Outdoor Neuheiten 2026 Spaghetti und Streifen: die schönsten Möbel-Trends für Balkon und Garten

Nicole Golombek

Liegen, Sessel, Sonnenschirme für Balkons, Terrassen und Garten – die schönsten Einrichtungsideen fürs Draußenwohnzimmer.

Die derzeitige Weltpolitik ist bevölkert von Personen mit Großmannssucht, Napoleon kommt einem da zuweilen auch in den Sinn. Auf ihn, seine 21 Siege geht das seit 1858 existierende bretonische Streifenhemd zurück, la marinière. 21 Ringel in der Marineoberbekleidung stehen für 21 napoleonische Siege. Coco Chanel zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in den 1980ern dann Jean-Paul Gaultier, machten daraus hochwertige Designermode.

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Diese Assoziation war es aber vermutlich nur bedingt, die Gestalter in jüngster Zeit besonders viel Lust auf Streifen gemacht hat, sei es auf Vasen, seit es auf Stoffen. Die Kombination kirschrot-weiß oder auch zitrus-weiß hatte man schon öfter in den späten 60ern und in den 70ern. In wirtschaftlich prosperierenden Zeiten, in denen die Menschen fortschrittsgläubig auf eine sogar noch bessere Zukunft hofften.

Streifen auf Sitzkissen und Sonnenschirmen

Streifen wirken superfröhlich, und alles was die Laune hebt angesichts der aktuell doch betrüblichen Nachrichten aus Wirtschaft und Politik, scheint den retroverliebten Designern offenbar begrüßenswert. Auch manchen Architekten, wie beispielsweise die blau-weiß gestreiften Jalousien an Fenstern von Gebäuden der Stuttgarter LRO Architekten dokumentieren und ebenso sowieso die mutig gestalteten Interieurs von Fabian Freytag.

Passt ja auch herrlich zu allem – Beton, Ziegel, Holz und den vielen Naturtönen, die die Farben der Pflanzen im Balkonkasten oder im Garten aufgreifen und variieren. Braun- und Bordeauxtöne sind hinzugekommen. Mutige wählen ein leuchtendes Kobaltblau dazu, wer es dezenter liebt: ein kraftvolles Stahlblau. Mutig und stilsicher sind bekanntlich auch das Designerpaar aus Karlsruhe Marcel Besau Eva Marguerre, sie haben für Gartenmöbel-Klassiker von Aisslinger, Sebastian Herkner und Co. von Dedon Farbwelten kuratiert, ein blauer Outdoorteppich inklusive.

Neue Outdoor-Farbwelt für Dedon von Studio Besau Marguerre. Foto: Hersteller/Dedon/Bernd Opitz

Streifen zudem sind das gerade noch akzeptierte geometrische Muster für Leute, die keine Muster mögen, zumindest keine Blümchen oder Girlanden. Streifen auf Sitzauflagen und vor allem auf Sonnenschirmen sind aktuell allüberall zu sichten von Jan Kurtz aus Affalterbach über HAY und Ferm Living aus Dänemark, Fatboy aus den Niederlanden bis zu Kartell aus Italien – Piero Lissoni etwa hat mit dem „Pop Monoblock (hero)“ ein breit gestreiftes weiß-burgunderfarbenes, mollig wirkendes Sofa entworfen.

Spaghetti-Liegen und Stapel-Stühle

Auch bei der Gestaltung der Liegen, Sessel und Stühle selbst finden sich oft geometrische Muster, selten Punkte, häufiger Streifen. Gerade architekturaffine Leute haben oft, sofern das Geld noch reicht, sogenannte Spaghetti-Stühle im Garten stehen, die Idee dazu hatte der italienische Industriedesigner Giandomenico Belotti 1979, also Stühle mit parallel horizontalen verlaufenden Schnüren als Rücklehne (machen lustige Abdrücke am Rücken).

Retro-Charme in Naturtönen von Sand bis Bordeaux mit Bodenhaftung: drehbare Loungesessel „Gem“. Foto: Hersteller/cane-line

Der Stuhl hat sogar seinen Platz im Museum of Modern Art (MoMA) in New York gefunden, besonders gut verarbeitete Modelle kommen von Schaffner aus der Schweiz. Die Schnüre gibt es selbstredend inzwischen auch aus recyceltem Material. Unter jüngeren Entwürfen finden sich horizontal angeordnete Streifen als Sitzfläche und Rückenlehne bei den „Vig“-Stühlen von Normann Copenhagen, vertikale Linien hat sich Julien Renault für seine Deville“-Kollektion für HAY ausgedacht, die stapelbaren Stühle bestehen aus mindestens 60 Prozent wiederverwendetem Aluminium.

Wer schon längst Stadtbalkönchen oder Terrassen hergerichtet, aber Lust auf dezent Neues hat, erfreut sich womöglich an gestreiften Blumentöpfen, an Strandtüchern für die Liege (wie sie Sebastian Herkner für Ames entworfen hat) oder auch an Kissen mit zitronengelben oder andersfarbigen Streifen, die praktisch überall im Programm sind – von Ikea bis zu Ferm Living.

Klappbare Outdoormöbel für die nomadischen Geister

Wohnlich mit Kissen, Teppichen, kabellosen Leuchten und zuweilen kompletten Sofalandschaften werden die Terrassen seit Jahren, nun aber entwickelt sich auch ein eher nomadischer Stil für die Flexiblen, Unsteten: Damit man schnell weiterziehen kann, falls es irgendwo auf der Welt ungemütlich wird, haben Gestalter jüngst viele klappbare, tragbare, leichte Holzmöbel entworfen. Besonderes Gespür für derlei Trends besitzt die dänische Firma HAY, sie hat den renommierten Designer Jasper Morrison gleich um solche eine komplette Kollektion gebeten, selbstredend sind die Stoffe gestreift.

Klappbares von Jasper Morrison: Sofa und Tisch aus der Serie „Outdoor Market“. Gestell aus Buchenholz und Sitzfläche aus gestreiftem recyceltem Polyester. Foto: Hersteller/HAY

Und was soll man sagen, auch wer kein Fan von Camping und Abenteuerurlaub ist – angesichts der so schlicht wie lässig gestalteten Sessel aus nachwachsendem und recyceltem Material, regt sich zumindest ein gewisser Unternehmungsgeist. Im Übrigen, Lust auf Aufbruch ins Ungewisse, in andere ferne, womöglich angenehmere Gefilde als die hiesigen – wer hätte sie derzeit nicht?

Aktuell überzeugende Entwürfe für Balkon, Terrasse und Garten finden sich in der Bildergalerie.