Premiere an der Grundschule Warum nicht eine Theater-Schule?

Geschafft! Das Publikum ist von der Premiere begeistert, die kleinen Darsteller sind glücklich. Foto: Karl-Heinz Frank

Mit Alice im Wunderland hat die Theatergruppe der Lautenberg-Grundschule Suhl zum Frühlingsfest zur Premiere geladen. Ein Volltreffer, auf den gleich der nächste folgt. Die Suhler werden Teil der diesjährigen Schultheatertage in Meiningen sein.

Die Reihen füllen sich. Ab und zu lugt der Hutmacher hinter dem Vorhang vor, um zu schauen, was sich in der Aula tut. Er dürfte überrascht sein. Nicht ein Platz ist mehr frei. Den Zuschauern steht nicht eine Aufführung von vielen bevor, die überwiegend Eltern, Großeltern, Geschwister erleben, sondern eine Premiere gleich in mehrfacher Hinsicht, die die Theatergruppe mit Alice im Wunderland auf die Bühne bringt.

Dieses Stück ist das erste der jungen Theatergruppe an der Schule überhaupt. Das steigert die Spannung enorm, sowohl auf, als auch vor der Bühne. Und es ist die erste Produktion, die der junge Lehrer und Leiter der Theatergruppe an der Grundschule, Janek Wyrwich, mit Grundschulkindern einstudiert hat. 43 Mädchen und Jungen sind insgesamt daran beteiligt, immer 23 von ihnen zur Premiere auf der Bühne, die doppelt ausfällt. Einmal für alle Familienangehörigen der ersten beiden Klassenstufen, dann für die der anderen beiden. Doppelt ist auch die Besetzung der meisten Rollen, um alle Kinder zu involvieren. Nicht die des Weißen Hasen, der Weißen Königin oder des Hutmachers.

Ideal ist die Entscheidung für eine Sprech- und Tanzinszenierung, die den kleinen Debütanten viel Raum lässt. Etwa dafür, sich mit der Atmosphäre, der Situation im Saal vertraut zu machen. Mit einem Zettel vor dem Bauch, auf dem die jeweilige Rolle vermerkt ist, stellen sie sich lautlos vor und können dabei gleich Eindrücke verarbeiten. Denn das Lampenfieber ist groß.

Und schon ist man mittendrin im Geschehen. Zwei Diebe stehlen einen Schleier, der Wunder wirkt. Wer durch ihn angeblickt wird, ist plötzlich unsterblich in sein Gegenüber verliebt. Darum rankt sich die Geschichte. Und darum, wie die Tücke mit geeinter Kraft von Alice, Hase, Königin, Hutmacher, Cowgirl und Co. verhindert werden kann. Dass am Ende noch eine Pointe lauert, findet großen Gefallen. Überhaupt sorgt die Inszenierung für ein tobendes Publikum, das auch bei den peppigen Showeinlagen mitgeht. Fast so wie die Palastwachen der Roten Herzogin, die Diedeldei mit seiner Version von Gangnam Style ablenkt.

Nach 40 Minuten ist alles schon wieder vorbei, tosender Beifall den Darstellern gewiss. Blumen gibt es für den Intendanten, der mit Lob und Dank für alle Beteiligten und Unterstützer nicht spart. Erst im vergangenen November hat er mit seinen Theater-Mäusen in einem Klassenzimmer begonnen. „Doch Theater sucht sich seinen Weg“, sagte er.

Und auf diesem liegen viele Überraschungen. Immer einmal pro Woche stehen Proben an, manchmal öfter. Sogar eine ganze Theaterwoche haben die Mädchen und Jungen der Grundschule hinter und noch ein großes Ereignis vor sich. War lange unklar, ob die beliebten Schultheatertage in Meiningen in diesem Jahr stattfinden können, sind sie seit kurzem sicher. Und auch, dass die Theatergruppe der Lautenberg-Grundschule vom 26. bis 28. Juni daran teilnehmen wird.

Janek Wyrwichs Gedanken reichen längst darüber hinaus. „Wäre es nicht wunderbar, wenn unsere Schule als Theater-Schule auf ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal verweisen könnte? So etwas gibt es noch nicht.“ Eine interessante Vorstellung. Doch diese ist gerade weit weg von den glücklichen Theater-Mäusen, die sich längst in das Getümmel zum Frühlingsfest gestürzt haben. Hier warten Bastel- und Tattoo-Ecken, Malstraße, Kuchen-Theke, Flohmarkt, Experimentierstraße, Vorführungen oder das Fahrzeug vom ASB-Rückholdienst zum Besichtigen auf alle großen und kleinen Gäste.

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