Panne statt Tanne Ein umsonst gefällter Baum

und Peter Tischer

Der Coburger Weihnachtsbaum sollte heuer aus Neustadt kommen. Aber die Polizei untersagte den Transport der Tanne, die bereits am Haken hing.

Eigentlich war diese Geschichte schnell geschrieben. Alle Jahre wieder lässt die Stadt Coburg in der Region einen Baum fällen, der dann als Weihnachtsbaum den Marktplatz ziert. Auch an diesem Montag war das so wieder geplant. Pünktlich gegen acht Uhr rückte ein Team des Grünflächenamtes und des CEB am Ortseingang von Meilschnitz (Neustadt bei Coburg) an, um eine stattliche Edeltanne aus dem Anwesen von Ernst Fischer erst zu fällen und dann mittels Schwertransport nach Coburg zu transportieren. Das mit dem Fällen klappte auch problemlos wie immer – schließlich machen alle an der Aktion Beteiligten das nicht zum ersten Mal. Als es aber an den Transport ging, überbrachte die Neustadter Polizei, die den Zug begleiten sollte, die Hiobsbotschaft: Der Baum durfte nicht auf die Reise, weil er zu lang und breit für die ausgewählte Strecke sei, hieß es. Die Tanne, die bereits am Kran hing, musste also abgelegt und später zu Kleinholz verarbeitet werden. Und ein neuer Baum für Coburg her.

Aber vorher blieben erst einmal fassungslose Mitarbeiter der Stadt Coburg und des CEB zurück. Und ein noch fassungsloserer Baumeigentümer. 55 Jahre lang hätte die Tanne in seinem Garten in der Effelder Straße gestanden, erzählte Ernst Fischer der Neuen Presse. „Es tut weh, dass wir ihn ummachen lassen, aber wir hatten Angst, dass er bei Unwetter aufs Haus stürzt“, begründete er den Entschluss, die Edeltanne dem Abholzen freizugeben, „aber als Weihnachtsbaum erfüllt er dann wenigstens einen guten Zweck und erfreut Menschen.“ So sah Ernst Fischer das noch in aller Herrgottsfrühe. Ein paar Stunden später saß er dann jedoch auf einem Haufen Holz. Und der Traum vom Coburger Weihnachtsbaum war geplatzt.

Vor mehr als fünf Jahrzehnten hatte er ihn als Gratiszugabe zu einem Kasten Bier beim hiesigen Getränkemarkt bekommen, erinnerte er sich. Und dann gehegt und gepflegt und ihn so zu einem stattlichen Baum von 16 Metern Höhe werden lassen. 2,6 Tonnen wog er, bestätigte Kranführer Thomas Fischer, der den XXL-Baum am Haken hatte.

Dass die Stadt überhaupt einen Baum aus Neustadt holen wollte, erklärte Stadtförster Stephan Just damit, dass es von Jahr zu Jahr immer schwieriger wird, geeignete Weihnachtsbäume zu finden. „Wir hatten schon ab und zu einen aus dem Landkreis. Weil in Coburg die, die wir in petto haben, noch etwas zu klein sind und noch einige Jahre brauchen“, erklärte er.

Und die Edeltanne von Ernst Fischer war derart schön, dass eigentlich auch schon die Stadt Neustadt einen Blick auf sie geworfen hatte. Für den eigenen Marktplatz. „Doch dann hatte man in diesem Jahr schon jemandem anderen zugesagt und unserer wäre für 2023 vorgesehen gewesen“, so Fischer.

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid: Während man in Meilschnitz noch fassungslos ob der missglückten Weihnachtsbaumaktion war, konnte eine Familie in Dörfles-Esbach hingegen am Montag ihr Glück kaum fassen. Denn eigentlich hatte auch schon Sina Ebert eine Absage für die serbische Fichte bekommen, die direkt vor ihrer Tür in der Wohnstraße stand. „Der Baum hätte noch etwas Zeit gebraucht, um noch ein bisschen größer zu werden“, erklärte Stephan Just. Dann sei letzte Woche beschlossen worden, die Fichte doch zu nehmen – und zwar für den Albertsplatz. Und am Montagfrüh kam dann noch mal eine Wende: „Mein Mann hat im Internet gelesen, dass die Tanne aus Neustadt nicht transportiert werden darf und hat gleich gemutmaßt, dass sie jetzt unseren Baum für den Markt nehmen“, erzählte Sina Ebert. Und so kam es dann auch. Gegen 14 Uhr hing der Baum in Dörfles bereits am Haken. Mit großer Polizeieskorte ging es für ihn dann über die Lauterer Höhe und die Stadtautobahn Richtung Innenstadt, wo die serbische Fichte noch am Nachmittag aufgestellt wurde.

Ernst Fischer aus Meilschnitz hat derweil angekündigt, dass er das Holz seines umsonst gefällten Baumes spenden will. Damit dieser am Ende dann doch noch irgendwie einen guten Zweck erfüllt.

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