Was seine SPD davon halten dürfte
Für die Sozialdemokraten steckt manch schmerzhafter Brocken in Klingbeils Agenda - zum Beispiel in Sachen Rente und Befristungen. Doch das dürfte der Parteichef eingepreist haben: Er scheint fast eher die eigenen Reihen zu adressieren als den Koalitionspartner. Klingbeil versucht, seine SPD wachzurütteln. Wenn er "Beton in den Köpfen" kritisiert, dann darf sich auch mancher Sozialdemokrat angesprochen fühlen. Schon am Abend des Wahldebakels von Rheinland-Pfalz haben die SPD-Chefs von ihrer Partei verlangt, das Bremser-Image abzuschütteln.
Was man beim Koalitionspartner denkt
In einigen Punkten greift Klingbeil Ideen auf, die auch die Union hat: bei der Orientierung des Rentenalters an den Beitragsjahren oder der Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern. Anderem hat CSU-Chef Markus Söder in einem Interview im "Stern" schon einen klaren Riegel vorgeschoben: Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftsteuer sei falsch, eine Reform der Einkommensteuer bringe zu wenig Entlastung.
Was der Union in Klingbeils Agenda fehlen dürfte, sind eine Senkung der Stromsteuer, das Vorziehen der Unternehmensteuerreform oder die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, den nur noch die Reichsten zahlen.
Reformzeitplan
Nach Ostern dürfte es ernst werden, denn Ende April will Klingbeil die Eckpunkte für den Haushalt 2027 und seine Planung für die Folgejahre ins Kabinett bringen. Dann liegen auch die Vorschläge der Finanzkommission zur gesetzlichen Krankenversicherung vor. Die Rentenreform wird noch etwas auf sich warten lassen. Die dafür eingesetzte Kommission will im Juni Vorschläge vorlegen. Wenig später - Mitte Juli - geht das Parlament in die Sommerpause. Merz will bis dahin alle grundsätzlichen Reformentscheidungen getroffen haben. Denn nach der Sommerpause stehen im September die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an.