Paracycler Jan Wiedemann aus Sonneberg ist wieder unterwegs Für ein Date mit dem Weltmeister

Materialschau: Weltmeister Michael Lohfink (links) und der Sonneberger Jan Wiedemann beginnen sofort mit dem radsportlertypischen Technik-Talk. Foto:  

Fünf Euro pro Kilometer, für einen guten Zweck – Paracycler Jan Wiedermann aus Sonneberg spult dafür 600 Kilometer ab. Der Erlös wird zu hundert Prozent Special Olympics zugutekommen.

Sonneberg/Karlsruhe - Seit einem Motorradunfall ist der linke Arm von Jan Wiedemann komplett gelähmt. Nach diesem Ereignis entdeckt er seine Leidenschaft für den Radsport. Dank Spezialumbau kann er sein Rennrad mit nur einer Hand steuern – und beeindruckt seither mit Spitzenleistungen sowie ungewöhnlichen Aktion. Die jüngste Aktion – Jan Wiedemann nennt sie Tour de Klaiber – führte ihn zum Namensgeber, einer Firma für Markisen in Baden-Württemberg.

Bei dieser Tour (wir berichteten vorab) legte Jan Wiedemann zwei Etappen zurück. Zunächst standen die 300 Kilometer von seiner Heimat Sonneberg bis zu dem Klaiber-Firmensitz in Forst auf dem Programm. Nach einem Ruhetag ging es dann im Sattel seines Spezialrades zurück nach Thüringen – und das alles für einen guten Zweck. Für jeden gefahrenen Kilometer spendete die Firma fünf Euro. Für die Gesamtstrecke von 600 Kilometern kamen also 3000 Euro zusammen, die auch gleich an Special Olympics Baden-Württemberg (SOBW) übergeben wurden. Zur Erklärung: SOBW verfolgt das Ziel, durch den Sport Menschen mit geistiger Behinderung zu mehr Selbstständigkeit, Anerkennung und Teilhabe in der Gesellschaft zu verhelfen. 

Donnerstagmorgen, in aller Herrgottsfrühe, 5.30 Uhr, fiel der Startschuss für Wiedemanns erste Etappe. Aufs Rennrad, fertig, los! Eine Strecke von zunächst 300 Kilometern, dezent gewürzt mit 1400 Höhenmetern – stand auf dem Tagesprogramm. Und das trotz schwieriger Wetterbedingungen. Obwohl Jan wochenlang diverse Wetter-Apps studiert hatte, sagten alle etwas anderes. In einem Punkt waren sich allerdings alle einig: Es wird windig bis stürmisch. Aber Aufgeben war hier keine Option für den Sonneberger.

Regen, Wind und Sonne konnten dem Behindertenradsportler bei seiner Tour durch halb Deutschland nichts anhaben. Und 50 Kilometer vor Bruchsal kam, was kommen musste: Ein Platschregen sorgte für eine saftige Ganzkörper-Dusche. Feingefühl beim Steuern war nun gefragt – vor allem beim Bremsen, das Jan Wiedemann nur mit einer Hand erledigen kann. Trotz aller Herausforderungen erreichte Jan Wiedemann das Ziel am Firmensitz, wenn auch klatschnass. Zuvor hatte er aber schon zehn Klaiber-Fachhändler passiert; er hätte also durchaus schon früher den Scheck abholen können. Nichts da – er trat gut 13 Stunden  unermüdlich in die Pedale – bis zum Hauptsitz.

Nach den Strapazen der ersten Etappe durfte sich Jan Wiedemann auf den Ruhetag am Freitag freuen, bevor er sich auf den Heimweg machte – natürlich wieder auf dem Rennrad. Die Verschnaufpause stand ganz im Zeichen der Spendenübergabe an Special Olympics Baden-Württemberg in Karlsruhe. Dort trafen Jan Wiedemann, Ralf Klaiber, Beate Slavetinsky und Michael Lofink aufeinander. Firmenchef Ralf Klaiber erklärte dabei noch einmal: „Bei unserem Engagement steht immer der Sport im Vordergrund, nicht das Sponsoring. Wir als badisches Familienunternehmen freuen uns sehr, wenn wir mit unserer Spende die Special-Olympics-Familie unterstützen können.“ Den übergroßen Scheck nahm SOBW-Schatzmeisterin Beate Slavetinsky in Empfang. Und Jan Wiedemann traf „nebenbei“ auf einen Weltmeister, auf den Athletensprecher und Rennradfahrer von Special Olympics Baden-Württemberg, Michael Lofink. Dieser war sichtlich beeindruckt von der Leistung des Thüringers, aber auch von der grandiosen Unterstützung. Die beiden Radprofis waren sich auch ziemlich schnell darüber einig, noch weitere gemeinsame Aktionen folgen zu lassen; die nächste absolvierte Wiedemann jedoch (fast) allein.

Nach der eintägigen Verschnaufpause hieß es nämlich wieder: Ab in den Sattel – nur andersrum. Das schien sich auch der Wind gedacht zu haben und änderte seine Meinung. Nicht wie gehabt von Süd, kam er nun aus Nord – ebenso stürmisch wie bei der Hinfahrt. Doch Gegenwind ist Jan Wiedemann inzwischen gewohnt – aus allen Richtungen. So nahm er bei der Rückfahrt die reizvolle Landschaft wahr: Schöne Täler und Hochebenen säumten seine Tour auf dem Rennrad. 90 Kilometer vor Sonneberg war er dann auch nicht mehr allein auf dem Rad. Wiedemann bekam Unterstützung von einem guten Freund und Unterstützer, der ihn auf den letzten Kilometern im Windschatten fahren ließ.

Als Wiedemann dann die Nachricht seiner sicheren Heimkehr auch zu Förderer Klaiber gesandt hatte, folgte prompt die ausführliche Antwort in den sozialen Netzwerken: „Wir durften einen Menschen wie Jan Wiedemann kennenlernen, der keine Herausforderung scheut und somit zum echten Vorbild wird. Wir durften Teil eines ganz besonderen Projektes sein und einen kleinen Beitrag zu etwas ganz Großem beitragen. Für uns ein absolutes Herzensprojekt, an das wir gerne immer wieder denken werden.“ red

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