Die Down-Syndrom-Organisationen warnen davor, dass die Angst vor Behinderung noch verstärkt werde und Menschen mit Beeinträchtigungen in der Gesellschaft als "vermeidbar" und nicht willkommen bewertet würden. Eltern von Kindern mit Behinderung gerieten immer stärker unter Rechtfertigungsdruck – nach dem Motto: Ihr hättet es doch wissen können, wie Szczebak sagt. "Auch viele Menschen mit Down-Syndrom sind sehr besorgt. Sie fragen: 'Warum sollen wir nicht leben?'"
Sie fordert, das Beratungs- und Hilfsangebot für Schwangere und betroffene Familien viel stärker auszubauen. Bislang sei die Beratung Schwangerer oft defizitorientiert. "Ärzte sagen ihnen oft sofort: 'Sie müssen das Kind nicht bekommen.'" Diese Sichtweise müsse sich ändern, fordert die Familienberaterin.
Rund 101 000 Schwangerschaftsabbrüche gab es laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr deutschlandweit. In rund 3800 Fällen lag eine medizinische Indikation vor – etwa eine hohe psychische Belastung der Frau wegen der Trisomie ihres Kindes. Bekommt eine Frau eine solche Bescheinigung, ist eine Abtreibung auch nach der zwölften Woche nach Empfängnis noch straffrei möglich.