Hoffnung auf Neuauszählung der Bundestagswahl als Strohhalm
Anders als bei der Europawahl und den Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen 2024 scheiterte das BSW bei der vorgezogenen Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde - wenn auch sehr, sehr knapp. Das BSW dringt seither auf eine Neuauszählung, da nur wenige Tausend Stimmen fehlten und es Hinweise auf Zählfehler gebe. Der zuständige Wahlprüfungsausschuss des Bundestags könnte im Dezember darüber befinden. Im Zweifel will das BSW vor dem Verfassungsgericht klagen.
Darüber sprach Wagenknecht auch jetzt wieder ausführlich. Offiziell hält die Partei die Hoffnung hoch, dass man doch noch ins jetzige Parlament einzieht. Denkbar ist aber auch, dass ein erfolgreicher Einspruch letztlich zur Neuwahl führen würde. Und das wiederum wäre wegen schwacher Umfragewerte eher nicht im Sinne der Partei.
Die Aussichten bei den nächsten Wahlen sind wacklig
Bundesweit liegt das BSW in Umfragen nur noch bei drei bis vier Prozent. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo nächstes Jahr gewählt wird, ist die Größenordnung ähnlich. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sieht es vor den Landtagswahlen 2026 mit sechs bis sieben Prozent besser aus. Der Einzug in die Parlamente könnte klappen.
Für Wagenknecht liegt die Schwäche unter anderem an Vielstimmigkeit und mangelndem Profil der Partei - genau dem will sie sich nach eigenen Angaben wieder widmen. Im BSW bemühen sie Zuversicht. Die Co-Vorsitzende Mohamed Ali betonte, in der Partei spüre sie, "dass die Begeisterung in der Mitgliedschaft für das BSW ungebrochen ist". Der designierte Co-Vorsitzende De Masi sprach von Kampfgeist.
Politikwissenschaftler Thomeczek schreibt das BSW folglich nicht ab, er sagt aber auch, die spannende Frage sei: "Wie lang ist da der Atem auch finanziell gesehen? Wer will da weiterhin noch unterstützen und aktiv sein?" Das BSW will bis Jahresende 10.000 Mitglieder haben, aber das ist für eine Partei immer noch wenig. Am Ende sagt auch der Politikwissenschaftler: "Schauen wir mal."