Rasenpflege in Breitungen Viele Löcher und 30 Tonnen Sand

Mähen, aber nicht zu kurz, richtig wässern und düngen, das will ein perfekter Rasen. Manchmal braucht es auch noch etwas mehr. Die Breitunger Sportplätze bekamen jetzt eine regenerierende Kur mit vielen kleinen Löchern und Sand.

Das Thema Rasen ist eine Wissenschaft für sich, sagt Nico Zimmermann. Er muss es wissen, er hat die Pflege grüner Flächen zum Beruf gemacht. In dieser Woche war er wieder zu Gast in Breitungen. Dort arbeitet man in Sachen Sportplätze seit Jahren mit der Firma Eurogreen zusammen und nun war es wieder einmal Zeit für eine etwas umfassendere Behandlung. Sowohl der Sportplatz der Jugend in Herrenbreitungen, als auch die Friedenskampfbahn in Frauenbreitungen wurden „aerifiziert“. Dabei schluckten beide Plätze jeweils 30 Tonnen Sand.

Grundsätzlich war Nico Zimmermann mit dem Grün, das er vorfand, sehr zufrieden. Auf der Friedenskampfbahn machte er zwar einzelne trockene Flecken und da und dort etwas Klee ausfindig. Kurzwurzelige Gräser, vermutlich angeflogen, wie auch der Klee. Insgesamt aber sei hier alles gut, der Platz habe „einen fast 100-prozentigen Deckungsgrad“, auch in den Torräumen.

Das Lob geht an den örtlichen Bauhof. Er kümmert sich um die Pflege der Plätze, bei Hitze und Trockenheit eine tägliche Aufgabe. „Man muss dranbleiben“, sagt Bauhof-Leiter Uwe Adam, ebenfalls ein Rasen-Kenner. Auf dem Sportplatz der Jugend mähen die Mitarbeiter des Bauhofs. Gewässert wird wegen der Hitze erst abends, da helfe der Sportverein dankenswerterweise mit, lobt Adam.

Seine Leute sind auch fürs Vertikutieren zuständig. Zweimal im Jahr mietet der Bauhof ein Aufsitzgerät, das gleichzeitig mäht und den Boden ein- bis eineinhalb Zentimeter einschlitzt.

Dadurch wird der Filz im Gras entfernt, und das sei wichtig, sagt Rasen-Fachmann Zimmermann. Zum einen könnten darin Krankheiten entstehen, zum anderen sauge die Schicht wie ein Schwamm: Ein Zentimeter Filz speichere pro Quadratmeter zehn Liter Wasser. „Da wären auf dem 7000 Quadratmeter großen Sportplatz 70 Kubikmeter Wasser weg, ohne jemals die Graswurzeln erreicht zu haben.“ Eine solche Wasserrechnung würde einen Bürgermeister bestimmt nicht freuen.

Gießen, Düngen, Mähen

Überhaupt das Gießen, auch eine Wissenschaft. Lieber seltener, dafür kräftig. Das Wasser muss mehrere Zentimeter in die Erde sickern, es soll das Gras dazu anregen, tiefe und feste Wurzeln zu schlagen. Gelegentlich mit etwas Wasser über den Rasen zu huschen, bringe gar nichts, höchstens Flachwurzler. Die will man nicht.

Auf der Friedenskampfbahn übernimmt das Wässern seit zwei Jahren eine ferngesteuerte Beregnungsanlage, die Beregnungsköpfe fahren automatisch aus dem Boden. Fürs Mähen ist ein Roboter im Einsatz, nur an den Rändern hilft der Bauhof nach.

Eine allgemeine Mäh-Regel? Nicht zu kurz, sagt Nico Zimmermann, nur ein Drittel, höchstens die Hälfte darf weg. Auf kommunalen Sportplätzen wie in Breitungen wird der Rasen auf dreieinhalb bis vier Zentimeter gehalten, im Profi-Bereich geht es um pflegeintensive 2,2 bis 2,8 Zentimeter. Bleibt noch Grundregel drei, das Düngen: Nico Zimmermann läuft dafür jedes Jahr auch in Breitungen „eine römische Zehn über den Platz“ und nimmt an unterschiedlichen Stellen Proben. Je nachdem, wie der ph-Wert und die Anteile an Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sind, fällt die Dünge-Empfehlung an den Bauhof aus.

Auf den Breitunger Sportplätzen kam nun noch die Pflegeform namens Regeneration dazu. Orhan Ceren von der Fachfirma stand am Donnerstag in aller Frühe auf, um rechtzeitig in Breitungen zu sein.

Dort setzte er sich auf seinen kleinen Traktor und montierte den Besander. 30 Tonnen Estrichsand pro Sportplatz hatte die Gemeinde von der Fambacher Kiesgrube besorgt, die verteilte Orhan Ceren gleichmäßig auf den Plätzen. Dann kam der Perforator: Eine Walze mit hohlen Stacheln, die tausende kleine Löcher in den Rasen stanzt. Das diene der Belüftung, es aerifiziert den Rasen, erklären die Fachleute dazu.

Im dritten Schritt wurden die Plätze mit einem Netz abgeschleppt. Der feinkörnige Sand rieselt so in die Löcher und verfüllt sie wieder. Nun komme mehr Luft in den Boden, er werde durchlässiger, die Wurzeln gehen tiefer und kleine Unebenheiten sind ausgeglichen.

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