Erst kommt das Fressen, dann die Moral!“, heißt es da im Text. Mal ehrlich: Wer kennt ihn nicht, diesen Brecht’schen Lehrsatz – ein scheinbar so universales Weltgesetz wie die Gravitation. Und weil das so ist, erzählt die Ballade „Wovon lebt der Mensch“ dem Publikum zur Premiere der „Dreigroschenoper“ im Meininger Theater nichts Neues. Das mag anders gewesen sein, damals, in den goldenen Endzwanzigern im ach so hippen Berlin – von Zilles Hinterhof-Wohnerbärmlichkeit mal abgesehen. Heute, im schnuckeligen Meiningen, dreht sich ein funkelnder Zirkus voller merkwürdiger Gestalten auf der Bühne. Heute ist Kapitalismus längst kein Wort (mehr), das man in den Mund nimmt. Wir leben schließlich in der sozialen Marktwirtschaft, nicht wahr? Und wenn da die einen im Dunkeln sind, und die anderen im Licht – wie es der Mackie-Messer-Song behauptet, dann ist das halt (schon immer) so.