Porzellan trifft Politik Thermos-Zwist im Heinse-Haus

Karl-Heinz Veit

Im Heinse-Haus Langewiesen ist derzeit die Sonderausstellung zur Porzellanherstellung in der Stadt zu sehen. Im Ortsteilrat kam es zu einer kontroversen Diskussion.

Die Ortschaftsratsmitglieder würdigten die von Elke Gruner gestaltete Sonderausstellung „Porzellanfabrikation der Langewiesener Firma Oscar Schlegelmilch“ Foto: Karl-Heinz Veit

Ortsteilbürgermeisterin Ines Wagner (SPD) begrüßte am Montagabend im Heinse-Haus nicht nur die Ortschaftsräte, sondern auch Stadtrat Karl-Heinz Mitzschke (Linke) und Michael Kühnlenz vom Ilmenauer Porzellantraditionsverein zur Besichtigung der Sonderausstellung „Oscar Schlegelmilch Porzellan“. Sie dankte vorab Elke Gruner für deren Bereitschaft, durch die von ihr gestaltete Ausstellung zu führen.

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Elke Gruner begann ihre Ausstellungsführung im unteren Hausflur in fast schon pädagogischer Manier mit der allgemeinen Frage, wie denn die Ortschaftsräte generell die Wirkung des Heinse-Hauses auf das öffentliche städtische Leben einschätzen. Ex- Bürgermeister Horst Brandt verwies darauf, dass seinerzeit fast vier Stellen im Heinse-Haus geschaffen wurden, um Stadtgeschichte aufzuarbeiten, eine breite Öffentlichkeitsarbeit zur Heinse- Forschung zu leisten, aber auch die mittlerweile legendär gewordenen und in der Region geschätzten Weihnachts- und Ostermärkte zu gestalten. Stadtrat Karl-Heinz Mitzschke verglich die Aktivitäten rund um Heinse in Langewiesen mit dem, was in Ilmenau zu Goethe alles getan werde. Er stellte den Langewiesenern ein sehr gutes Zeugnis aus.

Und was ist mit „Thermos“?

Als Elke Gruner ihre persönliche Meinung kundtat, dass seit der Gründung des Heinse- Hauses 1998 eigentlich nichts Neues passiert sei – vermutlich meinte sie das Ausstellungsgeschehen mit den Dauerausstellungen zu Heinse, zu „Thermos“, zur Thermometerfabrikation und auch zu Schlegelmilch Porzellan – wandte sich Ortsteilrat Heinz Völker gegen diese Art der Wertung und wies sie entschieden zurück.

Ortsteilrat Sylvio Steiner machte darauf aufmerksam, dass die Geschichte zu „Schlegelmilch-Porzellan“ unverdient hochstilisiert werde. Ganz „im Gegensatz zu der viel bedeutenderen Geschichte von Thermos in Langewiesen.“ Diese werde förmlich untergebuttert. Die Langewiesener „Welterfindung von Thermosflasche und Thermosgefäß“, die man im Gegensatz zum Schlegelmilch- Porzellan in aller Welt kenne, schätze und bis heute in Gebrauch habe, komme in ihrer geschichtlichen Bedeutung und Wertung mit dem Bezug zur Stadt viel zu kurz. Selbst bei der „Kreiselgestaltung“ am ehemaligen Standort der Thermosfabrik tue man sich mit der symbolhaften Darstellung einer Thermosflasche als weithin sichtbaren Hinweis auf deren einstige Erfinderstadt schwer, stellte Sylvio Steiner klar heraus.

Fast eine halbe Stunde Diskussion

Nach der fast halbstündigen, kontrovers geführten Disputation begann schlussendlich die Ausstellungsführung. Elke Gruner erläuterte ausführlich, was ihre Intentionen gewesen seien, als sie diese Ausstellung gestaltete. Sie verwies auf Besonderheiten des Wirkens von Firmengründer Oscar Schlegelmilch, der 3200 Dekore selbst entwarf und zwei Weltpatente zur Dekorgestaltung eintragen ließ, hin. Auch die künstlerische Arbeit hiesiger Porzellanmaler wird in der Ausstellung gebührend gewürdigt.

Anerkennend äußerten sich die Ortschaftsräte zur ehrenamtlichen Arbeit von Elke Gruner als Kuratorin der Sonderausstellung und zu deren Forschungen zum Langewiesener Schlegelmilch-Porzellan.