Ramelow zum Feiertag: „Unser Freistaat steht fantastisch da!“

Im Osten wird besonders viel gemeckert, lautet ein Vorurteil. Der Thüringer Ministerpräsidenten schüttet dagegen am Tag der Deutschen Einheit Begeisterung aus. Ohne Sorgenfalten ist er aber nicht.

Thüringentag 2023 in Schmalkalden (Archiv). Foto: /Michael Reichel

Zum deutschen Nationalfeiertag hat der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine außerordentlich positive Bilanz der Wiedervereinigung gezogen. „Auf der einen Seite gibt es unfassbar viel, auf das Thüringen stolz sein kann: die attraktiv renovierten Innenstädte, von denen auch der Tourismus profitiert. Das reiche kulturhistorische Erbe, in dessen Erhalt viel investiert wird. Die prosperierenden mittelständischen Firmen – viele davon auf ihrem Spezialgebiet Weltmarktführer -, die europa- und weltweit erfolgreich etabliert sind. Wir können mit Fug und Recht behaupten: Unser Freistaat steht fantastisch da!“, erklärte er anlässlich des Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

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Der 3. Oktober 1990, als die deutsche Einheit besiegelt wurde, sei ein historischer Moment gewesen, der alle sehr berührt habe. „Denn diese Einheit war nicht nur ein politischer Akt, sondern vor allem ein Herzenswunsch vieler Ostdeutscher, die sich nach Freiheit, Demokratie und Wohlstand gesehnt haben“, sagte Ramelow. 33 Jahre später, sehen man mit großer Freude, was gemeinsam geschafft und geschaffen wurde. Allerdings sei der Einheitsprozess „weder strukturell noch in den Köpfen oder gar in den Herzen“ abgeschlossen.

„Der 3. Oktober ist ein Tag der ambivalenten Gefühle“, so Ramelow: „Ein Tag, auf den wir dankbar wie auch kritisch zurückblicken. Ein Tag, der uns vor allem ermutigt, entschlossen und selbstbewusst nach vorn zu schauen und die brennenden Herausforderungen anzunehmen. Der uns auffordert, unsere Hausaufgaben zu erledigen und immer wieder die Themen auf die Tagesordnung zu setzen, die gesamtdeutsch nicht gelöst sind.“

Viele Menschen in Thüringen wie im Osten insgesamt seien mit harten Brüchen in ihrer Biografie konfrontiert. Die Anpassung an die westdeutschen Strukturen sei oft nicht einfach gewesen, und die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten seien bis heute spürbar. „Es gibt weiterhin Lohnunterschiede bei gleicher Arbeit, bei den Führungskräften sind die Ostdeutschen unterrepräsentiert. Und es fehlen heute die, die weggegangen sind, weil sie ihre berufliche Zukunft nicht im Osten gesehen haben“, sagte Ramelow.

Diese besondere Gefühlslage der Ostdeutschen präge die aktuelle Debatte. Die Sehnsucht nach Anerkennung und Gleichberechtigung, aber auch die Enttäuschung und das Gefühl des Zurückgelassenseins müsse man ernster nehmen denn je. „Wir wollen diese Menschen nicht den Falschen überlassen, wir wollen und werden sie zurückgewinnen“, so der Ministerpräsident. „Lassen Sie uns gemeinsam die Einheit Deutschlands feiern und dafür kämpfen, dass sie nicht nur eine politische Realität, sondern auch eine gelebte Wirklichkeit für alle Menschen in unserem Land wird“, so Ramelow.