Projekttag Blick auf Opfer und Mittäter

Das Melissantes-Gymnasium in Arnstadt hat am Projekttag der Thüringer Unesco-Projektschulen in Erfurt teilgenommen. In diesem Rahmen besuchten Schüler den Erinnerungsort Topf & Söhne.

Die Dauerausstellung «Techniker der Endlösung»» belegt im Erinnerungsort Topf & Söhne die Mitwisser- und Mittäterschaft der Firma im Holocaust. Foto: /Martin Schutt

Im Rahmen des diesjährigen Projekttages der Thüringer Unesco-Projektschulen unter dem Motto „Unesco - Toleranz und Demokratie für ein friedliches und demokratisches Zusammenleben“ besuchten Schülerinnen und Schüler des Arnstädter Melissantes-Gymnasiums den Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt und nahmen dort an einem fünfstündigen Workshop teil.

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Eindrückliche historische Beispiele

Wie Laura Stadtmüller, die Unesco-Projektschulkoordinatorin, mitteilt, seien im Rahmen dieses Workshops zum Thema „Von Opfern und Mittätern im nationalsozialistischen Erfurt“ zwei eindrückliche historische Beispiele kombiniert worden, die zeigen, wie das nationalsozialistische Verbrechensregime auch durch das tägliche Handeln Einzelner oder kleinerer Gruppen ermöglicht wurde. Dabei besuchten die Schüler auch die Ausstellung „Der gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn“. In der Ausstellung erfuhren sie, dass sich die Erfurter Familien Cars und Cohn in ihrer Konstellation ähnelten, die Familienväter Max Cars und Max Cohn Juden waren, ihre Frauen jedoch nicht zur jüdischen Religionsgemeinschaft gehörten. Nach 1933 wurden alle Familienmitglieder ausgegrenzt und schikaniert. Für eine gewisse Zeit waren sie durch die nichtjüdische Ehefrau bzw. Mutter vor dem Schlimmsten geschützt. Während die Familie Cars überlebte, wurden Max, Helmut und Rosemarie Cohn in den nationalsozialistischen Lagern ermordet. Sie waren durch Nachbarn und Arbeitskollegen ohne Not denunziert worden ...

Ergänzt wurden die biografischen Beispiele durch einen Blick auf die Handlungsspielräume und Motive der Täter, da auch die Dauerausstellung „Techniker der Endlösung“ des Erinnerungsortes mit in den Projekttag eingebaut wurde, schreibt Laura Stadtmüller weiter. Anhand von Schlüsseldokumenten hätten sich die Schüler mit dem Handeln der Unternehmer und Techniker von Topf & Söhne auseinandergesetzt, die in eigener Initiative Öfen für die Konzentrations- und Vernichtungslager konstruierten und technische Lösungen für deren Optimierung entwickelten.

Geschichte hat besonders berührt

Für die Schüler sei es ein lehrreicher und eindrucksvoller Tag gewesen, den die Schülerin Eva Maria Brandau (9a) wie folgt beschreibt: „Besonders berührt hat mich die Geschichte der Familie Cars. Sie lebte damals in Erfurt, nicht weit von mir entfernt. Familie Cars verfügte leider, wie viele andere jüdische Familien auch, nicht über Mittel und Möglichkeiten, um rechtzeitig aus Deutschland entkommen zu können. Ein Teil der Familie wurde deshalb ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Sie erlebten dort grausame Folter und den Tod vieler Menschen. […] Familie Cars hatte das besondere Glück, dies alles zu überleben. Später fanden sie alle wieder zusammen. Das furchtbare Leid der zurückliegenden Jahre ließ sie nie los.“

Beitrag zur Kultur des Friedens

Seit 1999 gehört das Gymnasium Arnstadt zu den mittlerweile zehn Unesco-Projektschulen in Thüringen, deutschlandweit gibt es mehr als 170, weltweit etwa 7500 Schulen, die sich diesem internationalen Netzwerk angeschlossen haben. Jeder Schultyp des deutschen Bildungssystems – Grundschule, Regelschule, Gymnasium, berufsbildende Schule, Privatschule – ist vertreten. Das Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt – so lautet das wichtigste Bildungsziel der Unesco-Projektschulen, teilt Projektschulkoordinatorin Laura Stadtmüller abschließend mit. „Damit wollen sie einen wesentlichen Beitrag zu einer Kultur des Friedens leisten“, sagt sie.