Prozess nach Raub im Grünen Gewölbe Es sind unsere Diamanten

Am Freitag hat der Prozess nach dem Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden begonnen. Es geht um tausende Diamanten und mehr als 100 Millionen Euro. Was kaum jemand weiß: Bezahlt wurden die Kunstwerke auch von den Bürgern aus Südthüringen. Was gesucht wird, zeigt die Bildergalerie.

Suhl/Dresden - Nach dem Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe wird einem Teil der Tatverdächtigen seit Freitag der Prozess gemacht. Da Jugendstrafrecht gilt, werden die Strafen mäßig ausfallen. Von den 4300 Diamanten fehlt weiter jede Spur. Was die wenigsten Prozessbeobachter in unserer Region wissen: Sie sind 2019 irgendwie auch ganz persönlich bestohlen worden.

Der Sächsische Staatsschatz aus der Zeit August des Starken und seines Sohnes wurde damals nämlich auch von Bürgern aus Suhl, Schleusingen und der Gegend von Viernau bis Rohr und Kloster Veßra teuer bezahlt – und zwar viele Jahre über ihre Steuern. Die Region kam 1718 zu Kursachsen, unsere Hauptstadt war nun für 97 Jahre das prächtige Dresden. Der starke August herrschte noch 15 Jahre über diesen Zipfel des Thüringer Waldes. Sein nicht minder verschwenderischer Sohn folgte. Ein weißer polnischer Adler an der Suhler Kreuzkirche erinnert daran (August war auch König von Polen).

Bei dem Diamantenraub geht es nicht um 113 Millionen Euro, sondern um unsere Identität, um unsere Geschichte und die Geschichten, die die 21 Meisterstücke für uns und unsere Nachfahren erzählen. Weder bezahlt (das waren die Bürger) noch erschaffen (das waren die Handwerker) hat der König seinen Schatz – es sind also unsere Diamanten.

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