Politik hautnah Abgeordnete als Praktikantin

Die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Diana Lehmann und Buchhändler Michael Waniek Foto: /Karl-Heinz Frank

Volksvertreterin Diana Lehmann wechselt die Rollen und arbeitet im Buchhaus mit. Was hat sie erlebt?

 
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Draußen pfeift der Wind, es ist nasskalt. Die richtige Zeit, sich einzumummeln und ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Wer in dieser Woche auf der Suche nach einem solchen und fachkundiger Beratung ins Buchhaus Suhl kam, wurde dort nicht nur von der freundlichen Stammbelegschaft um die Inhaber Heike Becker und Michael Waniek empfangen, sondern auch von der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Diana Lehmann. „Seit 2014 mache ich immer mal wieder Praktika, um so mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, verrät sie. In Pflegeeinrichtungen und einem Kindergarten, im Tierpark und auf der Frühchenstation des Klinikums sei sie schon gewesen. Nun, mitten im Advent, steht sie im Buchhaus und nutzt die Gelegenheit, mit den Mitarbeitern und Kunden zu plaudern. Die Idee dazu kam allen Beteiligten kürzlich bei einer gemeinsamen Veranstaltung.

Was aber macht eine Abgeordnete, die zwar nach eigenem Bekunden gern ein Buch in die Hand nimmt und darin schmökert, aber deswegen natürlich noch lange beileibe keine ausgebildete Fachverkäuferin ist? – „Zunächst habe ich tatsächlich erst einmal viel zugeguckt und mit den Leuten über die Situation im Einzelhandel, und insbesondere über die Lage im Buchhandel, gesprochen“, berichtet Diana Lehmann. Defizite in den örtlichen Handelsstrukturen, etwa durch in der Region fehlende Sortimente, seien besprochen worden.

Der Erkenntnisgewinn daraus mag nicht neu sein, wichtig ist er dennoch: „Den kompetenten Buchhändler vor Ort kann kein Versandhändler ersetzen, den Buchhandel braucht es immer. Es geht wie in vielen Bereichen darum, vor Ort zu kaufen und die Wirtschaftskraft da zu lassen, wo sie hingehört.“ Überhaupt genieße sie den Aufenthalt in Buchhandlungen immer wieder. Die Mutter sagt: „Und auch für Kinder gibt es fast nichts Schöneres, als sich durch Bücher zu wühlen.“

Die Kunden des Buchhauses aber haben an diesem Praktikumstag ein eher überschaubares Interesse an der Politikerin, die sich volksnah gibt und nicht mit Broschüren und Infostand, sondern als ganz normale Praktikantin da ist und mit anpackt. Sie sind in dieser Zeit hier, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Immer wieder gehen derzeit vor allem Kalender und hochwertige Bände über den Ladentresen, man kommt dann doch nochmal kurz ins Gespräch.

„Dass die Leute fröhlich auf mich zugehen, habe ich ja auch nicht erwartet“, sagt Diana Lehmann. Schließlich sei sie ja auch ohne Praktika jederzeit ansprechbar, wenn die Bürger Anliegen hätten, etwa über ihr Wahlkreisbüro am Dianabrunnen im Herzen der Stadt. Bei den Bürgersprechstunden, die sie regelmäßig anbietet, kämen dann durchaus die Themen zur Sprache, die die Leute bewegen: „Immer wieder geht es um Löhne und Renten, die trotz fleißiger Arbeit oft viel zu niedrig sind“, berichtet die Landtagsabgeordnete. Aber auch das Thema Migration sei solch ein Schwerpunkt. „Und das durchaus aus verschiedenen Blickwinkeln“, sagt sie. Insgesamt sei es ihr als Volksvertreterin wichtig,erreichbar und vor Ort ansprechbar zu sein. Dass das nicht immer gelinge, räumt sie ein: Neben Suhl gehören auch der Ilm-Kreis, der Kreis Sonneberg und das Altenburger land zu ihrem Zuständigkeitsbereich. „Man kann leider auch nicht immer helfen, aber zuhören und daraus Schlussfolgerungen ziehen“, sagt sie.

Und Buchhändler Michael Waniek? – Er ist zufrieden mit „seiner „Praktikantin, die sich durchaus bemüht habe und sich Zeit genommen habe, zuzuhören und Fragen zu beantworten. „Es ist schon viel wert, jemanden da zu haben, der profunde Antworten auf Fragen geben kann, die einen alltäglich bewegen“, sagt er. Am Ende des Praktikumstages sind sich der Chef und seine Praktikantin einig, dass es beiden Spaß gemacht habe und sie gute Gespräche hatten.

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