Projekt in Schleusingen Jedes Alter kommt in diese Schule

Karin Schlütter

Ein Haus der Generationen ist die Wiesenbauschule in Schleusingen. Das zeigt sie jetzt auf besondere Weise. „Bewohner“ präsentieren und Besucher zwischen 0 und 80 plus schauen, staunen, erleben.

Die Türen stehen offen von oben bis unten. Kommen, Gehen und Wiederkommen ist angesagt. Und rund um das schöne Fachwerkhaus ist allerhand los. Herzlich Willkommen ist auf dem Asphalt der Christian-Juncker-Straße mit Kreide aufgemalt. Dort wogt sich die große Hüpfburg unter vielen jungen Beinen, dort freuen sich nicht nur die Mädchen über ein hübsches Glitzer-Tattoo. Wer wollte da nicht hineingehen in dieses Haus? Da ist die Bibliothek, die so ganz anders ausschaut ohne die alten braunen Regale - mit neuem Fußboden und neuem Tresen.

Christine Fuchert und Annegret Ebert erzählen nur zu gerne, wie das alles zustande kam und wie sie das Geld aus dem Förderprogramm für zeitgemäße Bibliotheken im ländlichen Raum angelegt haben. Hier steckt soviel Herzblut drin. Noch ist nicht alles ganz fertig und am Samstag erstmal zum Schnuppern geöffnet. Doch in den Regalen warten schon viele Bücher, auch ganz neue aus den Bestseller-Listen auf Leser. Die neue „Zocker-Ecke“ in der Kinderbibo ist schon voll in Betrieb und den ganzen Tag belegt. „Wir sind so stolz auf die Playstation 5, die wir dafür bekommen haben, sagt Anne. Spiele, auch für die Nintendo-Switch können sich die Mädchen und Jungen dann für zu Hause ausleihen. Jünger und dem Trend folgend soll die Bibliothek noch mehr Kinder und Jugendliche begeistern. Als der Tag endet, können sich die beiden Bibo-Frauen über viele Neuanmeldungen freuen. Und der Buchbasar im Foyer ist auch gut frequentiert worden. Vis-a-vis-laden die Tina-Frauen zu Kaffee und Kuchen ein. „Wir sind im Stamm so 14 Frauen, die sich hier treffen, dienstags zur Gymnastik und Donnerstags zu verschiedenen Veranstaltungen, mal zu einer Buchlesung, mal zum Spielenachmittag oder einfach zum Quatschen“, sagt Waltraud Stang.

Die flotte sportliche Frau ist 83 und hat gerade wieder eine Busfahrt nach Heldritt auf die Naturbühne organisiert. „Im Tina-Treff ist jeder willkommen“, sagt sie. „Seniorinnen und Senioren jeden Alters können hier Zeit in geselliger Runde verbringen. Schön wäre es, würden auch Jüngere zu uns kommen.“ Am Ende des Nachmittags sind die Kuchen bis auf ein paar Krümel verzehrt.

Es ist ein Tag der Generationen, so wie es die Wiesenbauschule sein soll, ein Haus, in dem jung und alt ein- und ausgeht und gemeinsam etwas bewegt. E. Baumann-Grabmayer vom kreislichen Jugendamt ist beeindruckt: „Ein Tag der Begegnung, der mehrere Generationen vereint, von den ganz Kleinen bis zu den Großen 80 plus. Dieses Haus lebt auf. Jeder ist stolz auf das, was er hier zeigt, ob die Omis mit ihrem Kuchen, die Frauen in der Bibliothek oder die Jugend im Klub.“ Die Premiere ist vielversprechend und der Weg führt nach oben, dort, wo der Jugendclub Wiesenbauschule zu Hause ist. Benjamin und Vanessa werden nicht müde, die Besucher zu führen und zu zeigen was es hier alles gibt. Von der Küche, in der auch mal gemeinsam gekocht wird, über den großen Saal, in dem getanzt und gefeiert werden kann. Den Spielesaal mit Billard und Kicker. „Und das ist mein Lieblingsraum“, erklärt gerade Benni zwei Besuchern und stellt seinen Raum vor. Hier kann relaxt, gezockt oder Musik gehört werden.“

Aber auch ein Raum zum Hausaufgaben machen oder zum Basteln bietet der Jugendklub. Die Jugend managt diesen Tag. Ob an den Ständen, an denen es natürlich auch Bratwürste und Getränke gibt, oder an den Spiel- und Bastelständen draußen. Silvana und Alina vom Jugendbeirat der Stadt erzählen von ihrer Arbeit und ihren Ideen für die Stadt und freuen sich, dass auch ihr „Kollege“ der Vorsitzende des Jugendbeirats aus Römhild gekommen ist. Ein Erfahrungsaustausch kann ja schließlich nicht schaden.

Als Silvana, die Vorsitzende des Jugendbeirats gegen 11 Uhr das Fest offiziell eröffnet gibt es noch Minuten der Emotionen. Denn ohne sie, die Chefin im Jugendklub, „ohne sie gäbe es das alles hier nicht, sie steht voll hinter uns und unterstützt uns“, sagt sie und zaubert einen Blumenstrauß für die sichtlich gerührte Anica Moye hervor. Der Jugendsozialarbeiterin, die nur so vor Energie und Ideen sprudelt und versteht, andere zu begeistern, verschlägt es für einen Augenblick die Sprache. Aber es gibt noch mehr Anerkennung für die junge Frau. Martina Blau, Dorfkümmerin bringt Blumen und Grüße vom Seniorenbeirat spricht von der guten Zusammenarbeit von Jugend- und Seniorenbeirat, „die besser nicht sein könnte. Wir sind eine gute Truppe!“

Stadtrat und Kreisrat Alexander Brodführer hat keine Blumen mitgebracht, aber Bares und ermutigt. „Der Jugendbeirat tritt den Stadtrat auf die Füße und das ist gut so.“ Auch er spart nicht mit Lob für das tolle Fest. Am Nachmittag kommt Bürgermeister André Henneberg, der für die neue Tischtennisplatte gesorgt hat. Mehrgenerationenhaus? Dieser Tag zeigt es. „Wir sind ein Dream-Team“ sagt Christine, die Chefin des Bücher-Reiches. Es funktioniert nur gemeinsam und so werden wir das Haus weiter beleben.“ Zwar kann es nicht jeden Tag ein Fest geben wie an diesem Samstag mit Live-Musik von „Take 2“ und den Luftikussen, mit Auftritten der Dance-Kids der Grundschule, die künftig im großen Saal des Hauses üben möchten. Aber es könnte ein kleines für jeden werden, der hier im Jugendklub mit anderen spielt und lernt, ein neues Buch mit nach Hause nimmt oder sich zum Kaffee bei den „Tina“ trifft. Besser könnte eine Einladung in das Mehrgenerationenhaus nicht ausfallen, wie dieser Tag von dem angesichts der vielen Besucher eine strahlende Anica am Ende sagt: „Ich bin total dankbar und wertschätzend für all die Helfer und Akteure, die diesen Tag so großartig gemacht haben.“

 

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