Projekt in Bremen/Rhön Reiche Ernte vom Acker der Kinder

Das Kinderhaus St. Josef in Bremen beteiligt sich am Projekt „Acker-Racker“ und bestellt ein eigenes Feld. Für die Fleiß-Arbeit der vergangenen Monate gab es schon reiche Ernte als Lohn, und nun wurde auf abgeernteten Flächen erneut gepflanzt und gesät.

Prächtig sehen sie aus, die Gemüsepflanzen auf dem Acker im Ried bei Bremen. Von der extremen Trockenheit, die in diesem Jahr Landwirten und Gärtnern zu schaffen macht, ist hier nichts zu sehen. Im schmalen Bach neben dem Feld plätschert reichlich Wasser, während andernorts kleine Gewässer längst trockengefallen sind.

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Die Kinder, unterstützt von Erzieherinnen, Eltern und weiteren Helfern, hegten und pflegten in den vergangenen Monaten Mais, Tomaten, Zucchini, Kartoffeln und all die anderen Pflanzen. Zwölf Gemüsebeete hatten sie im Mai unter fachkundiger Anleitung von Josefine Kirschner, Regionalkoordinatorin für Thüringen beim Projekt „Acker-Racker“ des Vereins „Acker e. V.“, und Merle Winterberg, ehrenamtlicher Acker-Coach beim selben Verein, gepflanzt. Viele Stunden verbrachten die Kindergartenkinder auf ihrem Feld. Hierfür wurde der Wohnwagen des Kinderhauses, der sonst vorrangig für Waldprojekte zum Einsatz kommt, auf dem Ackergelände aufgestellt. Im Wagen und unter dem Sonnensegel davor können die Kinder Schutz vor zuviel Sonne oder einem Regenschauer finden, war von Erzieherin Bianca Schmelz zu erfahren. Letzteres war in diesem Sommer bislang eher nicht der Fall, dafür aber am Pflanztag, der ausgerechnet den lang ersehnten Regen brachte.

Erzieherin Anna Wingenfeld hat zusammengezählt, was auf dem Acker bislang geerntet wurde – insgesamt mehr als 130 Kilogramm Gemüse. Das sind 6 Kilogramm Salat, 1 Kilo Palmkohl, 9 Kilo Gurken, 2 Kilo Tomaten, 7 Kilo Bohnen, 1,5 Kilo Mangold, 4,5 Kilo Möhren sowie 65 Radieschen, 5 Kohlrabi, 38 gelbe und grüne Zucchini, 5 Fenchel, 16 Kürbisse und 10 Maiskolben, die zusammen 103,5 Kilogramm auf die Waage brachten. Das geerntete Gemüse wurde entweder gleich auf dem Feld genascht oder im Kindergarten zu leckeren Gerichten verarbeitet oder aber in den Gemüsebasar der Tagesstätte eingebracht. Zu Beginn der Sommerferien hatten zudem mehr als 60 Kinder aus zehn Orten, die sich an den Religiösen Kinderwochen beteiligten, mit auf dem Acker gearbeitet, und sie durften für ihre Küche auch geerntetes Gemüse verwenden.

Josefine Kirschner und Merle Winterberg kamen auch zur zweiten Pflanzung nach Bremen. Vor Beginn der Arbeit lauschten die Kinder zunächst gespannt der Geschichte „Das große Jucken“, die Josefine Kirschner vorlas. Maya Mais bat Karlos Kartoffel, sie am Rücken zu kratzen, weil sie von unzähligen Blattläusen übersät war, die überall juckten. Doch auch auf den Kartoffeln und weiteren Gemüsepflanzen hatten sich die gierigen Sauger niedergelassen, entdeckte Paulina Palmkohl. Paulina hatte hingegen mit weißen Fliegen zu kämpfen, die ihr das Leben schwer machten. Die Rettung kam mit der Marienkäferdame Maria, die bis zu 100 Blattläuse am Tag vertilgt und auf den Pflanzen schon fleißig Eier abgelegt hatte, sodass ihre Kinder gleich genug Futter vorfinden, wenn sie schlüpfen.

Mit der Geschichte animierte Josefine Kirschner die Kindergartenkinder, selbst nach Tieren auf dem Acker zu suchen. Einige Kartoffelkäfer entdeckten sie, welche sofort abgesammelt wurden. Dann begaben sie sich, mit Grabegabeln bewaffnet, gemeinsam auf Schatzsuche. Einige Kartoffelpflanzen waren bereits abgeblüht und konnten geerntet werden. Knolle um Knolle, teils in beachtlicher Größe, holten die Kinder aus dem Erdreich. Das Ziel, eigene Pommes herstellen zu können, ist somit bereits erreicht. Aufgrund der reichen Ernte in den vergangenen Wochen sind auf dem Acker einige freie Flächen entstanden. Hier säten die Kinder – unterstützt von Erzieherinnen, Eltern und den Coaches – Stoppelrüben, Radieschen, Feldsalat und Spinat und sie pflanzten Petersilie, Romanasalat, Grünkohl und Kegelkohl.

„Acker-Racker“ ist ein Langzeitprojekt mit Eigenanteil. Letzteren erhält die Bremer Kindertagesstätte in diesem und im nächsten Jahr vom Landesprojekt „Vielfalt vor Ort“. Im Auftrag des Fördermittelgebers waren am Pflanztag auch Michael Wutzler, Projektkoordinator von der Fachhochschule Erfurt, und Fachberaterin Anna Heinrich (in Trägerschaft der AWO) nach Bremen gekommen. Anna Heinrich begleitet thüringenweit elf Kindertagesstätten verschiedener Träger, die über das Vielfalt-Projekt gefördert werden. „Hier geht es darum, dass sich jedes Kind und jede Familie beteiligt. Ein Garten beziehungsweise Acker ist hierfür eine gute Grundlage“, sagt sie. Dass viele Familien aus dem Dorf sich einbringen, findet sie besonders gut. Hierdurch würden Dorf und Kindergarten noch besser zusammenwachsen. Den Gemeinschaftssinn von Kindern zu prägen, sei besonders wichtig, weil diese schließlich irgendwann die Erwachsenen von morgen seien, betont Anna Heinrich. Michael Wutzler beschreibt die Unterschiede sozialer Umfelder im ländlichen Raum und in großen Städten wie Erfurt. Beidem wolle das Projekt „Vielfalt vor Ort“ Rechnung tragen. Die beteiligten Kindergärten mit ihren unterschiedlichen Umfeldern seien zudem miteinander vernetzt, tauschen sich aus. „Das bringt richtig Schwung in die Einrichtungen“, meint die Fachberaterin.

Der bislang bewilligte Förderzeitraum für den Eigenanteil zur Projektbeteiligung des Bremer Kindergartens endet Ende Mai 2023. Heinrich und Wutzler werden eine Verlängerung empfehlen. „Alle hoffen, dass es weitergeht. Das Projekt ist ja noch nicht abgeschlossen“, sagt Anna Heinrich.