Auf dem Weg zum Markt, am Goetheplatz, winken einige Anwohner den Demonstranten zu. Die Pauken und trommeln werden jetzt kräftiger geschlagen. Eine Krankenschwester, die mitläuft, sagt: „Wir werden von der Regierung richtig verschaukelt. Ich möchte, dass die Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden.“ Das gehe eigentlich nur gegen das deutsche Volk. „Der Mittelstand, die kleinen Leute, bezahlen alles, und in naher Zukunft werden sie sich wahrscheinlich ihr Leben nicht mehr leisten können.“ Eine 46-jährige Frau aus Römhild, die auch im Gesundheitswesen arbeitet, beklagt auf dem Markt die berufsbezogene Impfpflicht, die eine Spaltung der Gesellschaft hervorrufe. Das gehe teilweise durch einzelne Familien. Da werde sich gegenseitig kaputt gemacht, körperlich und psychisch. „Wer pflegt denn die Leute in Seniorenheimen und in den Krankenhäusern noch, wenn alle Ungeimpften gekündigt werden“, fragt sie. Impfen oder Maske tragen, das solle eine freie Entscheidung sein und nicht diktiert werden. Nun werde uns noch aufdiktiert, nicht mehr die Hände zu waschen, kalt zu duschen und im Winter zu frieren, um Energie zu sparen. „Es werde viele geben, vor allem Ältere und Rentner, die das nicht mehr bezahlen können. Wir sollten uns generell aus dem Krieg raushalten und ihn nicht noch befürworten, indem wir Waffen dorthin liefern.. Es gab so viele Kriege bis jetzt, auch bei den Amis, haben wir da Sanktionen gemacht“, fragt sie.
Es sind normale Leute, Mitarbeiter aus der Pflege und dem Gesundheitswesen, aber auch einige Frustrierte, Unzufriedene und Wutbürger, die ihrem Ärger bei den Montagsspaziergängen Luft machen. Steffen Braunersreuther, einer der Trommler, kommt aus Großbardorf bei Bad Königshofen. „Wir sind eine riesengroße Familie aus West und Ost, man kennt sich, alles was rechts ist, fliegt raus“, sagt er. Am nächsten Montag wird er wieder seine Trommel schlagen, entweder in Bad Königshofen oder in Hildburghausen.