Preise für Zivilcourage Hinschauen, wo andere wegsehen

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Zum dritten Mal wurde während einer Ehrenamtsgala des Landkreises Schmalkalden-Meiningen ein Preis für Zivilcourage vergeben. Die Besonderheit im Jahrgang 2022: Wurde dieser Preis sonst nur einmal vergeben, gab es ihn diesmal gleich zweifach.

Anja Köhler, Gerlinde Pasch und Barbara Glöckner-Latour. Foto: Wolfgang Swietek

Da ist Anja Köhler aus dem Grabfeld, die von Bürgermeister Christian Seeber für den Zivilcourage-Preis vorgeschlagen wurde. „Mehr als eine Million Menschen sind aus der Ukraine seit Kriegsbeginn nach Deutschland geflohen. Mehr als tausend Geflüchtete haben bis heute allein bei uns im Landkreis Schutz gesucht. Und Sie, liebe Anja Köhler, haben nicht weggeschaut wie so manch anderer“, so der Bürgermeister in seiner Begründung, „Sie haben sich eingereiht in die unglaubliche Solidaritätswelle.“ Ein ganz besonderes Projekt sei in Berkach entstanden. „Als sich die Idee, im Kulturhaus Flüchtlinge unterzubringen, zerschlagen hatte, haben Sie und Ihre Mitstreiter nicht locker gelassen und nahmen die ehemalige jüdische Schule in den Fokus. Fortan bauten Sie das Jahrzehnte lang leerstehende Gebäude in unzähligen Stunden Eigenleistung zu einem Zufluchtsort um. Etwa 20 Menschen im Dorf hatten sich der Idee verschrieben und schrubbten, schraubten, sägten wochenlang, unermüdlich. So entstand dieses Dorfprojekt. Sicher auch begleitet von kritischen Stimmen, wie immer, wenn sich jemand für Flüchtlinge engagiert. Aber davon ließen Sie sich nicht beirren“, so der Bürgermeister. Mit Unterstützung aus dem Ort, von Jugendlichen, der Kirchgemeinde, dem Verein jüdisches Ensemble Berkach und der Gemeinde sei das Gebäude her- und eingerichtet worden. „Auch die Betreuung, Begleitung und Versorgung der Flüchtlinge leistet Ihre Gruppe vorbildlich. Sogar in die Feuerwehr konnten zwei Geflüchtete integriert werden. Sie haben eine tolle Geschichte geschrieben, die anderen Menschen ein Vorbild sein sollte.“

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Ein weiterer Preis ging an „Omas gegen rechts“. Zwei Frauen, die alles andere sind als untätige Omas, rief Landrätin Peggy Greiser zur Ehrenamtsgala nach vorn. Maria Glöckner-Latour und Gerlinde Pasch waren von Vizebürgermeister Ulrich Töpfer vorgeschlagen worden. „Die Omas gegen rechts fühlen sich als ältere Generation dazu verpflichtet, das mühsam erkämpfte Erbe einer intakten Demokratie zu bewahren. Ihnen geht es um ein gemeinsames Europa, sie setzen sich für Chancengleichheit und Rechtssicherheit ein, für den Erhalt und den Ausbau sozialer Errungenschaften, für Respekt und Achtung gegenüber allen Mitbürgern, unabhängig von ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung“, so steht es in der Begründung von Ulrich Töpfer. Vor zwei Jahren hatten Gerlinde Pasch und Maria Glöckner-Latour in Meiningen das lokale Bündnis Omas gegen rechts gegründet. Auch in der schwierigen Coronazeit hätten sie für Nächstenliebe und Solidarität geworben und seien den Montagsspaziergängern mit Plakaten begegnet. Sie hätten das Wort ergriffen und ihre Einstellungen trotz Buhrufen und lauter Kritik öffentlich gemacht. „Sie haben schnell bemerkt, was jetzt auch einigen Spaziergängern bewusst wird: Dass diese Aktionen von Rechtsextremen unterwandert und nun mehr und mehr für ihre widerwärtigen Ziele instrumentalisiert werden“, so Töpfer. Sie seien überdies auch Initiatorinnen der wöchentlichen Mahnwachen, die seit Februar für Frieden und Solidarität mit der Ukraine stattfänden. „Als viele wegsahen und schwiegen, standen sie auf und erhoben ihre Stimmen“, bescheinigte er den engagierten Frauen.