Probe für den Ernstfall Der Wald brennt – nicht!

Auf 2, 5 Hektar haben am Samstagvormittag die Flammen gezüngelt. Zumindest theoretisch. Die Suhler Feuerwehr hatte zu einer Großübung alarmiert. Auch Wasserwerfer und Hubschrauber der Polizei kamen zu Hilfe.

Suhl - Die Flammen züngeln, die Funken fliegen, und über allem thront eine mächtige Rauchwolke. Insgesamt 2,5 Hektar Wald stehen am Samstagvormittag am Sehmar in Brand. So die Theorie. Tatsächlich liegt das Laubwäldchen ganz oben im Suhler Gewerbegebiet ganz ruhig da, als gegen 9.30 Uhr die ersten Feuerwehrmänner anrücken. Sogar eine leichte Eisschicht hat sich auf den Blättern der Birken gebildet – von Hitze keine Spur.

Dass sie zu einer Übung alarmiert werden, wissen die Kameraden der Suhler Wehr, als 9.23 Uhr ihr Piepser losgeht. Doch sie handeln, als es wäre es ernst. Denn das könnte es jederzeit werden. „Die Sommer 2018 und 2019 waren Vorboten des Klimawandels. Wir müssen uns darauf einstellen, dass auch bei uns Brände ausbrechen können, die so verheerend sind wie die, die im Sommer im Mittelmeerraum gewütet haben“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Wiegmann. Dann sind schnelles Handeln, einwandfreie Absprachen und eine ausgeklügelte Logistik unerlässlich. Um genau das zu trainieren, sind am Samstag 71 Feuerwehrmänner in 22 Fahrzeugen ins Gewerbegebiet am Suhler Sehmar gefahren.

Logistik ist das Wichtigste

Das Wichtigste sei die Logistik im Hintergrund, betont der Feuerwehrsprecher. Denn die Ressource Wasser, die im Thüringer Wald knapp sei, müsse stets zur Verfügung stehen, erläutert Daniel Wiegmann. Daher sind am Samstag auch der Wasserwerfer der Thüringer Bereitschaftspolizei und der in Erfurt stationierte Polizeihubschrauber dabei, um den Trainingsbrand zu löschen. Die Polizei nutzt die Großübung ebenfalls, um ihre Einsatzstrategie mit den Kräften vor Ort abzustimmen – ein Vorgehen, das es in Thüringen so bisher noch nie gegeben hat.

„Bisher löschen wir Brände, indem wir einfach gezielt mit Wasser draufhalten“, sagt Daniel Wiegmann. Doch man müsse dazu übergehen, sich die Arbeitsweise der Kollegen aus Amerika oder Australien anzueignen – dort, wo große Waldbrände an der Tagesordnung sind. Daher werden am Trainingstag auch verschiedene Wege getestet, den Brand in den Griff zu kriegen. „Deswegen dauert es heute auch ein bisschen länger als üblich, wir werden Verschiedenes testen“, kündigt der Feuerwehrsprecher an.

2000 Liter sind schnell weg

Wo ist der Brand? Sind Menschen oder Häuser in Gefahr, und kommen wir überhaupt hin? Fragen, die die Ersten am Brandort klären müssen. Dann beginnen die Feuerwehrmänner mit dem Aufbau der Wassergasse. Durch die dicken Schläuche fließen 100 Liter Wasser pro Minute. Schnell ist das erste Tanklöschfahrzeug, das 2000 Liter fasst, leer. Damit habe man das Feuer nicht gelöscht, aber gezielt in die gewünschte Richtung gelenkt, erläutert der Feuerwehrsprecher. „Jetzt muss schnell Wassernachschub her.“

Dazu sind neben den Feuerwehrmännern aus Suhl auch die Kameraden aus Zella-Mehlis und Geschwenda alarmiert worden. Sie beginnen, einen Pendelverkehr der Löschfahrzeuge zu organisieren, rollen Hunderte Meter Schlauch aus, zapfen Hydranten an, stellen Pumpen und Wasserbassins auf. „Das Schwierige am Sehmar ist, dass das Wasser über eineinhalb Kilometer und rund 60 Höhenmeter transportiert werden muss“, schildert Daniel Wiegmann.

An vielen Stellen herrscht geschäftiges Treiben, aber immer mal wieder auch Verwirrung. „Wo liegen denn jetzt die Löschrucksäcke?“, fragt ein Kamerad, der mit der manuellen Waldbodenbearbeitung – einem weiteren Baustein der Waldbrandbekämpfung – beginnen will. So solle vermieden werden, dass sich das Feuer hinauffrisst in die Baumkronen. „Ein Wipfelbrand ist kaum noch zu kontrollieren. Wir wollen verhindern, dass es soweit kommt“, sagt Daniel Wiegmann.

In Ausrüstung investiert

Dafür hat das Land Thüringen extra in die Ausrüstung für die Wehren investiert. 20-Liter-Löschrucksäcke und spezielle Harken ersetzen seit Kurzem Mistgabeln und Dung­haken, mit denen die Kameraden bis dato gegen die Flammen am Boden gekämpft haben. Nun muss das nagelneue Equipment seine erste Feuerprobe bestehen.

Seit knapp einem Monat besitzt die Suhler Wehr auch einen Faltbehälter. Darin finden 15 000 Liter Wasser Platz. Er funktioniert wie ein Planschbecken aus dem Baumarkt. Erst muss ein Ring aufgepumpt, dann kann das Becken mit Wasser gefüllt werden. Damit das zügig geht, dockt der Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei an und lässt seine 10 000 Liter hineinlaufen. Der Behälter stellt sich automatisch auf. Das riesige Reservoir ist nötig, damit der Helikopterpilot darin den Bambi Bucket, einen Löschwasserbehälter für Hubschrauber, eintauchen kann.

Unterstützung aus der Luft

Endlich naht dann auch die ersehnte Unterstützung aus der Luft. Die Feuerwehrmänner verlassen das Gebiet, in dem das vermeintliche Feuer tobt und beobachten die Kollegen der Polizei bei ihrem Einsatz. Der Hubschrauberpilot muss das Wasserbecken – trotz des Windes, das die Rotoren verursachen – genau treffen. Dann füllt sich der Eimer mit Wasser. Der Hubschrauber fliegt über das Feuer und löscht punktgenau. Am frühen Nachmittag heißt es dann: Das Feuer ist aus!

In den kommenden Wochen werden die Kameraden nun auswerten, was gut gelaufen ist und welche Schwachstellen ausgemerzt werden müssen – bis der Ernstfall eintritt.

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