Klingbeil hatte eine umfassende Reformagenda vorgeschlagen. Der Finanzminister plädiert für mehr und längeres Arbeiten, die Koppelung der Rente an Beitragsjahre, mehr Voll- statt Teilzeitarbeit und die Abschaffung des Ehegattensplittings für zukünftige Ehen. Beschäftigte sollen bei der Einkommensteuer entlastet, hohe Einkommen und Vermögen aber stärker belastet werden.
Ex-Minister: "Der Mief muss raus"
Mit dem langjährigen Arbeitsminister Hubertus Heil ruft ein Parteiprominenter, der sich zuletzt nicht öffentlich zur Lage seiner Partei geäußert hatte, die SPD zu mehr Leidenschaft für neue Ideen auf. "Die Partei wirkt heute zu langweilig, zu behäbig und zu beliebig", sagte Heil der Deutschen Presse-Agentur. "Die SPD muss die Fenster weit aufmachen, um Sauerstoff reinzulassen. Der Mief muss raus." Für "frische Impulse" solle die SPD Wissenschaft, Gewerkschaften und andere Teile der Gesellschaft einladen. "Sie muss sich öffnen und nicht nur um sich selbst kreisen. Dafür braucht es Führung und Haltung." Sie solle klare Regeln für Künstliche Intelligenz, eine Ausbildungsgarantie oder mehr Selbstbestimmung für Familien zu "zentralen Missionen für Deutschland" machen.
"Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben kein klares Bild mehr, wofür die SPD steht", sagte Heil. Der Abgeordnete kritisierte "ritualisierte Erklärungen" aus der SPD für die jüngsten Wahlniederlagen. "Die einen sagen, die SPD muss einfach nur mehr in die Mitte, die anderen sagen, wir brauchen ein stärkeres linkes Profil", so Heil. "Beides führt in eine Sackgasse."
Nach den SPD-Schlappen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hatte Heils Name bei Spekulationen über eine mögliche neue Parteispitze die Runde gemacht. "Ich führe keine Personaldebatten", sagte Heil dazu.