Puppenfestival in Sonneberg Für drei Tage zurück in die Kindheit

Die Puppen von Annelie Frick-Plebani sind alles selbst gemacht. Auch die Kleidung hat sie selbst entworfen. Foto: Zitzmann/Carl-Heinz Zitzmann

Bei so vielen, schönen Spielsachen, wie sie die Aussteller in der großen Börse zum Puppenfestival in der Eishalle – die erste nach Corona-Zeiten – präsentieren, möchte jeder noch einmal Kind sein.

Sonneberg - Das Lied von Ines Ehrlicher „Für einen Tag zurück ins Abenteuerland und die Welt mit Kinderaugen sehen“, passt perfekt. Wer in diesen Tagen in die Eishalle des Sonnebades kommt, erlebt genau das, was der Helene Fischer-Song erzählt. Noch einmal Kind sein, mit den vielen, schönen Sachen spielen und die Welt ringsum vergessen. Nicht nur die Aussteller freuen sich, dass sie nach so langer Zeit endlich wieder ihre Schätze präsentieren und an den Mann oder die Frau bringen können. Auch die Besucher sind froh, die Puppen, Teddys und andere liebevollen Kleinigkeiten in die Hand nehmen zu können. „Das ist doch etwas anderes als im Internet“, sind sich alle einig.

Zufrieden ist auch Bürgermeister Heiko Voigt, der zusammen mit stellvertretendem Landrat, Jürgen Köpper, dritter Bürgermeisterin von Neustadt, Elke Protzmann und dem Vorsitzenden der Spielzeugstraße, Michael Busch die erste live veranstaltete Messe der Spielzeugbranche nach fast eineinhalb Jahren Stillstand eröffnen darf. „Natürlich haben wir ein Puppenfestival light und selbstverständlich müssen wir die Rahmenbedingungen der Pandemie beachten, aber wir haben hier wieder einen Treffpunkt, an dem sich Teddy- und Puppenkünstler, Sammler, Händler, Fachpublikum und Fans austauschen können“, betont er. Daneben ist es dem Team der Tourist-Info, das in diesem Jahr zum ersten Mal den Sonneberger Part des Puppenfestivals organisiert, gelungen, einen Publikumswettbewerb, einen festlichen Abend mit Preisverleihung und einen Flohmarkt auf die Beine zu stellen. Auch das Deutsche Spielzeugmuseum hat sich mit eingeklinkt und ein Extra-Programm für die Puppen- und Teddyfreunde erarbeitet.

„Mit all dem lebt das einmalige Flair der Weltspielwarenstadt Sonneberg und der bayerischen Puppenstadt Neustadt wieder auf“, ist sich stellvertretender Landrat Jürgen Köpper sicher. Das Internationale Puppenfestival ist schon seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte mit Weltruf, mit der gleichzeitig die gute länderübergreifende Zusammenarbeit der beiden Städte unterstrichen wird. „Genau diese Kooperation zeichnet sich auch für unsere Tourismusregion Coburg.Rennsteig aus, in der das Thema Spielzeug ein wichtiger Baustein ist“, erklärt Jürgen Köpper. Das große Alleinstellungsmerkmal Spielzeug machen die Spielwarenunternehmen auf spielerische Weise erlebbar. Andererseits verbindet es auch die Gegenwart mit der Historie, galt die Region mit ihren weltgrößten Produktionsstätten einst zu Recht als die Werkstatt des Weihnachtsmannes. „Diese ruhmreiche Geschichte wird zum Puppenfestival wieder spürbar“, erklärt Jürgen Köpper.

Große Werkhallen haben die Aussteller nicht. Dafür aber kleine Ateliers, in denen die schönsten Dinge entstehen. So wie bei Annelie Frick-Plebani. „Alles selbst gemacht“, erzählt sie stolz. Stoffpuppen näht sie selber, für die Vinyl- und Holzpüppchen kauft sie sich die einzelnen Teile und näht den Körper dazu selbst. Sind die Körper fertig, geht es ans Ausstatten. Dann wird Annelie Frick-Plebani, die schon seit vielen Jahren zum Puppenfest kommt, zur „Modedesignerin“. „Meine Puppen haben alle einen Sinn“ betont sie. Neben der Gewürzverkäuferin stehen die Engelchen in der Weihnachtsbäckerei und unübersehbar ist Emma von Jane Austin, die tatsächlich so aussieht wie im Film. Genau wie Charly Chaplin, den sie bereits zusammen mit der Weinkönigin und der Kartenlegerin auf den Tisch für die Preisverleihung gestellt hat. Nach Sonneberg kam sie durch einen Bekannten, der wusste, dass sie selber Puppen macht. „Fahr doch mal nach Sonneberg, da gibt es so ein Fest“, hatte er ihr geraten und sie hat es getan. „Aber als Besucher“, weiß sie genau genau. Seitdem kommt Annelie Frick-Plebani, die durch ihre Heirat mit einem Italiener zwischen Deutschland und Italien pendelt, regelmäßig und genießt es, wenn ihre Puppen bei den Gästen so viel Anklang finden.

Puppen in allen mögliche Variationen und von verschiedenen Herstellern haben Edeltraut Sellmau und Liane Stier dabei. Die Beiden kommen vom Dessauer Puppenklub und verkaufen die Exemplare, die man aus der Sammlung aussortiert. „Man braucht doch Platz für Neues“, begründen sie. Nach Sonneberg kommen sie schon viele Jahre und immer wieder gern. „Hier ist eine so schöne Atmosphäre, man kann sich mit den anderen austauschen und es ist so schön, Leute zu treffen“, loben sie.

Genau wie Annelie Frick-Plebani ist auch Gabriela Sack-Neumann zum ersten Mal als Besucherin auf der Börse in der Eishalle gewesen. „Ich mag eigentlich keine Puppen“, gibt die Österreicherin offen zu. „Sie sind steif, starr und unnatürlich“, begründet sie. Als 2016 jedoch die Reborn Babys auf den Markt kommen, ist es um sie geschehen. Sir wird zur Puppenmutti und macht eine Puppe nach der anderen. „Wie viele kann ich nicht sagen“, erklärt sie. Dazu näht, häkelt oder strickt sie nicht nur das passende Outfit, sondern auch Babydecke oder Wagen. „Aber Oldtimer bitte“, betont sie.

Anneliese Jugel kommt seit 2005 nach Sonneberg. „Das erste Mal als Gast“, weiß sie noch ganz genau. Damals hat sie hier auf der Börse eingekauft. Inzwischen ist sie aber seit sechs Jahren Ausstellerin und Verkäuferin. Ihre Teddys entstehen alle nach eigenem Entwurf. „Aber auch auf Kundenwunsch“, betont Anneliese Jugel. Hauptsächlich verwendet sie Plüsch. Gerne häkelt sie aber auch ihre Figuren. Es müssen eben nicht immer Bären sein. Auch die Plüschhäschen möchte man am liebsten mitnehmen. Großen Wert legt die „Bären-Mama“ auf Qualität. Deshalb verwendet sie auch keine Kunst- sondern Glasaugen. „Aus Lauscha“, betont sie. Extra dafür ist sie in die Glasbläserstadt gefahren und hat sich einen Vorrat angelegt. „Der geht jetzt langsam zu Neige“, bedauert sie ein wenig. Aber Lauscha ist ja nicht weit.

 

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