Post aus dem Rathaus OB und Personalrat fordern Respekt und Schutz

Das ist ungewöhnlich: Der Suhler OB und der Personalrat der Stadtverwaltung nehmen gemeinsam Stellung zu einem Leserbrief in „Freies Wort“. Vor allem zu einer Karikatur.

Suhls Oberbürgermeister André Knapp stellt sich schützend vor seine Mitarbeiter. Foto: /dpa

Ein Leserbrief vom 19. Dezember 2025 in „Freies Wort“ hat Wellen geschlagen. Unter der Überschrift „Parkplätze statt noch mehr Grünflächen“ äußerte Sabine Janz im Namen der Vereinigung Bürger für Suhl Bedenken gegen das geplante Stadtkonzept. Darin ist vorgesehen, die Bahnhofstraße umzugestalten und Parkflächen zugunsten von mehr Stadtgrün zu reduzieren. Sabine Janz spricht sich im Leserbrief gegen die Reduzierung von Parkflächen in diesem Bereich aus. „Die Parkplätze... sind für ältere Bürger mit Rollator oder Rollstuhl sowie für Touristen von großer Bedeutung. Sie ermöglichen einen ebenerdigen und schnellen Zugang zur Apotheke, Bäckerei, Drogerie, Sparkasse, Kirche und den dort ansässigen Ärzten“, schreibt sie unter anderem. Auch führt sie mögliche Einnahmeverluste für die Stadtkasse ins Feld, denn die Parkplätze seien regelmäßig gut genutzt. Schließlich gäbe es Grünflächen in der Stadt Suhl genug.

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Darstellung als Hexe

Mit dem Leserbrief veröffentlicht wurde eine Zeichnung, die eine städtische Mitarbeiterin – zuständig für Stadtplanung – als Hexe über einem Feuertopf – hier als Fördertopf gekennzeichnet – zeigt und zwei Kollegen, die den Satz sagen „Pst...Stör bloß nicht Frau Winkler, sie besorgt gerade das Geld für den Umbau der Bahnhofstraße“. (Anmerkung der Redaktion: Kritik an der dieser Zeichnung hatte schon der Ehemann der karikierten Frau, Florian Winkler, in einem Leserbrief in „Freies Wort“. 10./11. Januar 2026), geäußert und sie als „herabwürdigend“ und „diffamierend“ bezeichnet.)

Ja zu kritischer Berichterstattung, aber...

Und gerade auf die Karikatur und weniger auf den Inhalt des Leserbriefs vom 19. Dezember 2025 zielt ein Schreiben vom 21. Januar 2026 des Suhler Oberbürgermeisters André Knapp an „Freies Wort“. Darin bittet er um Veröffentlichung einer gemeinsamen Stellungnahme, die seine Meinung und die des Personalrates der Stadtverwaltung Suhl wiedergibt. Beide Seiten wollten damit auf eine „öffentliche Diskussion“ reagieren, die der Leserbrief ausgelöst habe. In der gemeinsamen Stellungnahme heißt es unter anderem: „Kritische Meinungen zu städtischen Vorhaben, zu politischen Prioritäten oder zu konkreten Projekten gehören zu einer offenen und demokratischen Stadtgesellschaft. Sie sind legitim, notwendig und ausdrücklich erwünscht. Auch zugespitzte Positionen sind Teil dieser Debatte, solange sie sachlich bleiben und sich auf Inhalte, Konzepte und Entscheidungen beziehen. Eine klare Grenze ist jedoch dann überschritten, wenn öffentliche Äußerungen, in Text oder Bild, einzelne Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der Stadtverwaltung persönlich herabsetzen oder in ihrer Würde verletzen.“

Persönliche Angriffe sind nicht zu tolerieren

Weiter heißt es: „Beschäftigte der Verwaltung dürfen nicht zu öffentlichen Zielscheiben gemacht werden. Sie setzen politische Beschlüsse um, arbeiten fachlich und professionell und stehen dabei häufig unter hohem öffentlichen Druck. Persönliche Angriffe oder diffamierende Darstellungen sind mit einem fairen Diskurs nicht vereinbar. Wir stellen uns ausdrücklich vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Suhl. So verdient auch unsere Leiterin der Stabsstelle für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung den nötigen Respekt für ihre Arbeit und den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte, unabhängig davon, ob fachliche Einschätzungen im Einzelfall eine öffentliche Zustimmung oder Kritik erfahren.“

Forderung nach Schutz der Persönlichkeit

Weiterhin wird in der gemeinsamen Stellungnahme Kritik daran geäußert, dass die Redaktion die Karikatur zum Leserbrief mit veröffentlicht hat. „Auch die Medien sehen wir in diesem Fall ganz klar in der Verantwortung. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut unserer Zivilgesellschaft und unverzichtbar für uns und unsere Demokratie. Sie verlangt jedoch eine sorgfältige Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und dem Schutz der Persönlichkeit des Einzelnen. Nicht jede Einsendung, nicht jede Zuspitzung und nicht jede Darstellung ist unserer Auffassung nach zur Veröffentlichung geeignet. Die redaktionelle Verantwortung für ein Informationsmedium bedeutet auch, Grenzen zu erkennen und diese vorsorglich auch zu schützen.

Im Namen der Stadtverwaltung Suhl bekennen wir uns klar und ausdrücklich für einen offenen, sachlichen und respektvollen Austausch über die Entwicklung unserer Stadt. Kritik soll gehört werden, Meinungen sollen diskutiert werden. Dies aber immer ohne persönliche Herabsetzung, ohne öffentliche Bloßstellung und ohne eine Verletzung der Würde einzelner Menschen. Dafür treten wir gemeinsam ein.

Der Oberbürgermeister und der Personalrat der Stadtverwaltung Suhl“.