg montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 18 Uhr orthopädische, chirurgische, kinderärztliche, kardiologische und hausärztliche Leistungen erhalten. Ebenso werden ambulante physiotherapeutische Leistungen angeboten. Daneben ist der Ausbau der hausärztlichen und internistischen Leistungen sowie die Etablierung einer ambulanten Radiologie ab Januar 2025 geplant und in die Wege geleitet. In konstruktiver Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen wurden die entsprechenden Anträge gestellt.

Kritik und Faktenlage

Angesichts der vielfach geäußerten Kritik an den in die Wege geleiteten Sanierungsmaßnahmen verweisen der Landkreis Sonneberg und die Medinos Kliniken auf mehre Punkte.

Es wird betont, dass die notwendigen Sanierungsmaßnahmen nicht ausschließlich den Standort Neuhaus am Rennweg betreffen, sondern ebenso den Standort Sonneberg. Auch dort werden Anpassungen nach Bedarf geprüft und umgesetzt. Dank der Übernahme der Gesellschaft durch den Landkreis und der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen konnte der Großteil der rund 800 Arbeitsplätze gesichert werden. Ursprünglich war laut Übernahmeplanung vorgesehen, 24 betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, von denen 22 den Standort Sonneberg betrafen. Aufgrund der Entwicklung der Lage mussten jedoch lediglich zehn Kündigungen entsprechend eines Sozialplans ausgesprochen werden, acht davon am Standort Sonneberg. Für die Beschäftigten in Neuhaus am Rennweg konnten bis auf zwei Ausnahmen Weiterbeschäftigungen angeboten werden, entweder am bisherigen Standort oder in Sonneberg.

Darüber hinaus weist das Landratsamt darauf hin, dass schwerwiegende Notfälle wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte bereits seit längerer Zeit nicht mehr am Standort Neuhaus am Rennweg behandelt werden können. Solche Fälle wurden und werden an umliegende Kliniken weiterverlegt. Die Umwandlung des Standorts Neuhaus am Rennweg steht im Einklang mit den Vorgaben der Krankenhausreform des Bundes, die eine stärkere „Ambulantisierung“ kleinerer Kliniken im ländlichen Raum vorsieht. Viele der bislang am Standort erbrachten medizinischen Leistungen können weiterhin ambulant angeboten werden, und das ambulante Leistungsspektrum soll gezielt erweitert werden.

„Harte, aber notwendige Entscheidung“

Landrat Robert Sesselmann äußert sich ebenfalls zur geplanten Umwandlung des Klinikstandortes Neuhaus am Rennweg und zeigt Verständnis für die Kritik und Sorgen der Bevölkerung der Rennsteigregion sowie der betroffenen Beschäftigten.

„Menschlich habe ich großes Verständnis für die Kritik und die Bedenken“, erklärt er, betonte jedoch gleichzeitig, dass die Medinos Kliniken aus einer Insolvenz stammten. Ohne die vom Freistaat unterstützte Übernahme durch den Landkreis und die damit verbundene Umwandlung wären nach seinen Worten beide Standorte und damit sowohl die Versorgung der Bürger als auch die vorhandenen Arbeitsplätze vollständig verloren gewesen. Die Sanierung des Klinikunternehmens sei aus seiner Sicht notwendig, um dessen langfristige Finanzierung und den Versorgungsauftrag in der Region zu gewährleisten. „Zur nachhaltigen Finanzierung und Sicherung unseres Klinikunternehmens mit seinem Versorgungsauftrag in unserer Region ist dessen bedarfsgerechte Sanierung unumgänglich“, erklärt Sesselmann.

Zudem werde mit den Veränderungen den Vorgaben des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes entsprochen, das vom Bundestag beschlossen wurde. Dies sei Teil der Krankenhausreform der Bundesregierung unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Politisch unterstütze er dieses Gesetzesvorhaben zwar nicht, sehe sich aber als zuständiger Krankenhausträger verpflichtet, dieses umzusetzen und zu beachten.

Ein Blick in die Zukunft

Abschließend appellierte Sesselmann an die Betroffenen, die schwierigen, aber notwendigen Veränderungen verständnisvoll zu verstehen. „Wir bitten daher alle Betroffenen um Verständnis für die harten, aber notwendigen Veränderungen“, sagt er. Gleichzeitig sprach er seinen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinikstandorte Neuhaus am Rennweg und Sonneberg aus. Er hob deren Engagement für die Patientinnen und Patienten sowie deren Unterstützung bei den Sanierungsmaßnahmen hervor.

Mit Blick auf die Zukunft forderte der Landrat, gemeinsam die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. „Es gilt nun, gemeinsam nach vorne zu blicken und die Modernisierung unserer kommunalen Gesundheitsversorgung weiter anzupacken“, betont Sesselmann.