Länder wie Finnland verzichten bereits auf das Erlernen von Schreibschrift in der Schule und konzentrieren sich auf das Bedienen von Tastaturen. In Deutschland wird nach wie vor die lateinische oder die vereinfachte Ausgangsschrift in den Grundschulen gelehrt, aber auch hierzulande löst das Digitale mehr und mehr das Manuelle ab.
Die Folgen sind verheerend, findet Professor Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler, Psychiater und Autor von „Digitale Demenz“. Spitzer weiß: „Wer sich etwas mit der Hand aufschreibt, der merkt es sich besser, als wenn er es tippt. Das Training der Feinmotorik beim Schreiben hat einen Einfluss auf die genaue Wahrnehmung von Mustern. Das Tippen führt zu weniger Nachdenken über die Inhalte, wohingegen das handschriftliche Erstellen von Notizen das Nachdenken und damit die Tiefe der Verarbeitung der Inhalte steigert.“
Den Bildschirm generell zu verteufeln, wäre falsch. Mit Googeln lässt sich Wissen hervorragend erweitern, doch: Nur wer schon etwas weiß, kann auch eine passende Frage im Suchfeld formulieren. Hinzu kommt, laut Spitzer, dass Informationen aus dem Internet – im Vergleich zu denen aus Buch, Zeitung oder Zeitschrift – am wenigsten im Gedächtnis bleiben.
Krankheit kann das Schriftbild verändern
So man denn nun das Schreiben beherrscht, behält eine Handschrift ein Leben lang ihre charakteristischen Merkmale. Allerdings kann sich das Schriftbild durch Lebensumstände verändern.
Nicht nur Alkohol- und Drogenrausch lassen eine Schrift verkümmern, oftmals deuten unleserliches Gekrakel, kleiner werdende Buchstaben oder ein zittriges Schriftbild auf Erkrankungen des Nervensystems wie Demenz oder Parkinson hin.
Auch bei der Personalsuche bedient man sich der Handschriftenanalyse. Sucht ein Chef beispielsweise eine angepasste, nicht zu aufmüpfige Assistentin, dann kann eine Schriftprobe helfen, die passende Bewerberin zu finden.
Dominante Schrift, dominante Persönlichkeit
Sperrige, unregelmäßige und dominante Schriften deuten auf ebensolche Persönlichkeiten hin. Da könnten im Büro schnell mal die Fetzen fliegen. Eine ausgewogene und rhythmische Schrift würde dagegen, rät die Schriftsachverständige Seibt, einem solchen Chef besser gefallen.
Mal von allem Praktischen abgesehen, ist ein Liebesbrief nur halb so schön, wenn er nicht handschriftlich verfasst wurde, und eine E-Mail aus dem Urlaub ersetzt keineswegs eine Postkarte. Handgeschriebenes schafft Emotionen.
Nun muss man nur noch darauf achten, nicht allzu viele Orthografie- und Grammatikfehler zu machen, denn die automatische Rechtschreibprüfung gibt es leider nur online.