Projekt in Unterschönau Über 130 Freiwillige helfen im Bergwald

Seit Ende August läuft erneut ein Großeinsatz im Zukunftswald Unterschönau. In fünf Projektwochen werden Freiwillige aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet, teilt Revierförster Hendrik von Riewel vom Verein Bergwaldprojekt mit. Los geht es mit Hamburger Schülern.

Unter anderem bauen die Teilnehmer im Greenpeace-Wald Hordengatter, die natürliche Alternative zum Foto: Bergwaldprojekt

Fast zwei Jahre ist es her, als die Umweltstiftung Greenpeace und der Bergwaldprojekt-Verein mit Sitz in Würzburg, rund 200 Hektar Wald nordwestlich von Unterschönau kaufte. Regelmäßig finden seitdem Workshops und Pflanzaktionen statt. Die aktuellen Projektwochen dauern noch bis 22. Oktober an, teilt Hendrik Riewel mit. So seien in den ersten zwei Wochen Achtklässler der Max-Brauer-Schule aus Hamburg zu Gast. In einer weiteren Waldschulwoche werden Schüler der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg aus Bielefeld erwartet.

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In den beiden letzten Einsatzwochen im Oktober packen dann Erwachsene an. Die Freiwilligen werden verschiedene Arbeiten durchführen und das Ökosystem näher kennenlernen. Ziele des Einsatzes seien, die ökologische Situation am Projektstandort zu verbessern und die Teilnehmenden auch über die Projektwochen hinaus für eine nachhaltige Lebensweise zu sensibilisieren.

Der Wald, der sich vorher im Privatbesitz befand, weise verschieden starke Störungen auf. Fichten-Monokulturen prägen die Fläche, die zudem intensiv befahren und die Bestände durch zu hohe Holzeinschläge bedrohlich gelichtet worden seien. Durch eine naturnahe Waldbewirtschaftung soll nun der Zukunftswald Unterschönau entstehen. Eingriffe in den Wald sollen seltener und sensibler werden, natürliche Waldentwicklungsprozesse werden zugelassen. Die Ernte soll sich auf eine behutsame Einzelstammnutzung beschränken. Neben Hendrik von Riewel leiten die Vereinsmitglieder Dominik Kopf, Jan Köhl und Sebastian Hiekisch die Arbeiten.

Sie werden Hordengatter aufstellen und Häherteller bauen. Häherteller seien kleine Kästen, in denen Eicheln oder Bucheckern als Nahrung für die Eichelhäher liegen. Diese bedienen sich daraus und verteilen die Samen auch als Wintervorrat in der näheren Umgebung.

Umbau einer alten Fütterung

Manche Samen vergessen sie, und so verjünge sich der Bestand in einem Umkreis von etwa 300 Metern natürlich und mit zukunftsfähigen Baumarten. Außerdem sollen Wege saniert werden und eine alte Fütterung zu Erholungszwecken umgebaut werden. Diese befindet sich nahe des neuen Naturlehrpfades von Moosbach-Ranger Ronny Bohl, der im Sommer eingeweiht wurde. Schulklassen, die mit ihm hier die Natur erkunden, sollen hier rasten können.

Eine naturnahe Waldentwicklung vor Ort, das ist auch das Anliegen der Umweltschützer des Würzburger Bergwaldprojektes. Neben der praktischen Tätigkeit gebe es in jeder Einsatzwoche immer auch ein Exkursionsnachmittag, um mehr über den Einsatzort zu erfahren und die vielfältigen Zusammenhänge in der Natur, die Belastungen der Ökosysteme und die Abhängigkeit des Menschen von den natürlichen Lebensgrundlagen verstehen zu können, betont der Revierförster.

Untergebracht seien die Gruppen in verschiedenen Waldhütten. Selbst in der eigenen Küche drehe sich alle um ökologisch erzeugte, vegetarischer und möglichst regionale und saisonale Vollwertkost.

„Es ist toll, dass wir die Möglichkeit haben, Einsätze im eigenen Wald durchzuführen und das Konzept der naturnahen Waldnutzung wirkungsvoll umzusetzen. Der Einsatz macht auch was mit den Teilnehmenden: Indem sie sich für ihre Umgebung engagieren, entwickeln sie oftmals auch neue Beziehungen zur Natur. Die Erfahrungen aus den Projektwochen bestärken die Ehrenamtlichen darin, auch den eigenen Alltag naturverträglicher und ressourcenschonender zu gestalten. Sie tragen somit zum dringend notwendigen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung bei“, so Hendrik von Riewel.