Jost erklärt zudem, dass eine gewisse Klarheit beim größten und wichtigsten Marathon Deutschlands mit Blick auf die Regularien entstehe. „Bei einem Feld von 50.000 Teilnehmern ist es jetzt auch relativ unrealistisch, mitten aus der Menge Menschen herauszugreifen, sie dann zu disqualifizieren oder Ähnliches zu machen.“ Nach dem Rennen sei eine Disqualifikation noch wesentlich bitterer für die Sportlerinnen und Sportler. Mit den Open-Ear-Kopfhörern müssen sie nun nicht mehr fürchten, aus dem Rennen genommen zu werden.
Die Entscheidung dürften daher viele von denen begrüßen, die sich am 21. September der Herausforderung der 42,195 Kilometer stellen werden. „Es gibt natürlich Leute, die gerne in ihrem eigenen Rhythmus laufen, mit eigener Unterstützung, und so kriegt man aber trotzdem noch mit, was entlang der Strecke passiert. Also von daher ist es eine Win-win-Situation, würde ich sagen“, erklärt Renndirektor Mark Milde die Vorteile der Berlin-Premiere aus seiner Sicht.
Die neue Regelung sei eine „Antwort auf die Entwicklung der vergangenen Jahre oder Jahrzehnte“, berichtet Milde weiter. „Viele der Teilnehmenden sind regelmäßig mit Kopfhörern unterwegs, und wir haben immer so ein bisschen die Problematik, dass wir natürlich wollen, dass die Teilnehmer auch mitbekommen, was um sie herum passiert.“
Einer, der auf Kopfhörer beim Sporttreiben schwört und mit demselben Unternehmen zusammenarbeitet wie die Veranstalter des Berlin-Marathons ist Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno. „Musik hat mir immer sehr bei hochintensiven Einheiten geholfen, die Erschöpfung etwas länger zu verdrängen. Selbst in der Vorbereitung, um in die richtige Stimmung zu kommen, war und ist Musik entscheidend für mich“, sagt der 44-Jährige, der dreimal den Ironman auf Hawaii gewann und 2023 seine Karriere beendete.
Frodeno betont aber auch, dass man trotz der Kopfhörer immer auf das Umfeld reagieren können sollte. „Dafür spielt die Wahrnehmung eine wichtige Rolle.“ Dass Open-Ear-Kopfhörer beim Berlin-Marathon erlaubt werden, findet er „grundsätzlich gut“, sagt der Triathlon-Rentner. „Und ich glaube, dass die Sportler es zu schätzen wissen.“ Musik und Sport seien eine „tolle Mischung“.
Während die Hobbysportlerinnen und Hobbysportler beim Berlin-Marathon zum ersten Mal Kopfhörer tragen dürfen, ist das für die Weltelite weiterhin verboten, wie Milde erklärt. „Wir haben auch Rücksprache mit den Verbänden wie beispielsweise dem Weltverband geführt. Die legen Wert darauf, dass professionelle Läufer bei einem offiziellen Lauf keine Kopfhörer nutzen, damit beispielsweise nicht Coaching oder irgendwelche Anweisungen erfolgen können.“