Friedrich Schillers Drama „Don Karlos“ und Giuseppe Verdis diverse Opernfassungen des Stoffes haben es beide in sich: Große Geschichte wird verhandelt. Von Genies auf ihrem Gebiet, die obendrein beim Schreiben und Komponieren immer auch politisch denken. Dass der deutsche Klassiker auf dem Weimarer Sockel neben Goethe auch Geschichtsprofessor ist, veredelt seine Dramen. Ganz gleich wie genau die Abbilder des spanischen Königs Philippe II. und seines Sohnes Don Carlos – Gestalten aus dem 16. Jahrhundert – geraten sind. Die katholische Kirche schreibt unter diesem König eines der finstersten Kapitel ihrer Geschichte mit dem Feuer der Scheiterhaufen und dem Blut der Ketzer schrieb. Genau das kommt mitten in der Oper beim Autodafé eindrucksvoll zum Ausdruck: Menschenverbrennen als bejubelter Staatsakt – musikalisch in aufrauschendem Pathos verpackt. Inklusive einer Verführung zum Beifall, über die man, wenn sie funktioniert, aus gutem Grund nur erschrecken kann.
Premiere Singende Skulpturen -Jubel für den Meininger „Don Carlos“
Roberto Becker 08.09.2024 - 13:40 Uhr